merken
PLUS Zittau

Nach den Fichten sterben jetzt die Buchen

Nach den Borkenkäfern stehen die Förster in Löbau und Zittau vor dem nächsten Problem: Der Waldumbau funktioniert nicht. Dabei gab es eine klare Empfehlung.

Revierförster Matthias Forgber versucht trotz großer Waldschadens-Probleme positiv in die Zukunft zu schauen.
Revierförster Matthias Forgber versucht trotz großer Waldschadens-Probleme positiv in die Zukunft zu schauen. © Matthias Weber/photoweber.de

Als wäre das Zittauer Gebirge mit dem massenhaften Fichtensterben durch Borkenkäfer und Co und dem Klimawandel nicht schon genug bestraft, sind nun auch noch viele mittel-alte und alte Buchen- und Eichen-Bestände todkrank. Dabei werden gerade diese Baumarten aus Fachkreisen der Forstwirtschaft für den Waldumbau empfohlen.

Revierförster Matthias Forgber zeigt symbolisch auf eine Rotbuche im Wald unweit des Bahnhofs Bertsdorf. Im unteren Bereich trägt sie saftiges Grün. Aber ihre Krone ist blattlos. Ein deutliches Zeichen für extremen Wassermangel. Etwa 50 Jahre ist die Buche  alt. Kein Alter für eine Buche, die bei normalen Bedingungen etwa 250 Jahre alt werden können. 

Energie - Strom und Wärme in Sachsen
Energie sinnvoll nutzen und gewinnen
Energie sinnvoll nutzen und gewinnen

Wind- und Sonnenenergie sind unersetzlich für eine erfolgreiche Energiewende - hier informieren wir über die neuesten Entwicklungen.

Die Rotbuche steht an einem guten Platz. Die nächste Straße ist weit weg. Sie kann also nicht durch Streusalz im Winter geschädigt worden sein, erklärt der Förster. Er zeigt nach oben. An den Anblick von absterbenden Fichten hat man sich schon fast gewöhnen müssen. Nun sehen aber auch die Kronen vieler Buchen, Eichen, Birken und anderer Baumarten krank aus. Und durch ihr Kränkeln werden noch Holz zerstörende Pilze aktiv. 

Vor allem aber haben die Rotbuchen ein großes Problem. Viele stehen im Gebirge auf wechselfeuchten Standorten. Die nährstoffreiche Bodenschicht ist nicht tief. Dann aber kommt Lehm. Bei trockenen Sommern wird der wie Beton, schildert Matthias Forgber.  Andererseits staut sich hier das Wasser bei sehr nassen Sommern. Aber das trifft kaum noch zu. 

Matthias Forgber führt zu einem Problembaum. Es ist eine stattliche Rotbuche, schätzungsweise 120 bis 130 Jahre alt. Noch im Vorjahr war sie ein Musterexemplar von einem Baum. Jetzt gibt es für die Buche keine Rettung mehr. Nicht nur ihre Krone ist kahl geworden.  

Und nur wenige Meter weiter steht eine ebenfalls so alte Rotbuche, die dem Revierförster die Sorgenfalten auf die Stirn treibt. Die beiden Buchen stehen nur ein paar Meter von der Bertsdorfer Straße entfernt auf Höhe der Rinderanlage. Sie sind eine Gefahr für den Straßenverkehr geworden. 

Unweit des Bahnhofs Bertsdorf wird es deswegen jetzt eine Straßensperrung geben. "Wir müssen hier dringend zeitnah handeln", sagt Matthias Forgber. Eine der beiden Buchen könnte man vielleicht mit Aussägen noch eine Chance geben.

Aber so stark, wie auch sie schon geschädigt ist, würde man das Fällen wahrscheinlich nur ein Jahr hinauszögern. So nah an der Straße bleibt sie ein Problembaum. Schon jetzt liegen am Straßenrand große Äste von ihr. Und andere haben sich im Geäst verfangen.

Es gibt kein Allheilmittel

Ein Allheilmittel gegen das Baumsterben gibt es nicht. Schließlich können die Förster keinen Regen herbei schwören. Und es müsste schon viel regnen, wenn sich die Bäume erholen sollen. "Es ist ja nicht so, dass wir bei Wiederaufforstungen gänzlich auf Nadelbäume verzichten. Wir pflanzen beispielsweise auch Tannen", schildert der Revierförster.

Die Natur sendet aber ebenso positive Signale, auf die die Förster neben Wiederaufforstung mit setzen können. Naturverjüngung heißt das Schlagwort dafür. Matthias Forgber zeigt auf Dutzende Beispiele im Wald, wo noch sehr junge Buchen stehen. Sie sind aus Bucheckern im Umkreis von Altbuchen oder durch die Hilfe von Eichhörnchen und Eichelhäher entstanden. "Ein junger Baum, der von selbst auf diesem Boden im Wald Wurzeln gebildet hat, ist oft widerstandsfähiger", schildert er. 

