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Wann lohnt eine Smartphone-Reparatur?

Werkstattbetreiber Volker Fischer aus Schwarzenberg über Spider-Apps, Ersatzteilkosten und Sollbruchstellen.

Totalausfall selbst bei kleinsten Stürzen: Max Zander von der Reparaturwerkstatt RFE in Schwarzenberg.
Totalausfall selbst bei kleinsten Stürzen: Max Zander von der Reparaturwerkstatt RFE in Schwarzenberg. © Georg Ulrich Dostmann

Nachhaltig, aber teuer: Laut Stiftung Warentest lohnt sich die Instandsetzung defekter Smartphones häufig nicht. Das zumindest hat eine aktuelle Überprüfung von Reparaturdiensten ausgewählter Hersteller, Elektronikketten und Online-Anbietern ergeben. Betreiber kleiner Werkstätten waren in dem Test allerdings nicht vertreten. Doch genau denen bescheinigen Nachhaltigkeitsexperten wie der „Runde Tisch Reparatur“ oft gute und günstige Arbeit. Die SZ sprach mit Werkstattbetreiber Volker Fischer.

Herr Fischer, bei mir zu Hause liegt ein kaputtes iPhone 4S. Ein gesplittertes Display, ein toter Akku und ein defekter Dockconnector müssten getauscht werden. Was kostet mich das?

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Die Reparaturkosten samt Material belaufen sich auf rund 65 Euro. Es gibt da aber ein Problem: Der 30-polige Dockconnector ist momentan nirgendwo lieferbar.

Lohnt es sich überhaupt, ein so altes Gerät zu reparieren?

Eigentlich nicht. Es sei denn, Sie sind Liebhaber. Für das iPhone 4S bekommen Sie ja auch keinen Support mehr. Das bedeutet, dass unter Umständen einige Anwendungen nicht mehr funktionieren. Zudem werden funktionierende 4S-Modelle im Netz schon für unter 30 Euro angeboten.

Gibt es eine Faustformel, wann sich eine Smartphone-Reparatur lohnt und wann nicht mehr?

Nein. Es kommt immer auf das Gerät und seine Wertstabilität an. Außerdem variieren die Ersatzteilpreise nicht nur von Marke zu Marke, sondern auch von Modell zu Modell. Unsere Erfahrung ist: Je neuer ein Gerät ist, desto mehr Leute lassen es reparieren. Der Punkt, ab dem es sich nicht mehr lohnt, ist im Normalfall nach drei bis vier Jahren erreicht. So, wie es von der Stiftung Warentest beschrieben wurde.

Gibt es Marken, die besser reparierbar sind als andere?

Ja. Aktuelle Geräte von Huawei, Apple und Samsung lassen sich gut reparieren. Eher problematisch sind derzeit für uns Marken wie HTC, Nokia oder Alcatel.

Woran liegt das?

An der Bauweise der Geräte. Zum Beispiel ist das HTC One M8 sehr serviceunfreundlich konstruiert. Man muss viele Klebestellen mühsam öffnen, um an den Akku heranzukommen.

Wie ist die Ersatzteil-Situation?

Da wir mehrere Lieferanten haben, finden wir fast immer Ersatzteile, auch für ältere Geräte wie beispielsweise das Samsung Galaxy S3 oder das iPhone 5. Apple selbst liefert übrigens keine Ersatzteile. Hier sind wir auf andere Distributoren angewiesen. Momentan sind die Hersteller nicht verpflichtet, Ersatzteile vorzuhalten. Wir wünschen uns eine politische Entscheidung, dass das wieder verpflichtend wird.

Über welche Ersatzteilpreise reden wir?

Das richtet sich nach dem Gerätepreis. Ein Display fürs Samsung Galaxy A20e kostet beispielsweise 35 bis 40 Euro, beim Galaxy S10 sind es dagegen über 300 Euro. Für den Akkutausch macht unsere Werkstatt einen Pauschalpreis von 39 Euro. Ausgenommen sind zum Beispiel einige Sony-Modelle, bei denen schon der Materialpreis des Akkus über 25 Euro liegt.

Wie hoch sind die Arbeitskosten?

Die meisten Reparaturen dauern eine halbe bis maximal eine Stunde. Die Arbeitsstunde kostet brutto 55 Euro. Ausgenommen natürlich Kleinreparaturen wie zum Beispiel die Reinigung des Lightning-Anschlusses beim iPhone.

Volker Fischer ist Geschäftsführer der RFE Schwarzenberg GmbH. Die Ursprünge des Unternehmens gehen auf eine Genossenschaft zurück.
Volker Fischer ist Geschäftsführer der RFE Schwarzenberg GmbH. Die Ursprünge des Unternehmens gehen auf eine Genossenschaft zurück. © Georg Ulrich Dostmann

Und wie lange dauert die Reparatur?

