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Wanderweg steht vor dem Scheitern

Gohrisch zögert, den Vertrag mit Bad Schandau zum René-Prokoph-Weg zu unterzeichnen. Damit steht die Förderung infrage.

Von Gunnar Klehm
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Über eine Treppe soll es oberhalb der Stützmauer auf einem Wanderweg nach Gohrisch gehen.
Über eine Treppe soll es oberhalb der Stützmauer auf einem Wanderweg nach Gohrisch gehen. © Kristin Richter

Wo laufen sie denn lang? Statt nach jahrelanger Diskussion über die Planung des sicheren Wanderwegs vom Bahnhof Bad Schandau nach Gohrisch abzustimmen, stellte der Gemeinderat von Gohrisch auf seiner Sitzung am Dienstag wieder alles auf Anfang. "Ich kenne nicht ein Schriftstück von dem Weg", sagte Gemeinderat Maik Franke (WV Zukunft Gohrisch). Deshalb sehe er sich nicht in der Lage, darüber abzustimmen.

Zur Aufklärung trug der noch amtierende Bürgermeister Heiko Eggert (parteilos) auch nichts bei. Stattdessen schob er Gemeinderat Enrico Blechschmidt (Freie Wähler) die Verantwortung zu, die Beschlussvorlage der Verwaltung zu erklären. Das viel entsprechend kurz aus. Allerdings hatten die Gemeinderäte auch schon zu Anfang der Sitzung beschlossen, zu dem Thema nichts beschließen zu wollen.

Letzte Hoffnung auf Förderung

Das nahm der Bad Schandauer Bürgermeister erstaunt zur Kenntnis. Thomas Kunack (WV Tourismus) verfolgte als Gast die Ratssitzung. Er bat ums Wort und erklärte, dass das Projekt an der langen Zeit der Diskussion zu scheitern droht. "Eine Leader-Förderung ist deshalb jetzt schon nicht mehr möglich", sagte er. Es bestehe aber eine letzte Hoffnung, noch in ein anderes Förderprogramm rutschen zu können. "Doch dazu müsste spätestens in zwei Monaten im Gohrischer Gemeinderat eine Entscheidung gefallen sein", sagte er.

Im Jahr 2014 hatte Bad Schandau erstmals die Idee von zwei Wanderfreunden aufgegriffen, den alten Hörnelweg oberhalb der B172 zwischen Bad Schandau und Gohrisch wiederzubeleben und mit einer Treppe nahe der Brücke über die Bahngleise einen Anschluss an den Bahnhof zu schaffen. Fußgänger müssen dazu jetzt am Abzweig Rietzschgrund auf der Bundesstraße laufen. Das soll der Wanderweg sicherer machen. Seit Anfang 2016 beteiligen sich auch die Verwaltung und Bürger von Gohrisch an der Planung. Im selben Jahr hat der Gohrischer Gemeinderat den Grundsatzbeschluss gefasst, bis zu 7.000 Euro in den Weg zu investieren.

Als es 2017 mit dem Bau eigentlich schon losgehen sollte, machte eine Auflage des Landesamtes für Straßenbau einen Strich durch die Rechnung der Wanderer. Das Amt forderte einen stabilen Steinfangzaun. Das überstieg die finanziellen Möglichkeiten beider beteiligten Kommunen.

Kommunikationsprobleme in Gohrisch

Eine neue Lösung zu finden, hat Gohrisch bad Schandau überlassen. Bürgermeister Kunack geht davon aus, eine gefunden zu haben. Der Kostenrahmen beläuft sich inklusive Fördermittel in etwa in dem geplanten Rahmen. Um als gemeinsamer Projektträger auftreten zu können, war noch ein Vertrag nötig. Der Bad Schandauer Stadtrat hat dem zugestimmt. 

Doch in Gohrisch wird derzeit alles Gewesene infrage gestellt. "Kein Gemeinderat hat was gegen diesen Weg. Aber wir neuen Gemeinderäte haben dazu von der Gohrischer Verwaltung keinerlei schriftliche Informationen bekommen", sagt Gerd Klaus Kreitz (CDU). Seit der Kommunalwahl im Mai vorigen Jahres sitzen fast nur noch Neulinge im Rat.

Nun hat Bürgermeister Kunack die Aufgabe von Gohrisch übernommen und will allen Räten noch mal sämtliche vorliegenden Planungsunterlagen inklusive Kostenschätzung zukommen lassen. Ob das noch hilft, den Bau nach Jahren der Planung zu retten, ist fraglich. Auch ohne Unterlagen kritisierte Maik Franke (WV Zukunft Gohrisch) bereits die Kostenschätzung. "Ich gehe von 800 Euro Baukosten je Meter aus", sagte er. Da reichten die eingeplanten Eigenmittel nie. 

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