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Großenhain

Wandertag in den Gestank

Erstmals haben Grundschüler aus Lampertswalde die Kläranlage in Kalkreuth besucht. Was bleibt bei Ihnen hängen?

Klärwärter Dietmar Schulze erläutert den Grundschülern die Funktion der Schlammstapelbehälter.
Klärwärter Dietmar Schulze erläutert den Grundschülern die Funktion der Schlammstapelbehälter. © Jörg Richter

Kalkreuth/Lampertswalde. Es gibt sicherlich schönere Mitbringsel als dieses. Aber Lehrerin Linda Schmidt nimmt die Plasteflasche mit der dunklen Flüssigkeit dankend entgegen. Es ist Abwasser aus der Gemeinschaftskläranlage Kalkreuth. Es soll später in der Grundschule Lampertswalde unterm Mikroskop nach Bakterien untersucht werden.

Die junge Lehrerin und ihre Klasse 3b haben einen Tag vor der Zeugnisausgabe den Wandertag genutzt, um zu erfahren, wo das Wasser aus Dusche und Toilette landet. Klärwärter Dietmar Schulze ist von diesem Besuch begeistert. „Die Kleinen hören aufmerksam zu und stellen viele Fragen. Da macht es Spaß, ihnen die Kläranlage zu zeigen“, sagt er. Zehntklässler oder Lehrlinge würden dagegen nur die Nase rümpfen und gelangweilt durch die Anlage gehen.

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Initiatoren dieses besonderen Wandertages sind Mitglieder der Bürgerinitiative „AZV Gemeinschaftskläranlage Kalkreuth“. Dessen Mitstreiter Joachim Rothe hatte vor einem Monat den Tag der offenen Tür in der Grundschule Lampertswalde besucht. Dort traf er auf Lehrerin Linda Schmidt, die das Thema „Wasser“ in ihren Unterricht im wahrsten Sinne des Wortes einfließen lässt. Dazu gehört auch die Frage, was geschieht mit ihm, wenn es verbraucht wurde.

Der Wandertag in die Kläranlage hat den Horizont der Kinder sicherlich erweitert. Sie wissen jetzt, dass Feuchttücher nicht in die Toilette geworfen werden sollen, denn sie machen die Pumpen kaputt. Auch Essen, Handys und Plastespielzeug haben da nichts zu suchen.

Eine Million Liter Abwasser werden in Kalkreuth täglich gereinigt. „Dafür müssen eure Eltern viel Geld bezahlen“, sagt Birgit Zander von der BI. „Deshalb sollte man mit Wasser sparsam umgehen.“ Für die Bürgerinitiative sind solche Besuche von Schulklassen Präventionsarbeit. Rothe: „Denn es werden immer weniger Leute auf dem Land, die für die Unterhaltung der Kläranlage aufkommen sollen. Deshalb muss man schonend damit umgehen.“