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Warnstreik überrascht Pendler

Weil Bahner das Stellwerk in Reick blockieren, müssen rund 200 Reisende warten. An anderer Stelle werden die Streikenden aber ausgetrickst.

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Von Tobias Winzer

Der bundesweite Warnstreik von Bahn-Beschäftigten hat gestern früh auch für Verspätungen am Dresdner Hauptbahnhof gesorgt. Der Intercity nach Berlin konnte erst 20 Minuten später abfahren. Ebenfalls betroffen war der Zug nach Prag. „Im Stellwerk in Reick haben etwa 40 Kollegen ihre Arbeit niedergelegt“, sagte Volker Linke von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) in Dresden. Beteiligt hätten sich Mitarbeiter der dortigen Werkstatt, des Stellwerks sowie Servicepersonal. Sie blockierten zwischen sechs und sieben Uhr ausfahrende Züge.

Die Gewerkschaft war mit der Forderung nach 6,5 Prozent mehr Geld für ein Jahr in die laufenden Tarifverhandlungen gegangen. Die Deutsche Bahn hat in einem ersten Schritt 2,4 Prozent mehr Geld in diesem und weitere zwei Prozent im nächsten Jahr sowie eine Einmalzahlung von 400 Euro angeboten. Das Unternehmen kritisiert den Warnstreik. Dieser sei unverhältnismäßig. Auf dem Tisch liege ein „vernünftiges Angebot“.

Betroffen vom gestrigen Warnstreik waren vor allem rund 200 Reisende, die am Morgen von Dresden nach Berlin wollten und vom Streik überrascht wurden. „Ich habe davon am Samstag im Radio gehört“, sagte Enrico Klengler-Kiss, der beruflich nach Berlin musste „Ich dachte aber, dass nur der Nahverkehr betroffen ist.“ Für die Ziele der Gewerkschaft hat er zwar Verständnis, für die Verspätungen aber nicht. „Ich zahle fast hundert Euro für mein Zugticket. Da finde ich das eine Frechheit.“ Seinen Termin musste er nach hinten verschieben. Entspannter nahm Susanne Lüdke die Folgen des Warnstreiks hin. „Ich habe Verständnis für den Streik – auch wenn es ärgerlich ist, wenn man selbst betroffen ist“, sagte sie.

Gewerkschaftsmann Volker Linke warb bei den Reisenden um Verständnis für die Arbeitsniederlegung. Er kritisiert vor allem, dass für Service- und Sicherheitspersonal von vornherein nur etwa die Hälfte des zu verhandelnden Lohnzuschlags gelten soll. Weitere Warnstreiks sind laut Gewerkschaft aber erst einmal nicht geplant. Die Verhandlungen mit der Deutschen Bahn, die gestern Abend begonnen haben, werden heute fortgesetzt. (mit dpa)