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Wann rollt’s wieder auf Ebersbachs Straßen ?

Baustellen ziehen sich hin, weil das Material fehlt. Das bringt ein Geschäft in die Bredouille. Doch die Kunden sind unerschrocken.

Von Romy Kühr

Die Sackkarre ist derzeit wohl das wichtigste Arbeitsgerät für Gunter Mitschke. Damit bugsiert der Inhaber der gleichnamigen Kelterei in Ebersbach die Saftkästen seiner Kunden zu deren Autos. Dieser Tage legt er dabei oft eine längere Strecke zurück. Denn mancher Kunde traut sich nicht bis ans Gebäude ranzufahren. Die Zufahrt zur Kelterei in der Hermann-Wünsche-Straße ist eine Baustelle. „Wir sind trotzdem erreichbar“, sagt Gunter Mitschke. „Zurzeit arbeiten wir aber unter erschwerten Bedingungen.“ Die gesamte Straße wird schon seit über einem Jahr saniert. Jetzt ist der letzte Abschnitt dran, der direkt vor dem Betrieb und Ladengeschäft von Mitschkes verläuft. „Das ist besonders bedauerlich, da wir ein Saisongeschäft haben und das zeitlich nun gerade zusammentrifft.“ Und möglicherweise müssen Mitschke und alle anderen Anwohner länger mit der Baustelle leben, als geplant. Der Straßenbau droht, nicht, wie geplant dieses Jahr fertig zu werden. Der Grund: Das Mischgut für den Straßenaufbau kann nicht geliefert werden. „Alles geht zurzeit in den Bau der neuen B 178“, erklärt Matthias Lachmann vom Bauamt der Stadt. Ebenfalls betroffen ist die Baustelle an der Langen Straße.

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Dabei liegt Ebersbach sozusagen direkt an der Quelle, im Ort selbst wird Material für den Straßenbau produziert. Im Ebersbacher Steinbruch, den die Firma Pro Stein betreibt, wird Lamporphyr abgebaut. Das Gestein wird zu Schotter für den Straßenunterbau verarbeitet, findet aber auch im Asphalt Verwendung. Zu den Problemen sagt Christoph Adler, der Geschäftsführer von Pro Stein: „Am Gestein liegt es nicht. Es gibt genug, wir könnten auch die doppelte Menge liefern.“ Er sieht die Engpässe eher in den Asphaltmischwerken, die aus dem Gestein das Material für den Straßenbau produzieren. Produziert wird unter anderem in Niedercunnersdorf. Michael Garte ist Betriebsleiter des Niedercunnersdorfer Asphaltmischwerkes, das zur Asphaltmischwerke Ostsachsen GmbH gehört. „Wir beliefern alle, die großen Firmen wie die kleinen“, versichert er. Allerdings könne es durchaus zu Engpässen kommen, denn das Werk habe schließlich eine begrenzte Kapazität. „Wir haben aber Ausweichmöglichkeiten in anderen Werken, die zu unserer Firma gehören.“ Und dass alles in die B-178-Baustelle geht, das will Michael Garte so auch nicht stehen lassen.

Deshalb hat Matthias Lachmann in Ebersbach die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass es doch noch vor dem ersten Schnee und Frost mit der Asphaltdecke klappt. Absehbar sei ein Liefertermin aber im Moment nicht. Wenn der Winter doch kommt, bevor der Asphalt geliefert werden kann, wird die Straße winterfest gemacht. „Es wird dann mit Mineralgemisch aufgefüllt“, sagt Lachmann, „sodass man drüber fahren kann.“ Die Straßensperrungen werden nicht den ganzen Winter über aufrechterhalten. Außerdem sorgt die Stadt mit einer neuen Regelung für Erleichterung: Sie hat für die Bauzeit die Einbahnstraße auf der Schillerstraße aufgehoben. So haben Anwohner jetzt kürzere Wege.

Während im Straßenbau Materialengpass herrscht, ist bei Mitschkes gerade Hochsaison. Die Leute bringen das wenige Obst, das sie in dieser Saison geerntet haben, tauschen es gleich in Lohnware ein und schleppen die vollen Saftkisten raus. Dabei staunt Mitschke selbst immer wieder über seine Kunden. „Es gab einige, die sind vom Körnerplatz aus zu uns gelaufen mit Säcken voll Obst oder Leergutkisten.“ Das ist nicht mehr nötig. „Wir haben jetzt eine Behelfszufahrt bekommen“, berichtet Gunter Mitschke. Trotz dieser Erleichterung hofft er auf ein schnelles Ende der Baustelle vor seiner Haustür.