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Waldwurzeln verbergen Kunstwerke

Holzgestalter Aloysius Scholze zeigt ab Freitag seine Arbeiten in einer Sonderausstellung in Lohsa.

Der sorbische Holzgestalter Aloysius Scholze (57) aus Säuritz bei Panschwitz-Kuckau ist seit früher Jugend fasziniert von Wurzeln und Holzformen in freier Natur.
Der sorbische Holzgestalter Aloysius Scholze (57) aus Säuritz bei Panschwitz-Kuckau ist seit früher Jugend fasziniert von Wurzeln und Holzformen in freier Natur. © Foto: Andreas Kirschke

Panschwitz-Kuckau. Wuchtig und robust wirkt die Holzbank. Mindestens vier Erwachsene finden darauf Platz. Aus Lärchenbohlen bestehen Sitzfläche und Lehne. Aus Eichenstamm gefertigt sind linksseitig zwei Tauben. Ebenfalls aus Eichenstamm gefertigt ist rechtsseitig ein Liebespaar. „Es soll Ruhe, Gelassenheit, Erdigkeit und Zufriedenheit ausstrahlen. Es soll ein Hingucker sein“, meint der Holzgestalter Aloysius Scholze aus Säuritz bei Panschwitz-Kuckau. Seit Anfang Juni fertigt er die Sitzbank für den Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa. Kommenden Freitag soll sie vor dem Haus eingeweiht werden.

In Sorbisch steht „Hołbik dwě běłej nóžce ma“ (Zwei weiße Füße Täubchen hat) auf der Lehne. Das Zitat entstammt der Volksweise „Lubosć jenička“ (Ungeteilte Liebe) aus Lohsa. Dieses Lied steht auf Seite 48 im Buch „Volkslieder der Sorben in der Ober- und Niederlausitz“ – herausgegeben 1841/1843 von Sprachforscher, Schriftsteller, Volkskundler und Verleger Jan Arnošt Smoler (1816-1884) und vom sorbischen Pfarrer, Regionalhistoriker und Volkskundler Leopold Haupt (1797-1883). Die Volksweise erzählt vom Liebeswerben eines Burschen. Er soll sich festlegen, sich entscheiden für eine einzige Liebe. „Wo du willst, Liebster, mag es sein. Hab ich nur dich, nur dich allein“, endet das Lied. Aloysius Scholzes Sitzbank erinnert an jene Volksweise.

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Naturmaterial Holz fasziniert

Der 57-Jährige wuchs in Crostwitz sorbisch-katholisch auf. Sein Vater arbeitete als Bademeister im Freibad Caseritz. Seine Mutter war Sekretärin in der Schule Crostwitz. „Mein Onkel Martin Scholze in Erfurt war gelernter Tischler“, sagt Aloysius Scholze. „Er konnte sehr gut zeichnen. Er hatte unglaubliches Talent. Einmal zeigte er mir rund 20 seiner Werke – das waren Landschaften, Porträts, Stillleben. Ich war tief begeistert.“ Bei Paul Löbel in Räckelwitz lernte Aloysius Scholze später Tischler. Das Naturmaterial Holz faszinierte ihn seit früher Jugend. Aus Lindenholz gestaltete er in seiner Lehrzeit zwei kleine Krippen-Figuren. „Das waren meine ersten Versuche“, erzählt der Säuritzer und betont: „Seitdem leitet mich immer das Grundprinzip: «Lass das Werk sich entwickeln. Lass der Spannung ihren freien Lauf.» Die Spannung, es könnte etwas Gutes daraus werden, spornt mich immer wieder an.“

Holz, so erzählt er, ist ein warmer, formbarer Werkstoff. Ursprünglichkeit, fantasievolle Formen und Einzigartigkeiten findet er vor allem in den Wurzeln wieder. In ihnen entdeckt Aloysius Scholze oft Gesichter und menschliche Körper. Die Natur, so betont er, arbeitet vor. In ihr entdeckt er vielfältige Formen und menschliche Haltungen und Handlungen. „Mich haben der menschliche Körper und das menschliche Gesicht immer interessiert“, verdeutlicht der Säuritzer.

