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Wallrodaer kritisieren Obdachlosenasyl-Entscheidung

Seit 2012 häufen sich die Obdachlosenfälle in der Gemeinde Arnsdorf. Deshalb haben die Arnsdorfer gehandelt.

Von Sylvia Gebauer

Es kann jeden Arnsdorfer treffen. Plötzlich häufen sich die Rechnungen, wie man sie bezahlen soll, weiß man nicht mehr. Hinzu kommen Mietrückstände, irgendwann zieht der Vermieter die Reißleine, dann klopft der Gerichtsvollzieher an. In der Hand hat er ein Schreiben, darin geht‘s um die Zwangsräumung aus den vier Wänden. Wohin in so einem Fall? Vor allem, wenn man bei Freunden oder bei der Familie nicht unterkommen kann? Jetzt wurde der Platz für die Obdachlosenunterkunft festgelegt, im Arnsdorfer Ortsteil Wallroda. Das sehen die Wallrodaer kritisch.

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Vielleicht sitzt der eine oder andere die Situation mit der drohenden Zwangsräumung aus, er will es einfach nicht wahrhaben, was da passiert. Auch einige Arnsdorfer sind davon betroffen. Dann muss sich die Gemeindeverwaltung darum kümmern. Und jetzt müssen sich die Arnsdorfer etwas einfallen lassen, wie sie dem Bürger helfen können. „Im vergangenen Jahr häuften sich die Fälle“, sagt Arnsdorfs Bürgermeisterin Martina Angermann. Sie, die Verwaltung und die Gremien haben sich deshalb dem Thema angenommen. Speziell dafür haben sie eine Obdachlosensatzung erarbeitet. Hier ist unter anderem geregelt, welche Gebühren auf die Betroffenen zukommen und vor allem, wo sie künftig in so einem Fall untergebracht werden. Besonders diese Entscheidung haben sich alle nicht leicht gemacht.

Drei gemeindeeigene Gebäude kamen für die Unterkunft infrage. Das ehemalige Domizil der Arnsdorfer Feuerwehr in der Oberstraße 1, die einstige Schule im Ortsteil Fischbach und die Friedensstraße 1 im Ortsteil Wallroda. Mindestanforderungen an die Objekte: Eine Toilette und eine Waschgelegenheit müssen für die Betroffenen vorhanden sein. Alles wird noch einmal unter die Lupe genommen, auch wegen der Kosten wurde geschaut. Hier ging es vor allem darum, wie viel Geld die Arnsdorfer investieren müssen, um die Räume für die Mindestanforderungen fit zu machen. Letztendlich fiel die Entscheidung auf zwei Räume in der Friedensstraße 1 in Wallroda. Hier gab’s kritische Stimmen.

Kritisch sehen Wallrodas Räte die Anbindung. „Außer dem Cafè Variado gibt‘s im Ort kein Lebensmittelgeschäft, auch die ärztliche Versorgung fehlt, und wie sollen sie nach Arnsdorf kommen“, sagt Wallrodas Ortschaftsrat Gerd Weinert. Ungeeignet sehen die Ratsmitglieder auch die Räume mit Blick auf die Feierlichkeiten, die hier häufiger stattfinden. Grund: Im Gebäude in der Friedensstraße sind der örtliche Jugendclub und die Freiwillige Feuerwehr zu finden. Letztere vermietet ihre Räume für Feierlichkeiten. „Nicht, dass sich diejenigen, die hier unterkommen, wegen der Ruhestörung beschweren, schließlich wird hier häufiger gefeiert“, gibt Gerd Weinert zu bedenken.

Arnsdorfs Bürgermeisterin Martina Angermann kann die Wallrodaer beruhigen. „Wir haben im Vorfeld intensiv geprüft, welche Räume geeignet sind und alle Dinge mit einbezogen“, sagt sie. Die zwei betreffenden Räume werden derzeit auf Vordermann gebracht. 13 und 16 Quadratmeter sind sie groß. Der kleinere ist die ehemalige Küche des Wallrodaer Gemeindehauses. Im größeren war früher die Bibliothek zu finden. „Außerdem sind die Räume nur eine Übergangslösung“, betont die Bürgermeisterin. Die Verweildauer sollte ein halbes Jahr nicht überschreiten.