Über mangelnde  Arbeit braucht sich jetzt wohl kein Förster in Deutschland beklagen. An einem Waldweg wird das nächste große Problem sichtbar. Drei Arten von Holz - meist Fichte - sind hier aufgestapelt. An einem Stapel sind noch einige Äste an den Stämmen. Das ist Hackerholz und wird geschreddert", sagt Matthias Forgber. An einem Stamm ist deutlich zu sehen, dass es sich der Buchdrucker hier gut gehen lässt. An einem anderen Stamm ist mit dem Kupferstecher der nächste Baumschädling nachzuweisen.

"Wenn wir das Holz rechtzeitig aus dem Wald kriegen, bevor die Flugzeit der Schädlinge beginnt, könnten wir sie gleich mit dem Holz loswerden", berichtet er. Aber das mit dem aus dem Wald bekommen, ist nicht so einfach. In Zittau gibt es bereits zwei große Holzlagerplätze an der Brückenstraße und am Mittelweg.

Auch einige Holzstapel im Wald sind schon verkauft. Aber im Sägewerk in Lampertswalde ist kein Platz mehr zum Lagern von Holz. Denn nicht nur im Zittauer Gebirge ist der Wald krank. Das Überangebot lässt zudem den Holzpreis in den Keller sinken.  

Sorgen um die Buchen am Löbauer Berg

Reihenweise trocknen ebenso im Stadtwald von Löbau bei über 80-jährigen Buchen die Kronen aus, wenn sie es nicht schon sind. "Ganz schlimm ist es unter anderem auf der Kuppe vom Löbauer Berg", berichtet Revierförster Lars Morgenstern. 800 Hektar Fichtenwald sind schon in seinem Bereich krank. Nun kommen die Buchen und Eichen dazu. 

Im Kottmarwald, an der Spreequelle und in Ruppersdorf sehen die Baumbestände nicht besser aus. Nur die Jungbäume - und da sogar die Fichten - stehen im Augenblick gut da. Die kränkelnden Buchen auf der Kuppe vom Löbauer Berg will Lars Morgenstern noch stehen lassen. Sie gefährden dort keinen Straßenverkehr. Aber ob sie sich noch mal erholen, ist ungewiss.

Für die zwei Buchen in Höhe der Rinderanlage unweit des Bahnhofs Bertsdorf gibt es dagegen keine Alternative zum Fällen. Matthias Forgber hofft dabei auf etwas mehr Vernunft bei den Kraftfahrern. Denn die letzten Straßensperrungen wegen Baumfällarbeiten im Zittauer Gebirge haben allzu oft gezeigt, dass sich Autofahrer nicht daran halten. Am Kammloch im Oybiner Ortsteil Hain hatte ein Kraftfahrer erst vor wenigen Tagen großes Glück, als er trotz Sperrung weiterfuhr. "Es sind doch nicht nur die Bäume, die auf die Straße fliegen können. Bei der Hanglage kann sich auch schnell mal ein großer Stein lösen und ins Rollen kommen", schildert der Förster.

Weiterführende Artikel

Wälder haben deutliche Frostschäden

Wälder haben deutliche Frostschäden

Erst Borkenkäfer und Trockenheit, dann Spätfröste im Frühjahr - Sachsens Wälder sind in schlechtem Zustand. Vor allem eine Baumart ist betroffen.

Klickstark: Bei Stelzers bleibt die Küche kalt

Klickstark: Bei Stelzers bleibt die Küche kalt

Die Wirtsfamilie der Gaststätte "Am Altmarkt" in Löbau geht in Rente und erinnert sich. Einer der Beiträge aus Löbau-Zittau, über den wir heute berichteten.

Wenn der Staat sich selbst der Nächste ist

Wenn der Staat sich selbst der Nächste ist

Ein Gesetz soll wegen der Borkenkäferplage Millionen ausschütten - aber nur an den Staatsforst. Dagegen wehrt sich unter anderen die Stadt Zittau.

Warum die Wälder in diesem Jahr noch mehr leiden werden

Warum die Wälder in diesem Jahr noch mehr leiden werden

Im Landkreis könnte es die dreifache Menge Schadholz geben. Ein Schädling spielt dabei die Hauptrolle.

Bernstadt muss im Steinbachtal abholzen

Bernstadt muss im Steinbachtal abholzen

Der Wanderweg entlang der Gaststätte in Altbernsdorf wird bald eine radikal andere Aussicht bieten - wegen Trockenheit und Käferplage. Aufforsten ist kein Thema.

"Wir Förster müssen bei der Waldbewirtschaftung zwei Generationen weiter denken", sagt er. Erst dann kann man die Früchte des Waldanbaues ernten. Derzeit keine leichte Aufgabe.

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Zittau