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Wie weiter mit der gefährlichsten Kreuzung?

Die Stelle bei Gnaschwitz ist im Landkreis Bautzen Unfallschwerpunkt Nummer eins. Vieles wurde schon versucht, doch die Lösung des Problems lässt auf sich warten.

Als die Einsatzkräfte am 8. Juli zu einem Unfall an die Neukircher Straße bei Gnaschwitz gerufen wurden, kannten sie den Weg: Keine Kreuzung im Kreis Bautzen ist gefährlicher als diese.
Als die Einsatzkräfte am 8. Juli zu einem Unfall an die Neukircher Straße bei Gnaschwitz gerufen wurden, kannten sie den Weg: Keine Kreuzung im Kreis Bautzen ist gefährlicher als diese. © Archivbild: LausitzNews.de/ Georg Szél

Doberschau-Gaußig. Zuletzt geschah es am 8. Juli dieses Jahres: Ein 57-jähriger Honda-Fahrer missachtete beim Linksabbiegen den Audi einer 52-Jährigen. Die Autos kollidierten nahezu frontal, ein drittes Fahrzeug geriet in Mitleidenschaft. Der Rettungshubschrauber wurde gerufen. Die Kreuzung, die er anflog, ist bei Einsatzkräften eine wohlbekannte – und ganz fraglos Teil des Problems: Die Rede ist vom Treffpunkt der beiden Staatsstraßen S 119 und S 120.

Die Kreuzung von Brösanger und Neukircher Straße in der Nähe von Gnaschwitz gilt schon seit Jahren als Unfallschwerpunkt Nummer eins im Landkreis Bautzen. Zwischen 2017 und 2019 krachte es hier 15 Mal, wie Anja Leuschner, Pressesprecherin der Polizeidirektion Görlitz, auf Anfrage von Sächsische.de mitteilt. Neben zwei tödlich verunglückten Motorradfahrern im Sommer 2017 forderten Unfälle an dieser Stelle während der vergangenen drei Jahre vier Schwerverletzte, 14 Unfallopfer verletzten sich leicht. 

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Polizeilich geschätzte 1,75 Millionen Euro Schaden haben die Kollisionen an der Kreuzung zwischen Drauschkowitz und Gnaschwitz seit 2017 verursacht. Der Knotenpunkt führe damit "das Negativ-Ranking im Landkreis an", heißt es dazu aus dem Bautzener Landratsamt, und auch Anja Leuschner bestätigt: "Die Kreuzung ist momentan Nummer eins der Unfallhäufungsstellen im gesamten Bereich der Polizeidirektion Görlitz."

Gegenmaßnahmen fruchten nicht

Die Häufigkeit von Kollisionen an besagter Kreuzung hat auch bei den zuständigen Behörden Aufsehen erregt. Die blieben nicht untätig; installierten Stop-Schilder und Warnhinweise, verstärkten die Kontrollen an der Strecke und entfernten zuletzt Ende 2017 die Linksabbiegerspuren von den beiden untergeordneten Straßeneinmündungen.

Die Maßnahmen halfen nur bedingt: 2017 und 2018 hatten sich an der von Insidern Telle genannten Kreuzung im Drei-Jahres-Rückblick mit fünf beziehungsweise acht Zusammenstößen die meisten Unfälle ereignet, teilt Anja Leuschner mit. 2019 sank die Unfallhäufigkeit: Es krachte im gesamten Jahr nur zwei Mal. In diesem Jahr allerdings musste die Polizei bereits drei Mal zu Unfällen an die Telle fahren. Einmal wurde dabei ein Verkehrsteilnehmer schwer verletzt. 

Im Hinblick auf den jüngsten Unfall vom 8. Juli ist das Fazit des Landratsamtes zu den unternommenen Maßnahmen ein nüchternes: Die Unfallhäufungsstelle könne "nicht als beseitigt gelten", teilt Pressesprecherin Cynthia Thor mit und ergänzt: "Die bisher ergriffenen Maßnahmen erwiesen sich leider allesamt als nicht wirksam genug."

Die Verkehrsunfallkommision des Landkreises, so Thor weiter, fordere deshalb "bereits seit Längerem bauliche Änderungen an dem Knoten mit dem Ziel, die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Andere Möglichkeiten sind weitgehend ausgeschöpft."

Baubeginn noch gänzlich unklar

Zuständig für das Vorhaben ist das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv). Dort ist man augenscheinlich mitten in den Planungen für die angestrebte Baumaßnahme – als sehr wahrscheinlich gilt eine Entschärfung der Kreuzung per Kreisverkehr. 

Konkret äußern will sich Lasuv-Sprecher Franz Grossmann aber derzeit noch nicht: Man befinde sich momentan, teilt er mit, in der Phase der Variantenuntersuchung. Danach soll es eine Entscheidung über die ideale Variante zur Neugestaltung der Kreuzung geben. Ein darauf basierender Vorentwurf soll bis Oktober 2020 genehmigt werden. Folgen sollen die Genehmigungsplanung und ein Baurechtsverfahren. "Ein Baubeginn kann aufgrund des frühen Planungsstandes noch nicht seriös benannt werden", so Franz Grossmann.

Während es also offenbar noch dauert, bis die Telle entschärft wird, meldet Anja Leuschner von anderen gefährlichen Kreuzungen in der Region unfallmindernde Erfolge: An der Autobahnauffahrt in Ottendorf-Okrilla etwa sei durch eine neue Ampelanlage die Unfallgefahr seit Juni 2019 deutlich minimiert worden. An mehreren Stellen im Landkreis, zum Beispiel an der S 94 in Straßgräbchen, habe der Rückbau von Dreiecksinseln die Gefahren beim Abbiegen minimiert. In Bautzen habe es durch eine veränderte Verkehrsführung an der Kreuzung von Töpferstraße, Wendischem Graben und Grollmußstraße seit 2018 keine Unfälle mit Personenschäden mehr gegeben.

Mitten in Bautzen kracht es am häufigsten

Eine Kreuzung nennt Anja Leuschner dann aber doch, die sogar noch unfallträchtiger sei als die Telle: Mit insgesamt 46 Unfällen war während der vergangenen drei Jahre die Kollisionsgefahr an der Kreuzung von Löbauer Straße, Paul-Neck- und Thomas-Müntzer-Straße in Bautzen noch höher als im Falle der Gnaschwitzer Kreuzung. Aber: Zwar sei, so Leuschner weiter, die Unfallwahrscheinlichkeit an dieser Stelle aufgrund der hohen Verkehrsbelastung größer, Unfälle gingen aber aufgrund der geringeren Fließgeschwindigkeit des Verkehrs meist glimpflich und mit leichtem Personenschaden aus. 

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