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Wandern mit Mehrwert

Rolf Mögel ist Gästeführer im Tharandter Wald. Auf seinen Touren wird aber nicht nur gelaufen.

Von Susanne Sodan

Die Treppe hinauf zur Wohnung des Ehepaars Mögel. An den Wänden im Treppenhaus hängen Schaukästen, die zeigen, mit wem man es zu tun hat: mit Sammlern, die weit gereist sind. In einem der Schaukästen stehen rund 75 kleine Glasgefäße. Sand ist darin, orange-roter, den man auch mit Currypulver verwechseln könnte, gelber, beigefarbener, fast weißer, dunkelroter. Aus aller Welt stammen die kleinen Mitbringsel, aus Sri Lanka, von Mauritius, aus Marokko, Australien, Kreta, Syrien, Chile, aber auch von der Ostsee. Nicht jede Sandprobe haben die Mögels mitgebracht, manche sind Geschenke von Reisefreunden. Gegenüber hängt ein weiterer Schaukasten mit Gesteinen. Rolf Mögels großes Hobby – Geologie.

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Um diesem Hobby nachzugehen, muss man nicht um die halbe Welt reisen. „Der Tharandter Wald ist ein Sinnbild der Geologie Sachsens. Die wesentlichen Gesteinsarten sind hier vertreten – Vulkanite, Sedimente, Metamorphite“, erzählt Rolf Mögel. Seine zweite Leidenschaft, passend zur Geologie, ist das Wandern. Als Gästeführer zeigt Mögel Touristen und Einheimischen regelmäßig den Tharandter Wald.

Mit dem geologischen Wanderweg und dem Bodenlehrpfad lassen sich seine zwei Hobbys gut verbinden. Jede Wanderung steht unter einem anderen Thema – denn immerhin 25 öffentlich zugängliche Wanderwege hat der Tharandter Wald zu bieten. Mögel kennt sie alle. Also auf in den Wald. Nur wenige Hundert Meter von seinem Haus in Spechtshausen entfernt, beginnt am Sportplatz der erste geologische Reitweg Sachsens. Am Infopunkt mit einer großen Wanderkarte bleibt Mögel stehen, erklärt bestimmte Strukturen und historische Funktionen der Wege. Viele verlaufen nach Grillenburg. „Klar“, meint Mögel, „Grillenburg war eine der ersten Siedlungen im Tharandter Wald.“ Auf seinen Wanderungen wird nicht nur gelaufen.

Mögel erzählt gern – über Altbergbau, die Eisenbahn, die Entwicklung des Forstes, Nachhaltigkeit, Pflanzen und natürlich Gesteine. „Ich möchte den Gästen nahebringen, was am Wegesrand liegt“, sagt er. Und Mögel stammt beruflich auch aus dem pädagogischen Bereich, aus der Erwachsenenbildung. In seinem Berufsleben hat er Haus- und Werkstofftechnik vermittelt. Nun hat Mögel das Rentenalter erreicht und gibt noch immer kleine Unterrichtsstunden – auf seinen Wanderungen. Geschichte, Geografie und Biologie.

Mögel gibt auch Kurse für andere Gästeführer. 45 Mitglieder hat der Verein „Gästeführer Erzgebirge“, zu dem auch Mögel gehört. Der Verein beteiligt sich an regionalen Veranstaltungen – zum Beispiel am Tharandter Stadtfest oder dem Aktionstag „Mal wieder Wald und Holz sehen“. Auch bei der Jubiläumsfeier zu 100 Jahren Talsperre Klingenberg werden die Gästeführer mit dabei sein. Der Verein versucht aber auch, überregional Kontakte zu knüpfen. Seit Jahren ist er beim Tag der Sachsen vertreten. In den Gästeführern sieht Mögel großes Potenzial, nicht nur für den Tourismus, auch für die Kinder- und Jugendbildung. Mögel selber geht mit Kindern zum Beispiel auf Schatzsuche oder zum Goldwaschen an die Triebisch. „Mit solchen Aktionen kann man die Kinder auch für das Thema Geologie interessieren“, meint er.

Der Wald ist einer der größten Touristenmagnete. „Zur Laubfärbung in den vergangenen drei Wochen hat man ja rund um den Tharandter Wald keinen Parkplatz mehr bekommen.“ Und das, obwohl der sich aktuell nicht von seiner schönsten Seite zeige. „Der Schneebruch im vergangenen Jahr, dann das Hochwasser. Hinzu kommt, dass der Wald durch Harvester befahren wird, die ihre Schneisen hinterlassen“, erklärt Mögel. Ein bisschen geschunden sei der Wald momentan. Brüchig sieht auch eines der Schilder am Wegesrand aus, windschief steht der Pfahl in der Erde. Keine Einladung für Touristen. Müsste die Stadt mehr in diesem Bereich tun? Rolf Mögel überlegt lange bei dieser Frage. „Ein bisschen schon“, antwortet er. Die meisten öffentlich zugänglichen, beschilderten Wege werden vom Forst gepflegt. Aber es gebe auch andere Wege, für die keiner die Hand rühre. Vielleicht auch verständlich, meint Mögel. Der Aufwand, diese Wege stets gepflegt zu halten, sei zu groß. Im Kleinen könnte man aber mehr tun, zum Beispiel mit einer intakten Beschilderung.