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War der Protest gegen Raser umsonst?

Monatelang haben Anwohner, Gemeinde und Kreis sich mit der Verkehrsbelastung auf der Hauptstraße befasst. Die Ergebnisse sind ernüchternd.

Mit diesem Bauwagen fing alles an: Der Schönauer Ronny Leyer wollte damit im Frühjahr Raser zum Abbremsen zwingen.
Mit diesem Bauwagen fing alles an: Der Schönauer Ronny Leyer wollte damit im Frühjahr Raser zum Abbremsen zwingen. © privat

Ronny Leyer macht aus seinem Herzen keine Mördergrube: "Dann war das doch ein Schuss in den Ofen", empörte sich der Schönau-Berzdorfer kürzlich in der Schönau-Berzdorfer Gemeinderatssitzung. Leyer hatte vor einigen Monaten am Rand der Schönauer Hauptstraße einen Bauanhänger geparkt, um Fahrer großer und kleiner Fahrzeuge zu zwingen, sich an die Geschwindigkeit zu halten. Ausschlaggebend für seinen Ärger war der Bericht von Schönau-Berzdorfs Bürgermeister Christian Hänel (parteilos) zum Stand der Dinge. Und der sah ernüchternd aus. 

Demnach wird es im Dorf weder einen stationären Blitzer geben, noch häufigere Blitzer-Kontrollen durch Kreis oder Polizei, noch ein Tempo-30-Schild am Rundteil - höchstens eine Smiley-Tafel, die Rasern ein böses Gesicht zeigt, sei im Bereich des möglichen. Wenn das Geld da ist. An mangelndem Engagement von Gemeinderat und Bürgermeister hat das magere Ergebnis nicht gelegen - eher an den äußeren Rahmenbedingungen.

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Dass die 30-Zone an der Auffahrt zum Hutberg und damit zu Kita und Schule nicht kommt, hat auch Bürgermeister Hänel überrascht. Gab es doch im Vorfeld Anzeichen, dass dieser Vorstoß Erfolg haben könnte, weil der Freistaat vor Kitas und Schulen das Ausbremsen der Autofahrer schon vor einer Weile erleichtert hat. Aber: "Dann hätten Schule oder Kita direkt an der Straße liegen müssen, nicht nur die Bushaltestelle", erklärt Hänel sichtlich zerknirscht. Ein Unfallschwerpunkt, wo in wenigen Jahren mehrfach gleichartige Unfälle geschehen sind, ist dieser Abschnitt ebenfalls nicht, sodass sich auch der klassische Weg zur Temporeduzierung nicht anbietet. "Möglich ist lediglich, ein Zeichen aufzustellen, dass ein erhöhtes Fußgängeraufkommen aufzeigt", erklärte Hänel das Ergebnis der Verkehrsschau mit Kreis und Polizei.

Kreis und Polizei sind auch an anderer Stelle involviert - wenn es um den Wunsch der Schönauer geht, häufiger auf der Straße zu blitzen. Viermal - so berichten Gemeinderäte - sei in den vergangenen Monaten die Geschwindigkeit gemessen worden. Ronny Leyer wünscht sich jedoch häufigere Messungen, weil das die Schnellfahrer disziplinieren und den Geräuschpegel für die Anwohner erträglicher machen könnte. Doch da sieht Hänel wenig Chancen: "Dazu ist auf der Straße zu wenig Verkehr", sagt der Bürgermeister. Und auch bei der Frage nach einem festen Blitzer sieht er derzeit keine Chance: zu teuer für die Gemeinde, die sich mit mindestens 4.000 Euro beteiligen müsste, um die Messschleifen in die Straße einzufräsen.

Die letzte Option - die vom Kreis geliehene Smiley-Tafel - ist derzeit noch in Betrieb. "Demnächst wechselt sie für drei Wochen an den dritten Standort im Dorf - nach Oberschönau - und danach gibt es eine Auswertung", erklärt Christian Hänel. Denn diese Tafeln messen und speichern anonym die Geschwindigkeiten, die gefahren werden. Ob sich die Gemeinde selbst eine solche Tafel anschaffen sollte, um einen dauerhaften Effekt zu erhalten, ist allerdings umstritten: "Die Tafel hat einige animiert, zu schauen, wie viel sie anzeigt", argumentiert Gemeinderat Matthias Fiebig. Anwohner Ronny Leyer sieht dennoch - auch langfristig - einen regulierenden Effekt bei den Autofahrern. Gemeinderätin Karin Wünsche bestätigte als direkte Anwohnerin aus ihrer Sicht, dass derzeit der Verkehr insgesamt ruhiger und langsamer läuft.

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Sich vorwerfen zu lassen, nicht genug getan zu haben, das lehnt Gemeinderat Gerd Fünfstück mit Blick auf die Kritik von Ronny Leyer aber ab. Dass die Mühen am Ende wenig Früchte tragen, sei deshalb umso bedauerlicher. Bürgermeister Hänel betont außerdem, dass ja auch an der Straße mit großräumigen Reparaturen versucht werden, die Lärmbelastung zu reduzieren. Natürlich wäre eine Sanierung besser - aber die ist noch nicht in Sicht.

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