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Wann macht Schnarchen krank?

Prinzipiell ist die Volkskrankheit unbedenklich. Setzt in der Nacht allerdings die Atmung aus, kann es sehr gefährlich werden.

Von Tina Soltysiak

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Wer kennt das nicht: Plötzlich beginnt der Partner mitten in der Nacht laut zu schnarchen. An Einschlafen ist da kaum zu denken. Ein Schubser und die Aufforderung, sich umzudrehen, bringen nur kurzzeitig Entspannung. Denn nach wenigen Minuten rollt der Partner zurück und das Elend beginnt von vorn.

Das ist zwar nervig, aber relativ unbedenklich. Setzt die Atmung beim Schnarchenden zwischendurch allerdings aus, dann kann es richtig gefährlich werden. Was im schlimmsten Fall passieren kann, haben gestern Dr. Ekkehard Gürtler, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin in der Helios-Klinik Leisnig, und Oberarzt Thomas Michel, der verantwortliche Mediziner des Leisniger Schlaflabors, erklärt.

Wie viel Prozent der Deutschen schnarchen überhaupt?

Schnarchen gilt als eine Volkskrankheit. Die Zahl ist gar nicht mal so gering: Sechs von zehn Männern geben die Laute nachts von sich. „40 Prozent der Frauen und sogar zehn Prozent aller Kinder schnarchen“, erzählt Chefarzt Gürtler.

Wie kommt es, dass ein Mensch schnarcht?

„Das Geräusch entsteht durch die flatternden Bewegungen des Gaumens, des Zäpfchens, manchmal auch des Zungengrundes und des Rachens“, erklärt Ekkehard Gürtler. Im Schlaf erschlaffe die Muskulatur der oberen Atemwege, die dann durch das Ein- und Ausatmen zum Schwingen gebracht wird. Das Risiko, dass jemand schnarcht, wird größer, wenn er Schnupfen hat. Dadurch verengen sich die Atemwege. Das sei auch bei Menschen der Fall, die Nasenpolypen oder zu große Rachenmandeln haben, ergänzt er. „Oft beobachten wir auch bei Übergewichtigen ein starkes Schnarchen“, so Gürtler.

Ab wann wird das Schnarchen gefährlich?

Wer sich nach dem Aufwachen schlapper fühlt, als vor dem Zubettgehen, sollte unter Umständen einen Arzt konsultieren. Es kann nämlich sein, dass es während des Schlafens längere Atemaussetzer gibt. „Auf Dauer erhöhen diese das Risiko für Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck oder einen Schlaganfall“, erklärt der Mediziner. Das Problem ist, dass die Schnarcher davon selbst nichts mitbekommen. Deshalb empfiehlt es sich, auf die Atemgeräusche des „sägenden“ Partners zu achten. Wenn die Atempausen mindestens zehn Sekunden dauern und mehr als zehnmal pro Stunde auftreten, spricht man von einer Schlaf-Apnoe. Rund 800 000 Deutsche seien von dieser Krankheit betroffen, so Gürtler. Bei Frauen steige das Risiko dafür nach der Menopause deutlich an.

Was sind Anzeichen für eine Schlaf-Apnoe?

„Die bereits angesprochene Tagesmüdigkeit ist ein Indikator“, sagt Ekkehard Gürtler. Einschlafzwang, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche, Depressionen oder Potenzstörungen können weitere Anzeichen dafür sein, dass die Atmung beim Schlafen aussetzt.

Was sind mögliche Ursachen fürdiese Krankheit?

Übergewicht, Bluthochdruck, ein vergrößerter Herzmuskel, Schlafen in der Rückenlage, üppige Mahlzeiten vor dem Zubettgehen, Alkohol, Nikotin, Schlafmittel sowie chronische Bronchitis oder chronisches Sodbrennen können diese schlafbezogene Atemstörung begünstigen.

Wie kann die Schlaf-Apnoe diagnostiziert werden?

Da der Betroffene sein eigenes Schnarchen nicht hört und von den Atemaussetzern nichts mitbekommt, sind Hinweise des Partners wertvoll. Der Hausarzt überweist den Patienten an einen Schlafmediziner. In der Umgebung gibt es je einen in Hartha, Oschatz und Grimma sowie zwei in Mittweida. Mit Hilfe eines speziellen Gerätes wird die Qualität des Schlafes bestimmt. Dabei werden der Puls und die Sauerstoffsättigung im Blut sowie der Atemfluss gemessen. Die Liegeposition wird ebenfalls erfasst. Aus den so gewonnenen Daten ergibt sich ein bestimmter Index der Atemstörungen pro Stunde. Wird der kritische Wert von zehn Aussetzern überschritten, erfolgt eine Überweisung ins Schlaflabor. Dort werden weitere Parameter, wie beispielsweise die Hirnströme, gemessen.

Wie kann diese Krankheit behandelt werden?

Menschen, die ein sogenanntes „fliehendes Kinn“ haben, kann unter Umstände eine spezielle Unterkieferschiene helfen. Der Unterkiefer wird vorgeschoben, dadurch straffen sich die Muskeln ein wenig. Die Luftzufuhr kann dadurch verbessert werden. „Um die Rückenlage zu vermeiden, kann man zum Beispiel einen Tennisball in den Schlafanzug einnähen. Der verursacht ein unangenehmes Gefühl. Dadurch wird die Person wach und wird gezwungen, auf der Seite oder dem Bauch weiterzuschlafen“, sagt Ekkehard Gürtler. Wenn durch all diese „einfachen“ Maßnahmen die Atemaussetzer nicht verhindert werden können, helfen nur noch spezielle Geräte, die den Kollaps der Atemwege verhindern. Sie sind sehr geräuscharm. „Der Patient hat eine Maske auf dem Gesicht. Diese ist über einen Schlauch mit einem Gerät verbunden, das einen Überdruck erzeugt. Dieser hält die Atemwege im Rachen offen“, erklärt Schlaflabor-Leiter Thomas Michel.

Gibt es Methoden, um dem Schnarchen vorzubeugen?

Glücklicherweise ja. Bauch- und Seitenschläfer können das Risiko reduzieren. „Auf schwere Speisen, Alkohol oder Beruhigungsmittel vor dem Schlafengehen sollte verzichtet werden und wer Übergewicht hat, kann durch ein paar Kilo weniger ebenfalls eine Besserung erreichen“, erklärt Chefarzt Gürtler.

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