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Wandern ohne Corona-Angst

In Deutschland gibt es über 200.000 Kilometer Wanderwege. Wo könnte es eng werden und wie steht es mit Übernachtungen? Teil 5 unserer Serie.

Zu Fuß über die Alpen: Das ist wahrlich kein Spaziergang. Martl Jung hat die strapaziöse Tour sogar barfuß bewältigt. Auch sonst ist der Bayer oft ohne Schuhe unterwegs und animiert Wanderer, seinem Beispiel zu folgen.
Zu Fuß über die Alpen: Das ist wahrlich kein Spaziergang. Martl Jung hat die strapaziöse Tour sogar barfuß bewältigt. Auch sonst ist der Bayer oft ohne Schuhe unterwegs und animiert Wanderer, seinem Beispiel zu folgen. © Bayern Tourismus GmbH

Hoch und runter, über blühende Wiesen und durch romantische Täler, vorbei an mittelalterlichen Burgruinen, einer Keltensiedlung und einem Besucherbergwerk: Wer den Wegweisern der Hahnenbachtour in Rheinland-Pfalz folgt, erlebt auf knapp zehn Kilometern ein Stück Deutschland vom Feinsten. Und versteht, warum die Tour von den Lesern des Wandermagazins zu „Deutschlands schönstem Wanderweg“ gewählt wurde.

Zuweilen ist der Pfad so schmal, dass kaum zwei Leute aneinander vorbeikommen. Deshalb wird Wanderern empfohlen, die Traumschleife nur in der empfohlenen Richtung zu begehen. Nun hat der Landestourismusverband noch mal nachgelegt, und die Empfehlung zur zwingenden Notwendigkeit erklärt. „Aufgrund der aktuellen Corona-Lage“ solle auf diese Weise „Begegnungsverkehr vermieden“ werden.

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Die Pandemie wird also auch dort zur Spaßbremse, wo man es eigentlich nicht erwartet – in der freien Natur. Doch weil Reisen ins Ausland noch mit Unwägbarkeiten verbunden sind und Badeurlaub nicht jedermanns Sache ist, rechnet der Deutsche Wanderverband gerade in diesem Jahr mit deutlich mehr Wanderurlaubern im eigenen Land. „Das Wandern wird eine besonders gefragte Urlaubsaktivität sein, auch für Menschen, die bisher nicht oder nur selten gewandert sind“, sagt Geschäftsführerin Ute Dicks.

Besser weniger bekannte Routen entdecken

Um größere Menschenansammlungen oder gar Stau auf Waldwegen zu vermeiden, raten die Fachleute, lieber auf weniger bekannte Routen auszuweichen. Die besten Tipps erhalte man bei den Touristinformationen und den Wandervereinen vor Ort. Auch auf seiner Internetseite bietet der Verband zahlreiche Tourenvorschläge. Wander-Apps sind zwar auch nützlich. Oft beschreiben sie aber besonders attraktive und damit viel genutzte Routen. Dann kann es schnell zu ähnlichen Massenaufläufen kommen wie zu Himmelfahrt in der Sächsischen Schweiz. Wer denkt da noch an Abstandsregeln?

In einem Corona-Wegweiser hat der Wanderverband Informationen und Empfehlungen für einen sicheren und entspannten Ausflug zusammengefasst. Die Ratschläge reichen von elementaren Hygieneregeln bis zur Tourenplanung. „Vermeiden Sie gewohnte Begrüßungsrituale wie Händeschütteln und Umarmungen“, heißt es etwa. Und an die Destinationen geht der Appell, Wandermöglichkeiten in der eigenen Region zu bewerben: „Die Einheimischen müssen nicht weit fahren und vermeiden somit Stress und Verkehr.“

Besondere Pfade – von Einheimischen empfohlen:

