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„Waldwirtschaft ist ein Fleischerhandwerk“

Herr Mannigel, immer wieder sind Klagen über die Baumfällarbeiten im ehemaligen Ostritzer Klosterwald zu hören. Zu massiv und zu großflächig werde in den Wald eingegriffen. Handelt es sich aus Ihrer Sicht...

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Herr Mannigel, immer wieder sind Klagen über die Baumfällarbeiten im ehemaligen Ostritzer Klosterwald zu hören. Zu massiv und zu großflächig werde in den Wald eingegriffen. Handelt es sich aus Ihrer Sicht um einen Raubbau?

Nein, die Waldbesitzer, in diesem Fall die Firma Boscor, verfolgen eine andere, aber legitime Waldbaustrategie als ihre Vorgänger, die speziell in den Fichtenwäldern mit dem sächsischen Schmalkahlschlag gearbeitet haben. Es wird keine klassischen Kahlschläge mehr, wie im Klosterwald gewohnt, geben. Boscor wirtschaftet vielmehr nach Beendigung der jetzigen Übergangsphase über die gesamte Waldfläche. Der Wald wird vorübergehend erst einmal jünger, um dann in circa 30 bis 50 Jahren umso interessanter und auch stattlicher zu werden.

Warum muss der frühere Klosterwald so stark umgebaut werden?

Der Anteil kranker, alter Bäume über 80 Jahre ist sehr hoch. An den Fichten ist dies besonders zu erkennen. Sie leiden unter holzzerstörenden Pilzen und sind dadurch besonders anfällig gegenüber den Winterstürmen. Um die kranken, alten Bäume zu ernten, werden in der Regel alle 20 bis 40 Meter Arbeitsschneisen für die Forstmaschinen geschlagen. Dies sieht schon gegenüber den früheren Erntemethoden ein „wenig“ verheerend aus. Aber man muss auch klar sagen, dass speziell der Holzeinschlag ein „Fleischerhandwerk“ ist. In zwei bis drei Jahren hat die Natur dies wieder in Ordnung gebracht. Durch das Ernten der alten Bäume bringen sie mehr Licht in den Wald, sodass die jungen Bäume besser wachsen können. An vielen Stellen stehen schon junge Bäume, an anderen Stellen muss auch mal nachgepflanzt werden. Dass die Besitzer den Wald mit ihrer Waldbaustrategie ökologischer machen und damit dem Klimawandel entgegentreten wollen, daran ist nichts verwerflich. Es muss eben nur ein Wald nach dem Sächsischen Waldgesetz bleiben.

Wird die Waldbaustrategie der Firma Boscor auch von anderen Waldbesitzern angewendet?

Das Verfahren ist so alt, wie die geregelte Forstwirtschaft selbst. Viele Waldbesitzer, besonders im süddeutschen Raum, arbeiten danach. Zusammen mit der Firma Boscor wollen wir im April im Rahmen der Waldwochen Stadt- und Ortschaftsräten der angrenzenden Orte sowie interessierten Bürgern die Möglichkeit bieten, dass sie sich vor Ort über die Waldbaustrategie im früheren Klosterwald informieren können. Den genauen Termin geben wir noch bekannt.

Wie können Sie kontrollieren, dass kein Raubbau stattfindet?

Unsere Förster stehen nicht mit der großen Keule hinter jedem Baum, aber wir schauen schon, dass keine Kahlschläge über zwei Hektar erfolgen oder Schädlinge nicht bekämpft werden. Wenn Gefahr für unseren Wald besteht und die Besitzer nichts dagegen tun, dann ist das Forstamt nach dem Waldgesetz verpflichtet, einzugreifen.

Gab es in jüngerer Zeit Fälle von Raubbau in der Region?

Bewusst wurde in den seltensten Fällen gegen das Waldgesetz von den Waldbesitzern verstoßen.

Die Fragen stellte Jan Lange.