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Wann kommt der Hochwasserschutz?

Seit der August-Flut von 2010 warten die Anlieger am Hainitzer Wasser, dass sich etwas tut. Doch erneut gab es einen Rückschlag.

© Carmen Schumann

Von Madeleine Siegl-Mickisch

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Voller Sorgen schaut Ulrike Kleißle oft auf das Hainitzer Wasser gleich neben dem Grundstück ihrer Familie in Großpostwitz – vor allem wenn es lange Zeit und heftig regnet. So schlimm wie im August 2010, als der Bach zu einem Strom wurde und dabei selbst Mülltonnen und einen Betonmischer mit sich riss, war es seither zwar nicht mehr. Damals standen nicht nur die direkt angrenzenden, sondern sogar noch die übernächsten Grundstücke unter Wasser. Doch die Anlieger haben nach wie vor Angst, dass sich so etwas wiederholen könnte, – und fragen sich, warum es mit dem Hochwasserschutz einfach nicht vorangeht.

Vorgeschlagen Variante geht nicht

Bisher wurden dafür nur unzählige Blätter Papier beschrieben. Mittlerweile ist darüber auch Bürgermeister Frank Lehmann (parteilos) ziemlich frustriert. Vor allem weil sich nun herausstellt, dass sich die nach aufwendiger Untersuchung vorgeschlagene Variante nicht umsetzen lässt – zumindest nicht in absehbarer Zeit.

Aber der Reihe nach: Als kurz nach dem verheerenden Hochwasser von 2010 Überlegungen angestellt wurden, wie so etwas künftig verhindert werden könnte, kam für das Hainitzer Wasser, das im Ortszentrum in die Spree mündet, ein Paket aus mehreren Maßnahmen auf den Tisch. Vor dem Durchlass, über den die B 96 führt, sollten U-Profile eingebaut werden, um die Ufermauern zu befestigen. Die Brüstungsmauer an der Brücke sollte abgerissen und durch ein Geländer ersetzt werden, damit im Notfall das Wasser über die Brücke fließen kann und nicht so sehr zurückgestaut wird. Um das Wasser dann auch wieder schnell von der Hauptstraße wegzubekommen, sollten dort Vorkehrungen getroffen werden, damit es in Richtung Spree abgeleitet wird.

Freistaat fordert Untersuchung zum Gewässer

Doch realisieren konnte die Gemeinde nichts davon. Der Freistaat forderte erst eine aufwendige Untersuchung zu dem Gewässer. Denn ehe Fördermittel für Schutzmaßnahmen fließen, sollte klar sein, ob sie sinnvoll sind. Allerdings wurde erst mehr als zwei Jahre nach dem 2010er Hochwasser mit dieser Untersuchung begonnen, weil Gemeinde und Landesdirektion zunächst über die Modalitäten der Vergabe an ein Ingenieurbüro stritten.

Fertig ist das Papier bis heute nicht, aber die wichtigsten Daten liegen vor und voriges Jahr im Frühjahr wurde den Anliegern auch schon mal eine Lösung präsentiert: Im Cosuler Tal sollte ein drei Meter hoher Erdwall angelegt werden und somit eine Art Rückhaltebecken entstehen. Es würde die Wassermassen zurückhalten, damit sie nur gedrosselt in der Ortslage ankommen. Parallel dazu sollte auch an den Ufermauern etwas gemacht werden. Getan hat sich aber immer noch nichts. „Es herrscht wieder Schweigen im Walde“, sagt Ulrike Kleißle. Und der Bach ist wieder zugewachsen, ergänzt Eberhard Rabovsky, der auf der anderen Bachseite wohnt.

Ufermauer vor der Brücke soll erneuert werden

Mittlerweile steht fest, dass aus dem Damm im Cosuler Tal erst einmal nichts wird. „Das bekommen wir nicht gefördert“, sagt Bürgermeister Lehmann. Fördermittel gebe es derzeit nur, um Schutz vor einem Hochwasser zu erreichen, wie es statistisch gesehen aller 100 Jahre vorkommt. Der Damm würde aber Schutz vor einem noch extremeren Hochwasser – wie es 2010 eins war – ermöglichen. Nun läuft alles darauf hinaus, dass nur die Ufermauern im Bereich vor der Brücke an der Hauptstraße erneuert werden. Bis Ende des Jahres, verspricht Lehmann. „Da wären wir ja froh“, sagt Ulrike Kleißle.

Die Idee mit dem Damm im Cosuler Tal will Lehmann trotzdem nicht in den Papierkorb stecken. Er hofft, dass der Freistaat irgendwann mal Geld für den Hochwasserschutz auch an kleineren Gewässern gibt – und nicht nur nach Flutschäden. Dann würde er die Variante mit dem Damm wieder aus der Schublade ziehen.

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