Rheinland-Pfalz: Mächtige Burgen. Die knapp 15 Kilometer lange Hahnfels-Tour hat sich die Auszeichnung als Premiumweg redlich verdient. Stationen sind der Hahnfelsen mit traumhaftem Ausblick, der bizarre Schafsteinfelsen und Alt-Dahn. Die drei Burgen bilden das größte Burgenensemble der Pfalz. Start und Ziel ist in Erfweiler. www.tourenplaner-rheinland-pfalz.de
Rheinland-Pfalz: Mächtige Burgen. Die knapp 15 Kilometer lange Hahnfels-Tour hat sich die Auszeichnung als Premiumweg redlich verdient. Stationen sind der Hahnfelsen mit traumhaftem Ausblick, der bizarre Schafsteinfelsen und Alt-Dahn. Die drei Burgen bilden das größte Burgenensemble der Pfalz. Start und Ziel ist in Erfweiler. www.tourenplaner-rheinland-pfalz.de © Dominik Ketz/ RP Tourismus
Bayern: Gipfel-Panorama. Pfronten ist Deutschlands erstes „Europäisches Wanderdorf“ – und liegt doch fernab der touristischen Hochburgen. Eine Tageswanderung führt durch die wilde Schlucht der Reichenbachklamm hinauf zur Ostlerhütte auf den Breitenberg. Dort erwartet Wanderer ein Panoramablick auf die Allgäuer Bergwelt. www.pfronten.de
Bayern: Gipfel-Panorama. Pfronten ist Deutschlands erstes „Europäisches Wanderdorf“ – und liegt doch fernab der touristischen Hochburgen. Eine Tageswanderung führt durch die wilde Schlucht der Reichenbachklamm hinauf zur Ostlerhütte auf den Breitenberg. Dort erwartet Wanderer ein Panoramablick auf die Allgäuer Bergwelt. www.pfronten.de © Pfronten Tourismus
Thüringen: Klein, aber oho. Der Kyffhäuser-Wanderweg führt durchs kleinste Gebirge Deutschlands. Zu den Naturschätzen gehören bunt blühende Magerrasen und steile Gipshänge. Das Kyffhäuser-Denkmal, die Barbarossahöhle und das Panorama Museum in Bad Frankenhausen bieten spannende Einblicke in die Geschichte. www.thueringen-entdecken.de
Thüringen: Klein, aber oho. Der Kyffhäuser-Wanderweg führt durchs kleinste Gebirge Deutschlands. Zu den Naturschätzen gehören bunt blühende Magerrasen und steile Gipshänge. Das Kyffhäuser-Denkmal, die Barbarossahöhle und das Panorama Museum in Bad Frankenhausen bieten spannende Einblicke in die Geschichte. www.thueringen-entdecken.de © G. Lengler/Thüringer Tour
Brandenburg: Der See ist das Ziel. Mit über 3.000 Seen bietet Brandenburg ein ganz besonderes Wandererlebnis: Rundwanderwege direkt am Wasser. Der Stechlinsee gehört zwar zu den bekannteren Seen, auf dem 14 km langen Rundwanderweg trifft man dennoch eher wenig Menschen. Start und Ende der Tour: Stechlinseecenter Neuglobsow. www.reiseland-brandenburg.de
Brandenburg: Der See ist das Ziel. Mit über 3.000 Seen bietet Brandenburg ein ganz besonderes Wandererlebnis: Rundwanderwege direkt am Wasser. Der Stechlinsee gehört zwar zu den bekannteren Seen, auf dem 14 km langen Rundwanderweg trifft man dennoch eher wenig Menschen. Start und Ende der Tour: Stechlinseecenter Neuglobsow. www.reiseland-brandenburg.de © St. Lehmann
Nordrhein-Westfalen: Mäanderweg. Ein Bahnhof wie ein Schloss, eine imposante Burgruine, herrliche Ausblicke auf einen Altarm der Sieg, in dem seltene Pflanzen und Tiere eine neue Heimat gefunden haben, und der größte Wasserfall Nordrhein–Westfalens: Das bietet der Mäanderweg – und alles auf nur acht Kilometern Länge. https://naturregion-sieg.de/wandern/ 
Nordrhein-Westfalen: Mäanderweg. Ein Bahnhof wie ein Schloss, eine imposante Burgruine, herrliche Ausblicke auf einen Altarm der Sieg, in dem seltene Pflanzen und Tiere eine neue Heimat gefunden haben, und der größte Wasserfall Nordrhein–Westfalens: Das bietet der Mäanderweg – und alles auf nur acht Kilometern Länge. https://naturregion-sieg.de/wandern/  © Tourismus NRW