Meist bringen Kunden das defekte Smartphone vormittags zu uns und können es am Nachmittag repariert abholen. In Fällen, wo jemand dauerhaft auf sein Gerät angewiesen ist, bieten wir auch Sofortreparaturen an, die maximal eine Stunde dauern. Die Konstruktion des Telefons muss das allerdings auch zulassen. Benötigte Ersatzteile bestellen wir dann schon vorab.

Es wird viel über geplante Obsoleszenz debattiert – eine absichtlich verkürzte Lebensdauer. Wie ist Ihre Erfahrung?

Bei Smartphones und Tablets wird die Gebrauchsdauer de facto dadurch begrenzt, dass irgendwann der Support für die Gerätesoftware endet. Diese Art der Steuerung ist für den Hersteller die komfortabelste. Dagegen birgt der Einsatz minderwertiger Bauteile das Risiko, dass Geräte zu früh kaputtgehen. So etwas kann langfristig dem Image der Marke schaden. Was wir beobachten, ist, dass die Hersteller ihre Smartphone-Displays so konstruieren, dass selbst kleinste Stürze zu einem Totalausfall führen. Ein weiteres Problem war lange der Verschleiß von Micro-USB-Buchsen. Das hat sich aber durch Einführung von USB-C-Anschlüssen gebessert.

Steigt die Zahl der Leute, die ihre Geräte selbst reparieren? Immerhin gibt es auf Youtube unzählige Tutorials. Auch Portale wie ifixit bieten Hilfestellung beim Auseinander- und Zusammenbauen an.

Es gibt im Netz sehr gute Reparaturanleitungen, aber auch mangelhafte. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Zahl der Selbstreparierer abnimmt. Nach dem ersten misslungenen Versuch kommen die meisten Leute zu uns. Wir müssen es dann richten. Beispiel Apple: Hier sind konstruktionsbedingt spezielle Folienleiterbahnen so verlegt und festgeklebt, dass bei unvorsichtiger Demontage das Gerät danach Schrott ist. Hier ist der Fachmann gefragt.

Haben Sie schon mal modulare Smartphones wie das von Fairphone repariert?

Nein, so eins hatten wir noch nicht. Würde uns aber mal interessieren.

Was kann ich mit einem Smartphone machen, das sich nicht mehr reparieren lässt?

Lassen Sie es nicht zu Hause in der Schublade liegen. Das Gerät ist voller wertvoller Rohstoffe wie Silber, Gold und Kobalt. Falls möglich, nutzen Sie das Ding als Ersatzteilspender. Andernfalls bieten Sie es als defekt auf Ebay an. Oder geben Sie es bei Händlern, in Werkstätten oder an kommunalen Sammelstellen ab.

Und was ist mit dem Löschen der Daten, die sich noch auf dem Gerät befinden?

Wenn sich das Gerät starten lässt, setzen Sie es auf die Werkseinstellungen zurück. Falls das nicht mehr möglich ist, sollten Sie das Smartphone auf keinen Fall mit einem Hammer zertrümmern. Der eingebaute Akku könnte explodieren oder brennen. Mein Rat: Überlassen Sie die mechanische Zerstörung einem Fachmann.

Was kaufen Sie sich persönlich für Smartphones?

Ich bevorzuge Geräte, die bereits ein bis zwei Jahre auf dem Markt sind. Dann sind etwaige konstruktive Mängel bereits bekannt und Ersatzteile vorhanden. Mir ist wichtig, dass ein Smartphone preiswert zu reparieren ist, zuverlässig funktioniert und nicht zu groß ist. Das iPhone SE, welches mir ein Kollege seinerzeit empfohlen hat, benutze ich noch heute.

Das Gespräch führte Andreas Rentsch.

Wer repariert in Sachsen ein altes iPhone? Und was kostet das?

Die SZ hat für den Austausch von Display und Akku am iPhone 4S unverbindliche Kostenvoranschläge eingeholt.

  • Fa. Zaplata Görlitz 100 Euro
  • Funkladen Koch Dresden nicht möglich
  • MediaMarkt Elbepark DD nicht möglich
  • Apple Store Dresden nicht möglich
  • Phoneworx by Gravis DD nicht möglich
  • Handy Reparatur Sachsen DD 80 Euro
  • Moha’s Reparaturserv. Bautzen 75 Euro
  • Euronics Holfeld Schirgiswalde 79 Euro
  • Volkscomputer Pirna ca. 100 Euro
  • Electronic Shop Meißen 50 bis 60 Euro
  • PC Spezialist Freital nicht möglich
  • Electronicparts Hoyerswerda 70 Euro
  • Computerinsel Leipzig 64 Euro
  • Handyaufbereitung Plauen 80 Euro
  • Computerfuxx Chemnitz 79,95 Euro
  • Repamo Hartmannsdorf 128 Euro
  • Handyshop Hennig Annaberg-Buchholz 140,99 Euro
  • Euronics Fernsehtechnik Freiberg 69 Euro
  • Georgi Electronic Zschorlau nicht möglich

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