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Wann gehört Döbeln zum Speckgürtel?

Döbeln verliert durch die zu geringe Geburtenrate etwa 200 Einwohner pro Jahr. Das könnte nur durch mehr Zuwanderung ausgeglichen werden.

Von Jens Hoyer

Es ist nur ein leichtes Plus, aber eins, das Hoffnung macht. Nachdem viele Jahre Leute aus Döbeln abgewandert sind, schlägt das Pendel in die andere Richtung um. Im vergangenen Jahr hat es wieder mal eine geringe Zuwanderung gegeben. 989 Leute sind zugezogen, nur 958 weggezogen. Macht ein Plus von 31. Das reicht aber bei Weitem nicht, um die Differenz zwischen Geburten und Sterbefällen auszugleichen. Deshalb hat Döbeln 2014 wieder rund 190 Einwohner verloren. Ende des Jahres lebten in der Stadt und den Ortsteilen 21 849 Menschen.

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Die Zahl der Geburten schwächelt. 154 Kinder kamen auf die Welt, das sind rund 40 weniger als im Jahr zuvor. Ob das ein einmaliger Ausreißer ist oder der Beginn eines Trends, sei noch nicht abzuschätzen, sagte Stadtsprecher Thomas Mettcher. Über einen anhaltenden Einbruch würde sich niemanden wundern. Dass der zweite Geburtenknick kommt, ist klar. Vor 23 Jahren war die Geburtenrate nach der Wende drastisch eingebrochen. Die wenigen Kinder von damals sind heute in einem Alter, in dem sie selbst Kinder bekommen.

Bei der Stadtverwaltung geht man unkonventionelle Wege, um die sich dadurch abzeichnenden Schwierigkeiten zu meistern. Derzeit fehlen in der Stadt etwa 50 Kindergartenplätze. Weil aber abzusehen ist, dass die Zahl der Kinder abnehmen wird, will man keine Überkapazitäten bei den Kitas aufbauen. Die Lösung: Der Hort in Döbeln Nord wird bei Bedarf vorübergehend mit mehr als 70 Kindern in die Grundschule Am Holländer einziehen. Dadurch wird in der Kita Tausendfüßler Platz frei für weitere Kindergartengruppen.

Die Verluste an Einwohnern kann Döbeln nur durch Zuwanderung ausgleichen. Die Stadt steckt in keinem der Speckgürtel der Großstädte Dresden oder Leipzig. Die Chancen seien aber da, sagte Torsten Kurth, der als Immobilienfachmann der Sparkasse die Entwicklung im Blick hat. Leipzig/Dresden sei eine von vier Entwicklungsregionen in Ostdeutschland. Damit Döbeln etwas von der Bevölkerungsentwicklung abbekommt, müssen aber die Bedingungen stimmen. Sprich: die Infrastruktur. Döbeln selbst hat sich mit Theater, Bad, Kino und anderen Einrichtungen eine hervorragende Infrastruktur bewahrt. „Das ist sonst schwer zu finden in einer Kleinstadt, das haben sonst nur Städte ab 70 000 Einwohner“, sagte Kurth. Allerdings hapert es an anderer Stelle. „Überall werden bei uns die öffentlichen Verkehrsmittel eingestellt. Auch in München sinken die Grundstückspreise nach der letzten S-Bahn-Station“, sagte Kurth. Sprich, die Leute wollen gute Verkehrsverbindungen zum Wohnort. Die Wirklichkeit ist eine andere: Ende des Jahres wird der Zugverkehr in Richtung Dresden eingestellt.

Arbeit ist für junge Leute das A und O, um nach Döbeln zu ziehen, meint Döbelns Baudezernent Thomas Hanns. In diesem Jahr wird die Stadt mit der Erschließung des neuen Gewerbegebietes an der B 169 beginnen. Allerdings hat die Stadt im vergangenen Jahr auch weit über 200 Arbeitsplätze durch die Schließungen von Autoliv und den Maschinenbau Buch eingebüßt. „Jeder Arbeitsplatz, der wegfällt, schmerzt. Aber das können wir kaum beeinflussen. Wir können nur die Rahmenbedingungen gestalten“, so Hanns.

Bevölkerungszuwachs bringen der Stadt auch die Eigenheimgebiete. Allein in der Sörmitzer Au waren in den vergangenen Jahren etwa 160 Häuser neu gebaut worden. Das macht 450 bis 500 Bewohner. Manche Bauherren waren wegen der Lage nach Döbeln gezogen, sagte Torsten Kurth. Darunter Regionalleiter von Unternehmen, die in der Mitte ihrer Region wohnen wollen. Auch Paare mit guten Jobs in Leipzig und Dresden, die sich die Stadt in der Mitte zum Leben ausgesucht haben. In der Sörmitzer Au ist noch Platz für weitere Häuser. Außerdem wird in diesem Jahr das Wohngebiet Sonnenterrassen in Döbeln Nord erschlossen. Wenn die voll sind, hat Kurth schon einige neue Flächen im Blick.

Auch bei der Gemeinnützigen Wohnungsgenossenschaft spürt man den demografischen Trend. Immer mehr ältere Mieter sterben oder gehen ins Pflegeheim. Die Wohnungen neu zu vermieten, werde immer aufwendiger, sagte GWG-Vorstand Gisela Menzel. Die Zuzugsbewegung sei spürbar, auch wenn nicht sehr deutlich. Es gebe Anfragen von älteren Leuten, die ihr Haus auf dem Land verkaufen und in die Stadt ziehen. Auch Rückkehrer aus den alten Bundesländern fragen nach.

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