In Deutschland gibt es rund 200.000 Kilometer Wanderwege, die von Ehrenamtlichen gepflegt werden. Etwa 15.000 Kilometer sind als Qualitätswege zertifiziert – hier ist Verlaufen praktisch unmöglich. Erfahrenen Wanderern empfiehlt der Verband, topographische Wanderkarten zu nutzen. Im Gegensatz zu Apps zeigten sie einen größeren Ausschnitt des Wegenetzes. „Die Vorteile sind eine bessere Übersicht aller Wandermöglichkeiten und die Flexibilität bei der Suche nach passenden Alternativen, wenn es zu Engpässen auf der geplanten Route kommen sollte.“ Und: Aus einer topographischen Wanderkarte lasse sich zum Beispiel auch die Breite eines Weges abschätzen.

Alternativ kann man sich einer geführten Tour anschließen. Beispiel Sächsische Schweiz: „Die zertifizierten Nationalparkführer sind wieder unterwegs und im Einsatz und bieten jede Woche fünf Entdeckertouren an“, sagt Hanspeter Mayer von der Nationalparkverwaltung. Die gebotenen Schutzmaßnahmen seien gewährleistet: „Das beginnt bereits bei der Anmeldung, indem dafür gesorgt wird, dass die Gruppen nicht zu groß werden.“

Wer einen mehrtätigen Wanderurlaub plant, ist auch auf Übernachtungsmöglichkeiten angewiesen. Hier erschweren die verschiedenen Bestimmungen der Bundesländer die Planung. „Zurzeit haben 160 von 450 Jugendherbergen geöffnet“, sagt Sprecher Justin Blum vom Hauptverband. „Das kann sich aber von Tag zu Tag ändern.“ Und selbst wenn künftig wieder überall Übernachtungen erlaubt sind, bedeute das nicht, dass auch alle Häuser offenstehen. „Manche Herbergen haben sich mit größeren Zimmern auf Schulklassen und Wandervereine spezialisiert. Wenn dann nur ein oder zwei Leute dort schlafen dürfen, rechnet sich die Öffnung einfach nicht.“ Sein Tipp: Bevor man sich auf die Socken macht, sollte man sich unbedingt beim Jugendherbergswerk oder direkt bei den Landesverbänden erkundigen.

Kurzfristige Angebote sind knapp

Auf der sicheren Seite sind Wanderer, wenn sie eine organisierte Tour buchen. Zwar kämpfe man immer noch mit Stornierungen, sagt die Sprecherin von Wikinger Reisen, Eva Machill-Linnenberg. Gleichzeitig verbuche Europas größter Veranstalter von Wanderreisen seit der Verkündung der Lockerungen wieder steigendes Interesse: „Die Menschen wollen vor die Tür.“ Eigentlich sollte am 7. Juni die erste Gruppe mit elf Teilnehmern zu einer Tour durch den Schwarzwald starten – unter Einhaltung der Sicherheitsvorschriften. Für Transfers wurden beispielsweise größere Busse geordert. „Unsere Reiseleiter sind geschult“, sagt Machill-Linnenberg. Ansonsten setze man aber auch auf die Eigenverantwortung der Teilnehmer.

Doch weil die Bundesregierung wider Erwarten die Kontaktbeschränkungen bis Ende Juni verlängert hat, wird aus der schon einmal verschobenen Reise wieder nichts. Stattdessen wirbt Wikinger jetzt verstärkt für individuelle Wander- und Radreisen. Allerdings seien kurzfristige Angebote zumindest für Wanderer bereits knapp, sagt die Sprecherin. „Im Herbst sieht es besser aus.“

Der prophezeite Deutschland-Boom trifft Wikinger übrigens nicht ganz unvorbereitet: Der Umwelt zuliebe hat der Veranstalter gerade erst sein Angebot von Reisezielen, die man ohne Flugzeug erreicht, deutlich ausgebaut. Und was liegt da näher als Wanderurlaub im schönen Deutschland?

www.wanderbares-deutschland.de

Bisher in der Serie "Lust auf Deutschland" erschienen:

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