Alte Holzbalken atmen Leben

Gerade Holz wandelt sich in seinem Wachstum durch innere und äußere Einflüsse ständig. Das Spiel mit Licht und Schatten zeigt dem Betrachter oft verborgene Strukturen. Werke wie „Christi Himmelfahrt“, „Der Fischer im Boot“, „Phantasie-Burg“, „Freier Gott“, „Das Flüchtlingsboot“ und andere Kunstwerke prägen heute Aloysius Scholzes Atelier. „Ich bearbeite auch gern Holzbalken aus alten Häusern“, so der Holzgestalter. „Sie atmen Leben und Inspiration. Aus ihren Reliefs entstehen zum Beispiel verschließbare Weihnachtskrippen, Teelichter und Figuren.“

Aus der Natur rund um Säuritz, aus der Fachliteratur und aus Werken bekannter Holzkünstler schöpft Aloysius Scholze seine Ideen. Er bewundert vor allem den italienischen Bildhauer und Architekten Gian Lorenzo Bernini (1598-1680) und den französischen Bildhauer und Zeichner Auguste Rodin (1840-1917). Von Letzterem stammen zum Beispiel Werke wie „Der Denker“ und „Die Männer von Calais“.

Nach der Tischlerlehre in Räckelwitz arbeitete Aloysius Scholze zunächst im Feuerfestwerk Wetro als Betriebstischler. Dort fertigte er Kisten, Paletten und Gerüste an. Dort verantwortete er den Formbau für Schamottenziegel und den Spezialbau für weitere Produkte. Nach der Armeezeit arbeitete er als Hausmeister in der Sorbischen Oberschule Crostwitz. Durch seine Frau Barbara zog Aloysius Scholze nach Säuritz. Auf ihrem elterlichen Hof lebt er noch heute. Seine Werkstatt befindet sich im früheren Heizhaus der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft. Sein Atelier liegt direkt über dem Pferdestall.

Von 2006 bis 2009 nahm Aloysius Scholze mehrfach an der Internationalen Bildhauerwerkstatt im Miltitzer Steinbruch Krabatstein teil. Seit 2007 ist er freischaffender selbstständiger Holzgestalter. Mit Kettensäge, Holzbeitel, Schnitzeisen, Bild-hauer-Eisen und Klüpfel bearbeitet er das Holz. „In jeder Waldwurzel steckt Potenzial für ein Kunstwerk. Du musst es nur sehen, entdecken, entwickeln und gestalten“, ist der Säuritzer überzeugt.

Die ersten zwei großen Skulpturen

Im Jahr 2007 zeigte Aloysius Scholze seine erste eigene Ausstellung. Das war in Ostro zum Maibaumwerfen. Bei Familie Stephan Wetzlich zeigte er einige seiner Wurzel-Kunstwerke sowie die beiden Figuren „Heiliger Benno“ und „Mann mit Kind“. „Das waren meine ersten beiden großen Skulpturen“, erzählt der Säuritzer. „Zum ersten Mal wagte ich mich an größere Formen heran.“ Weitere Ausstellungen wie 2009 „Spiritus, stone a stwórba“ (Geist, Stein, Schöpfung) im Kloster St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau, 2010 im Stadtmuseum Hoyerswerda, 2011 im Sächsischen Finanzministerium in Dresden und 2015 in Hamburg folgten. 2017 gestaltete er zum Abschluss des „Verfahrens Flurbereinigung Dreiweibern 2002-2017“ die dortige Dreiweibern-Bank. Gern sitzen und verweilen dort heute Besucher des Lausitzer Seenlandes. Jetzt zeigt der Säuritzer in Lohsa ab 2. August die Ausstellung „Phantasien in Holz“ im Zejler-Smoler-Haus. Darin bringt der den Besuchern eine Auswahl seiner Skulpturen nahe.

Die Eröffnung der Sonderausstellung „Phantasien in Holz“ von Aloysius Scholze findet um 18 Uhr statt. Gebeten wird um einen Unkostenbeitrag von 2 Euro. Bis Mitte Oktober ist die Sonderausstellung zu sehen. Öffnungszeiten sind montags und donnerstags (10-12/13-17 Uhr) sowie nach Vereinbarung unter 035724 5 02 56. Weitere Infos: www.zejler-smoler-haus-lohsa.de

Das ist eine der vielen Arbeiten von Aloysius Scholze. Mehr davon werden in der Ausstellung zu sehen sein.
Das ist eine der vielen Arbeiten von Aloysius Scholze. Mehr davon werden in der Ausstellung zu sehen sein. © Foto: Andreas Kirschke

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