merken
PLUS

Waldcampingplatz Copitz im zweiten Anlauf verkauft

Zunächst blockierte der Stadtrat den Vertrag mit einem Dresdner Unternehmen. Nun wurden in das Papier Sicherheiten eingebaut. Eine Forderung fiel aber durch.

Von Alexander Müller

Am Sonntag hat er zugemacht. Der Waldcampingplatz in Pirna-Copitz hat seine Saison beendet. Regulär herrscht jetzt bis zum kommenden Frühjahr Winterruhe. Doch hinter den Kulissen geht es heiß her, kann von Stille keine Rede sein. Die Frage ist, wer Eigentümer des idyllischen Areals inklusive Natursee sein wird, wenn es nächstes Jahr wieder öffnet.

Wandern
Schritt für Schritt
Schritt für Schritt

Gerne an der frischen Luft und immer in Bewegung? Wanderwege, Tipps und Tricks finden Sie hier.

Ein erster Versuch, den momentan noch den Stadtwerken Pirna gehörenden Waldcampingplatz an einen privaten Investor zu veräußern, scheiterte im September überraschenderweise im Stadtrat. Die Pirnaer Räte hielten die Verkaufsbedingungen mehrheitlich nicht für optimal. Der Stadtrat muss dem Vertrag zustimmen, da die Stadtwerke eine Tochterfirma des Pirnaer Rathauses sind.

Es waren sechs Punkte, welche die städtischen Abgeordneten forderten: Die Sicherung des öffentlichen Zugangs zum See soll über allem stehen, noch vor den Grundschulden. Und sie soll auch noch im Insolvenzfall oder bei einem Weiterverkauf fortbestehen. Sollten die betroffenen Grundstücke innerhalb von zehn Jahren weiterverkauft werden, so soll der Mehrerlös an die Stadtwerke fließen. Eventuelle Altlasten dürfen nicht auf die Stadtwerke oder die Stadt zurückfallen. Die Stadtwerke bekommen ein Vorkaufsrecht bei einer Weiterveräußerung. Zudem soll das Unternehmen von dem Vertrag zurücktreten können, falls der Kaufpreis nicht fristgerecht bezahlt wird, der Campingplatzbetrieb eingestellt wird, Stadt oder Stadtwerke wegen Altlasten in Anspruch genommen werden oder der Erwerber insolvent ist, ein Insolvenzverfahren gegen ihn eröffnet wird oder die Eröffnung eines solchen mangels Masse abgelehnt wird. Schließlich setzten die Stadträte den Kaufpreis auf knapp 2,3 Millionen Euro fest.

Der Hintergrund dieser Forderungen ist klar: Die Stadträte möchten den Natursee der Allgemeinheit erhalten, und sie wollen verhindern, dass das Areal zur Spekulationsimmobilie wird. Fraglich ist, ob auch der Investor mit diesen ihm auferlegten Bedingungen leben bzw. vor allem wirtschaften kann. Die „LCR Saxonia GmbH“ (Saxonia), welche die Erwerbergesellschaft ist, hat sich auch dazu geäußert, und es kam mittlerweile zu einer Einigung bei den meisten Punkten. Der öffentliche Zugang könne wie gewünscht garantiert werden. Auch das Vorkaufsrecht und viele der Rücktrittsrechte der Stadtwerke werden akzeptiert. Eine Mehrerlösklausel wurde grundsätzlich ebenfalls hingenommen, allerdings soll den ersten Zugriff die finanzierende Hausbank, das ist Ostsächsische Sparkasse Dresden, bekommen. Was eventuelle Altlasten angeht, so habe man das auch durchaus so vorgesehen, dass das Risiko dafür auf die Erwerber übergeht. Komplett ausschließen ließe sich das aber aus gesetzlichen Gründen nicht.

Überhaupt nicht akzeptieren wollte die Seite des Käufers allerdings den neuen Preis von fast 2,3 Millionen Euro. Man bestand auf die verhandelte Summe von gut 1,4 Millionen Euro. Dieser Betrag sei mit den Stadtwerken abgestimmt worden und bilde die wesentlichste kalkulatorische Grundlage für alle betriebswirtschaftlichen Planungen.

Auf ihrer gestrigen Sitzung stimmten die Stadträte dem Verkauf doch noch zu. Bei der Frage der Altlasten wurde unterstrichen, dass diese nicht auf die Stadt oder Stadtwerke zurückfallen dürfen. Die Forderung nach dem höheren Kaufpreis ließen die Räte fallen. Die Geschäftsübergabe ist für das erste Quartal 2014 vorgesehen. Der Start des Geschäftsbetriebs in der neuen Eigentümerstruktur ist Anfang April geplant.