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Wanderweg zerstört

Am Weißbachtal bei Hinterhermsdorf wurden zahlreiche Bäume gefällt. Das hat ein Nachspiel.

Von Dirk Schulze

Unter Wanderfreunden gilt die Runde als eine der schönsten in der Sächsischen Schweiz. Gerade wegen der Stille und dem sanften Licht, das durch die Baumwipfel in das schmale Tal fällt. Der mit einem gelben Streifen markierte Wanderweg führt unterhalb des Steinbergs bei Hinterhermsdorf direkt an der Grenze entlang durch das idyllische Weißbachtal. Auf der einen Seite plätschert der Weißbach gemächlich hinunter in Richtung Kirnitzsch, auf der anderen erhebt sich steil der Hang hinauf zum Steinberg. Dazwischen ein grasbewachsener Wanderpfad. Doch mit der Romantik ist es erst einmal vorbei.

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Die Nationalparkverwaltung hat hier in den vergangenen Monaten zahlreiche Bäume fällen lassen. Wo sich der Blick den Hang hinauf bis vor Kurzem noch in dichtem Grün verlor, leuchtet nun klar und hell der Himmel durch die verbliebenen Bäume. Der Bewuchs ist deutlich ausgedünnt. Überall liegen noch abgesägte Äste und Zweige am Hang, der Waldboden ist von entlanggezogenen Stämmen aufgerissen. Doch was am augenfälligsten ist: Aus dem vormals schmalen Wanderpfad ist ein gut vier Meter breiter Fahrweg geworden. Hier waren die Waldarbeiter offensichtlich mit schwerem Gerät unterwegs. Die tiefen Fahrspuren wurden anschließend grob wieder zugeschoben. Eine kleine Holzbrücke, die kurz vor dem Zusammenfluss mit der Kirnitzsch über den Weißbach führte, liegt nun daneben auf der Wiese. Die neue Brücke besteht aus einigen massiven Stämmen, die mit einer Schicht lehmiger Erde verfüllt wurden.

Das Ausmaß der Baumfällungen und besonders der Zustand des Gebiets nach den Arbeiten sorgen bei Einheimischen und Gästen seit Wochen für Diskussionen. Große, mit Stämmen beladene Lkws rollen durch Hinterhermsdorf, und die Anwohner wundern sich über die Mengen an Holz, die hier abtransportiert werden.

Die Nationalparkverwaltung erklärt, dass sie am Steinberg bei Hinterhermsdorf auf einer Fläche von 22 Hektar umfangreiche Waldpflegemaßnahmen vorgenommen habe. Ziel war es vor allem, den Anteil an gebietsfremden Baumarten wie Douglasien und Lärchen zu reduzieren. Aber auch viele Fichten wurden gefällt. Damit soll nach Aussage der Nationalparkverwaltung das Auftreten von Borkenkäfern verringert werden. Hierzu sei man vor allem gegenüber dem benachbarten Nationalpark auf der böhmischen Seite verpflichtet.

Der Zweck der Baumfällarbeiten im Weißbachtal, das sich unterhalb des Steinbergs direkt an der tschechischen Grenze entlang zieht, sei vor allem, mehr Licht in das Tal zu bringen, erklärt die Nationalparkverwaltung. Das sei die Voraussetzung für die gewünschte Wiederansiedlung von bachbegleitenden Baumarten wie Erlen und Weiden.

Abtransportiert wurden die Stämme über eine alte Straße, die auf tschechischer Seite an der Kirnitzsch in Richtung Grenze führt. Doch die liegt ein gutes Stück von der Einschlagstelle entfernt. Die Forstarbeiter mussten also mit schweren Fahrzeugen auch in das schmale Weißbachtal fahren. Kritiker fragen sich, warum nicht alle gefällten Bäume zum Abtransport auf den oberhalb des Hanges gelegenen Oberen Steinbergweg gezogen wurden. Der ist ausreichend breit. Der Wanderpfad im Weißbachtal wäre verschont geblieben.

Am vergangenen Freitag war nun eine Mitarbeiterin der Landesdirektion Sachsen aus Dresden vor Ort. Die Behörde beaufsichtigt die Einhaltung des Naturschutzes im Nationalparkgebiet. Das Ergebnis der Begutachtung: So, wie der Weg am Weißbach derzeit aussieht, darf er nicht bleiben. Denn Gewässerrandstreifen genießen besonderen Schutz. Die Nationalparkverwaltung muss den ursprünglichen Zustand weitestgehend wiederherstellen. Die Arbeiten dazu sollen im Frühjahr beginnen.

„Wir bitten um Verständnis und Geduld, bis die Maßnahmen der Nationalparkverwaltung greifen und sich mehr Naturnähe im Weißbachtal einstellen kann“, sagt der Leiter der Nationalparkverwaltung, Dietrich Butter. Die Holztransporte durch Hinterhermsdorf werden noch bis zum Frühjahr dauern. Es gebe keine Alternative zu den Straßen durch das Dorf.