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Die neue "Waldschänke" feiert Richtfest

Ein Jahr ist es her, dass ein Feuer die Existenz von Familie Kunath an der Talsperre Klingenberg zerstört hat. Wie es der Wirtsfamilie heute geht.

Von Anja Ehrhartsmann
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Für das Richtfest hat Frank Kunath, Wirt der "Waldschänke", den neuen Gastraum mit Stühlen ausgestattet. Mitte des Jahres, hofft er, kann das Ausflugslokal wieder öffnen.
Für das Richtfest hat Frank Kunath, Wirt der "Waldschänke", den neuen Gastraum mit Stühlen ausgestattet. Mitte des Jahres, hofft er, kann das Ausflugslokal wieder öffnen. © Egbert Kamprath

Die Öffnungen für Fenster und Türen sind noch mit Sperrholz abgedeckt, um die Feuchtigkeit draußen zu halten. "Wir sind froh, dass es so schön trocken ist, besseres Bauwetter hätten wir nicht kriegen können", sagt Frank Kunath beim Gang durch den Rohbau der neuen "Waldschänke". Herzstück ist die große Küche, in der sogar Platz für einen Kühlraum ist. "Früher mussten alle in den Keller laufen. Mit den großen Töpfen war das sehr beschwerlich", erinnert sich der 59-Jährige. 

Dafür nimmt er auch gerne in Kauf, dass es künftig nur noch einen großen Gastraum geben wird, in dem 80 Leute Platz finden. Die beiden kleineren Gaststuben fallen zugunsten der großen Küche weg. Mit Biergarten und Terrasse bleibe die Anzahl der Sitzplätze aber in etwa gleich, so Frank Kunath. Damit die Gäste künftig einen noch besseren Blick auf die Talsperre Klingenberg haben, wird statt der Panoramafenster eine große Glasfront eingebaut. Im Obergeschoss wird es wieder zwei Wohnungen geben, für seine Enkelin und seine Tochter. 

Am Sonnabend feiern Kunaths in ihrer neuen "Waldschänke" Richtfest, im privaten Rahmen, mit Handwerkern, die am Bau beteiligt sind. Außerdem will der Klingenberger Chor ein Ständchen bringen, freut sich der 59-Jährige. Doch bevor gefeiert wird, muss die Wirtsfamilie noch einen traurigen Jahrestag begehen. Am 9. Januar jährt sich der große Brand an der Talsperre Klingenberg, dem das beliebte Ausflugslokal zum Opfer fiel. Ursache war ein Schwelbrand in der Zimmerdecke, vermutlich ausgelöst durch einen Kurzschluss in der Elektrik nach einem Wintergewitter. Wegen der schwierigen Löschwasserversorgung konnten die Feuerwehrleute das Gebäude nicht mehr retten. Die widrigen Wetterverhältnisse, die dem Osterzgebirge ausgerechnet an diesem Tag Unmengen an Schnee bescherten, taten ihr Übriges und erschwerten den Rettern die Anfahrt. 

Kampf gegen das Feuer: Die Einsatzkräfte versuchten, den Brand unter Kontrolle zu bringen.
Kampf gegen das Feuer: Die Einsatzkräfte versuchten, den Brand unter Kontrolle zu bringen. © Archivfoto: Egbert Kamprath

Das Dach und das obere Stockwerk brannten schließlich nach stundenlangem Kampf nieder. Auch das Erdgeschoss war stark in Mitleidenschaft gezogen worden, es blieb nur noch der Abriss. Was ihm und seiner Familie passiert ist, kann Frank Kunath noch immer kaum fassen. "Die Hauptsache ist, dass keinem etwas passiert ist, sonst hätte ich nicht weitermachen können", sagt er rückblickend.

Auch die private Existenz der Familie ging in Flammen auf. Frank Kunath und seine Frau hatten im oberen Stockwerk eine Wohnung, die Tochter lebte ebenfalls im Haus. Persönliche Gegenstände, darunter Bilder und Erinnerungen, fielen dem Feuer zum Opfer. Nur weniges konnte Frank Kunath noch retten. Nach dem Brand folgte eine Welle der Hilfsbereitschaft, der örtliche Dorf- und Feuerwehrverein richtete gemeinsam mit der Gemeinde Klingenberg ein Spendenkonto ein. Viele unterstützten die Familie. Dafür sind die Kunaths bis heute sehr dankbar. Denn ohne die finanzielle Hilfe wäre es nicht gegangen. Mit dem Geld bauten Frank Kunath und seine Frau das noch verbliebene kleine Häuschen auf dem Grundstück zu ihrer neuen Bleibe aus – und nun folgt die Gaststätte.

Den Wunsch, ihre "Waldschänke" wieder aufzubauen, gab es eigentlich schon direkt nach dem Feuer, erinnert sich der 59-Jährige. Als dann seine Enkelin bekräftigte, das Ausflugslokal später einmal übernehmen zu wollen, und die Versicherung zusagte, den Schaden zu übernehmen, wurde aus dem Wunsch beschlossene Sache. Nach dem Abriss im Frühsommer haben Mitte Oktober schließlich die Bauarbeiten begonnen. "Wir sind stolz darauf, was wir in dem Jahr geschafft haben. Die Bauleute haben Unwahrscheinliches geleistet."

Bis Jahresende standen beide Stockwerke inklusive Dach. Schon bald soll es nun mit dem Innenausbau weitergehen. Da gibt es noch mal eine ganze Menge zu tun, erklärt Frank Kunath. Leitungen müssen verlegt, Elektrik installiert sowie die Be- und Entlüftung eingebaut werden. Dann können erst die Wände verputzt und der Boden verlegt werden. Auch Fenster und Türen müssen noch eingebaut werden, bevor die Inneneinrichtung folgt. Frank Kunath hofft, zur Jahresmitte wieder eröffnen zu können. Das gelingt aber nur, wenn alles ohne Verzögerung klappt, niemand krank wird oder Lieferengpässe dazwischenkommen, betont er.

Obwohl bisher alles läuft wie geplant, wird es für die Wirtsfamilie bis zur Eröffnung trotz allem eine nicht ganz einfache Zeit: Die Angestellten müssen bezahlt werden, und das ganz ohne Einnahmen. Deshalb hofft Frank Kunath auf einen zeitigen Frühlingsbeginn. Denn dann kommen Ausflugsgäste an die Talsperre, und er kann seinen Biergarten öffnen, selbst wenn die Gaststätte noch geschlossen ist. Bereits vergangenen Sommer habe das gut funktioniert, so der 59-Jährige voller Zuversicht. 

Der Rohbau der neuen "Waldschänke" an der Talsperre Klingenberg steht.
Der Rohbau der neuen "Waldschänke" an der Talsperre Klingenberg steht. © Egbert Kamprath

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