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Zu nah am Wasser gebaut

Die Straße an der Elbe ist schon bei leichtem Hochwasser überflutet, Häuser sind nicht erreichbar. Die Stadt wiegelt ab.

© Norbert Millauer

Von Alexander Müller

Dass es an der Elbe Hochwasser gibt, sind wir Einwohner von Niedervogelgesang gewöhnt und können damit leben“, schreibt Peter Grübner aus dem Pirnaer Ortsteil. Allerdings könnte die Stadt Pirna den Anwohnern das Leben am Wasser wesentlich erleichtern – indem sie ein kleines Stück Straße höher legt. Denn bereits ab einem Pegelstand von fünf Metern stehe ein Abschnitt der Zufahrtsstraße aus Richtung Pirna auf einer Länge von rund 150 Metern unter Wasser, erläutert Grübner. Eine Durchfahrt mit dem Auto sei nicht mehr möglich. Der Abschnitt befindet sich von Pirna aus genau vor dem ersten Wohngrundstück von Niedervogelgesang.

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Die Bewohner von 27 Grundstücken seien mit Fahrzeugen – auch von Hilfsdiensten und ärztlicher Versorgung – nicht mehr erreichbar. Zu Fuß werde es auch schwierig, weil einige Hochwassernotwege kaum noch begehbar seien. Zudem, so beklagt Peter Grübner, sei das Abstellen von Fahrzeugen am Bahnhaltepunkt Obervogelgesang nur sehr begrenzt möglich, da die dortigen Anwohner dasselbe Problem hätten und Parkflächen fehlen. „Eine Anhebung des relativ kurzen Straßenabschnittes in Niedervogelgesang wäre eine Möglichkeit, die hochwasserbedingten Sperrzeiten der einzigen Zufahrtsstraße wesentlich zu verringern“, schlägt Peter Grübner vor.

Das Brisante an seinem Anliegen: Seine Bitte ans Rathaus formulierte Peter Grübner nicht erst jetzt, sondern im Jahr 2000, also noch vor den verheerenden Fluten von 2002 und diesem Jahr. Umso erstaunlicher ist es, dass noch nichts in dem Sinne passiert ist, was der Pirnaer seinerzeit forderte: eine Zufahrt nach Niedervogelgesang, die bei Hochwasser etwas länger passierbar wäre als die jetzige.

Schon kurz nach dem Schreiben kam damals die Ablehnung aus dem Pirnaer Rathaus: „Der Sachverhalt wurde geprüft mit dem Ergebnis, dass Ihrem Antrag gegenwärtig, insbesondere aus finanziellen Gründen, nicht gefolgt werden kann“, teilte der damalige Baubürgermeister von Pirna, Eckhard Lang, mit. Es sei denn, so fügt er an, dass unter Anwendung der für Pirna gültigen Straßenbaubeitragssatzung die betroffenen Anlieger sich zu dieser Maßnahme bekennen würden. Im Klartext heißt das: Die Anwohner hätten sich an der Baumaßnahme finanziell beteiligen müssen. Etwa 65 000 Mark sollte das insgesamt kosten – wir reden vom Jahr 2000.

Inzwischen sind die Baupreise erheblich gestiegen. Passiert ist seitdem nichts im Sinne von Anwohnern wie Peter Grübner. Zwar sei um 2005 herum die Deckschicht der Straße erneuert worden, doch ohne dass dabei das Niveau in der Senke erhöht wurde.

Peter Tränkner, Chef der Fraktion „Pirnaer Bürgerinitiativen“ im Stadtrat, hat das und die jüngste Flut zum Anlass genommen, bei diesem Thema noch einmal nachzuhaken. Seine Fraktion hat den Antrag gestellt, das Straßenniveau am Elberadweg vor Niedervogelgesang so weit anzuheben, dass eine Befahrbarkeit bei fünf Meter Elbepegel in Schöna möglich wird. „Den Anwohnern aus Niedervogelgesang sowie uns als Fraktion ist schwer zu vermitteln, dass Straßen im Stadtgebiet Pirna mit erheblichen finanziellen Mitteln instand gesetzt werden sollen, an denen keinerlei Schäden vorhanden sind.“ Andererseits würden aber dringend erforderliche Veränderungen nicht realisiert. Bei einem Gesamtumfang von 26 Millionen Euro für die Wiederaufbauplanung nach der jüngsten Flut seien die mittlerweile geschätzten 50 000 Euro fürs Höherlegen der Zufahrt nach Niedervogelgesang eine vertretbare Größenordnung. Zumal die Einwohner wieder erheblich vom Elbehochwasser betroffen waren.

Bei der Pirnaer Stadtverwaltung ist man sich immer noch nicht sicher, wie man mit dem Thema umgehen soll.