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Wandelbots startet neues Produkt digital

Das Dresdner Startup will mit "TracePen" den Einzug von Robotern in kleineren Firmen erleichtern - weil sie sich mehr rechnen.

Mit dem Tracepen führt man dem Roboter eine Bewegung vor und er kann sie sofort nachmachen. Dadurch sind keine Programmierkenntnisse erforderlich.
Mit dem Tracepen führt man dem Roboter eine Bewegung vor und er kann sie sofort nachmachen. Dadurch sind keine Programmierkenntnisse erforderlich. © Wandelbots

Deutschland zählt zu den Ländern mit der größten Roboterdichte. Im vergangenen Jahr zählte der Branchenverband International Federation of Robotics (IFR) 338 Roboter auf 10.000 Arbeitnehmer. Sie stehen meist in den Fabrikhallen großer Auto- und Elektronikkonzerne. Doch nun will das Dresdner Startup Wandelbots dafür sorgen, dass auch bei kleineren Unternehmen Roboter schneller Einzug halten können.

Am Montag kündigte Wandelbots die Markteinführung seines neuen Produkts „TracePen“an, mit dem es möglich sein soll, Robotern ihre Aufgaben völlig unkompliziert und ganz ohne Programmierkenntnisse zuzuweisen. „Wir sind sehr stolz darauf, denn der Tracepen ist das erste in größeren Stückzahlen verfügbare Produkt von Wandelsbots“, sagt Vorstandschef und Mitgründer Christian Piechnick. 

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© Wandelbots

Die 70 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des 2017 aus der TU Dresden ausgegründeten Unternehmens hätten hart daran gearbeitet, den Kunden nicht nur eine zuverlässige und haltbare, sondern auch benutzerfreundliche Technologie zu liefern. Zu den Kunden von Wandelsbots gehören unter anderem Volkswagen und Infineon. Mit dem Tracepen wollen die Dresdner nun aber auch vor allem mittelständische Kunden ansprechen, die kleine Losgrößen produzieren oder aus anderen Gründen ihre Fertigungsprozesse häufiger verändern müssen. Wandelbots verfolgt als Vision die Demokratisierung des Einsatz von Robotern.

Anlernen statt aufwendig Programmieren

Bisher war das Programmieren von Robotern Expertensache – unflexibel, kostenintensiv und langwierig. Fast 75 Prozent der Kosten für den Einsatz eines Roboters entfielen auf Anpassung oder Neuprogrammierung der Software, um den Roboter einen neuen oder veränderten Prozessschritt ausführen zu lassen. „Der Zugang zu Automatisierung von Prozessen durch Roboter war dadurch vor allem großen Unternehmen vorbehalten“, erläutert Piechnick. Das sei nun mit der Einführung des TracePen Vergangenheit. Denn nun könnten selbst Laien Roboter für eine Tätigkeit anlernen. 

Dazu führt der Bediener mit dem drahtlosen TracePen in seiner Hand den zu erlernenden Weg („Pfad“) dem Roboter ganz einfach direkt am Werkstück vor. Diese Bewegung wird durch die Software von Wandelbots fast zeitgleich in der zum Produkt gehörigen App visualisiert. Der Nutzer kann den Pfad dann am iPad weiter verfeinern. 

© Wandelbots

Die App übersetzt die Bewegungen in Programmcode, ob sich der Roboter von Punkt zu Punkt, linear oder kreisförmig zwischen den festgelegten Punkten bewegen soll. Der besondere Clou: Die Software von Wandelbots funktioniert herstellerunabhängig . Der erlernte Prozessschritt kann einfach auf weitere Roboter anderer Hersteller übertragen werden. Diese Möglichkeit habe es in der Automatisierungswelt bisher noch nicht gegeben, da jeder Roboterhersteller auf seine eigene Programmiersprache gesetzt habe, heißt es. Die App von Wandelbots tritt nun an die Stelle der Programmierexperten und dies soll vor allem kleineren Firmen den Einsatz von Robotern erleichtern.

Erprobt hat das Unternehmen die Technologie gemeinsam mit dem 5G Lab der TU Dresden in den vergangenen Monaten bei mehreren Kleinunternehmern wie zum Beispiel einem Bäcker in der Lausitz. Einsatzmöglichkeiten sieht Piechnik vor allem für bahngeführte Anwendungen wie Schweißen, Entgraten, Kleben oder Sprühen. 

Auslieferung beginnt noch in diesem Jahr

Betrachtet man die durchschnittlichen Kosten über die Lebensdauer eines Roboters – sie liegen bei etwa 350 000 Euro – entfallen zwei Drittel der Kosten auf die jeweilige Software. Je häufiger die Roboter einen neuen Arbeitsschritt lernen müssen, desto höher werden diese Kosten. In ersten Pilotprojekten mit Automobilherstellern konnte Wandelbots nach eigenen Angaben unter Beweis stellen, dass der Wechsel zu einem neuen Arbeitsschritt mit TracePens 70 mal schneller gelingt als mit herkömmlicher Programmierung. Dadurch lassen sich die laufenden Kosten bis zu 90 Prozent reduzieren. Damit werde der Einsatz von Robotern auch für kleinere Firmen interessant, die bisher die hohen laufenden Kosten gescheut haben, werben die Dresdner.

Die Produkteinführung fällt in Corona-Zeiten. Ursprünglich plante Wandelbots den großen Aufschlag auf der Messe „Automatica“ vom 17. Bis 20. Juni. Nun erfolgt die Vorführung aufgrund der Verschiebung der Messe digital in Webinaren. Interessierte Unternehmen können sich auf der Internetseite von Wandelbots für eines der Webinare anmelden. Demonstriert werden eine Klebeapplikation mit einem Roboter des Herstellers Universal Robots sowie ein Entgratvorgang mit einem Roboter von ABB. Die Auslieferung des TracePens soll im August 2020 beginnen. „Erste Kunden haben bereits Verträge unterschrieben“, so Piechnick.

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Aber was kostet eigentlich ein TracePen? Das ist  nicht ganz klar herauszufinden. Wandelsbots bietet zwei Modelle an. Den Kauf der Hardware inklusive Lizenz oder ein Subskriptionsmodell mit monatlicher Zahlweise. Besonders bei diesem im Softwarevertrieb üblichen Abonnementverfahren, wo die Zahlung im vorab meist für ein Jahr erfolgt, seien die Hürden für die Anschaffung „extrem klein und die Amortisation beginnt praktisch ab dem ersten Monat der Nutzung“, beteuert  Martin Wanitschke, bei Wandelbots für den Vertrieb zuständig. Die jeweiligen Preise handle der Kunde mit seinem Systemintegrator aus. Sie müssten mit etwa 10.000 Euro Kosten im Jahr rechnen. Der Vertrieb des TracePens wird über spezielle Systemintegratoren erfolgen. Diese Dienstleister stellen schon heute für ihre Kunden in der Industrie individuelle Automatisierungslösungen zur Verfügung.

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