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Wann zieht hier wieder Ordnung ein?

Ein vermüllter Bauernhof in Kohlwesa sorgt seit Monaten für Ärger. Die Anwohner fühlen sich mit dem Problem alleingelassen.

© Uwe Soeder

Von Madeleine Siegl-Mickisch

Klamotten hängen überm Tor, das die Zufahrt in den Hof versperrt, dahinter stehen jede Menge Eimer und andere Gefäße. Wahrlich kein schöner Anblick. Doch es ist nicht nur diese Unordnung, die Anwohner in Kohlwesa bei Hochkirch verzweifeln lässt. Seit Monaten ärgern sie sich über die Zustände auf dem großen Bauernhof in ihrem Ort. Lange Zeit stand das Anwesen weitgehend leer – bis voriges Jahr ein Mann einzog, der dort Schweine und andere Tiere hält. Dabei eilte ihm ein zweifelhafter Ruf voraus. Denn mit der Art und Weise, wie er lebt und die Tiere hält, hatte er auch in Kleinbautzen und Kleinförstchen schon für viel Ärger gesorgt.

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Nun klagen die Anlieger in Kohlwesa über Müll, Lärm und Gestank. So liegt der anfallende Mist, ehe er abgeholt wird, unweit der Straße. „Auch Ratten haben wir hier am helllichten Tag schon gesehen“, sagt Matthias Nerger, der gegenüber wohnt. Offensichtlich würden sie durch die Lebensmittel angelockt, die als Futter für die Tiere meist in Säcken auf dem Hof lagern. Mitunter büxen auch mal Schweine aus, „beim Nachbarn sind sie schon in den Hof spaziert“, erzählt Nerger. „Wir haben hier keinen Gartenzaun, sondern einen Schweineschutzzaun“, meint er mit Blick auf die Einfriedung seines Grundstücks. Das klingt witzig, doch den Anwohnern vergeht mit Blick auf die Zustände der Humor – denn sie fühlen sich alleingelassen. Niemand habe bisher helfen können.

Problem ist im Veterinäramt bekannt

Hochkirchs Bürgermeister Norbert Wolf (CDU) äußert Verständnis für die Sorgen der Anwohner, sagt aber: „Als Gemeinde sind uns die Hände gebunden.“ Hinweise könne er nur an die zuständigen Behörden beim Landkreis weiterleiten. Dort ist das Problem längst bekannt und nicht nur das Veterinäramt bezüglich der Tierhaltung mit dem Fall befasst. So hatte Matthias Nerger im Juni die Auswertung einer Wasserprobe ans Umweltamt geschickt, um darauf hinzuweisen, dass von dem Hof offensichtlich stark mit organischen Stoffen belastetes Abwasser in einen Graben läuft. Er vermutete Gülle beziehungsweise den abgelagerten Mist als Ursache. Doch aus dem Umweltamt hieß es, die festgestellten Werte würden eher auf eine nicht ordnungsgemäße Entsorgung von häuslichem Abwasser hindeuten.

Dieser Vermutung sollte auch bei einem Ortstermin im August nachgegangen werden. Laut Landkreis-Sprecher Gernot Schweitzer habe sich die genaue Herkunft des Abwassers jedoch nicht sicher belegen lassen. Derzeit laufe eine Anhörung des Hofeigentümers, denn für die ordnungsgemäße Entsorgung des Abwassers von dem Grundstück sei er als Vermieter verantwortlich. Bis Ende September solle er sich nun dazu äußern. Bisher habe man ihm gegenüber von ordnungsrechtlichen Maßnahmen abgesehen, so Schweitzer, denn es sei bekannt, dass er „seinem Mieter gekündigt hat und mittlerweile die Zwangsräumung betreibt“.

Diesen Sachstand kennt auch Bürgermeister Wolf. Allerdings habe sich der Vermieter, der wohl einer Arbeit im Ausland nachgeht, seit geraumer Zeit nicht mehr gemeldet. Daher wisse er derzeit nichts zum aktuellen Stand der Zwangsräumung. „Alle verweisen immer nur auf die Räumungsklage“, sagt Matthias Nerger. Er beklagt, dass sich ansonsten nichts tut. So habe er auf seinen Hinweis zum Abwasserproblem erst auf eigene telefonische Nachfrage eine Rückmeldung bekommen.

Alle Beteiligten an einen Tisch

„Wir versuchen alles, um im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten eine Verbesserung der Situation im Sinne der Anwohner zu erreichen“, versichert hingegen Gernot Schweitzer. „Aber so einfach ist das eben nicht.“ Zwar sei die Bewirtschaftungsweise auf dem Hof „unzweifelhaft eine Belästigung für Anwohner. Das bedeutet aber noch nicht, dass sie auch rechtswidrig ist.“ Oder es stehe eben der Vermieter in der Pflicht. Dennoch sollen, um über mögliche Maßnahmen zu beraten, alle im Landratsamt mit der Angelegenheit befassten Stellen an einen Tisch kommen. Termin dafür ist voraussichtlich Anfang Oktober.