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Warnstreik vorm Rathaus

Bildung. Mit einem zweistündigen Warnstreikprotestieren Radebeuler Lehrer und Schüler gegen geplante Kürzungen der Pädagogen-Arbeitszeit.

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Von Peter Redlich

Wir sind doch keine Sparschweine“, hat Raphael Yackley auf seinem Plakat stehen. Sein Lößnitzgymnasium, wo er in die fünfte Klasse geht, ist mit wieder gestiegenen Schüleranmeldungen gerade um eine in Zukunft drohende Schließung herumgekommen. Trotzdem, so ist er sich mit Klassenkameradin Melanie Schmidt einig: „Wir denken, wenn die Lehrer weniger arbeiten dürfen, kommt es bestimmt zu Ausfällen bei Arbeitsgemeinschaften und im Unterricht.“

Zwar solle die Teilzeit durch eine größere Lehrerzahl ausgeglichen werden, aber das bringe durch die vielen Wechsel sehr viel Unruhe in die Schulen, sagt Constanze Haubold, die Kreiselternsprecherin für Mittelschulen. „Ich will ordentliche Bildung, auch für meine zwei Kinder“, sagt sie und reiht sich in den Warnstreik von gut 150 Lehrern und Schülern vorm Radebeuler Rathaus ein. Nach der Erkenntnis von Constanze Haubold würden bei der sachsenweiten Berechnung von Lehrerzahlen viele mitgerechnet, die in Ministerien und Regionalschulämtern tätig seien, aber gar keinen Unterricht geben. „Dann wird noch mehr Unterricht ausfallen“, das will ich nicht.

Radebeul ist vom Thema Schulschließung noch nicht betroffen. Oberbürgermeister Bert Wendsche nannte erst kürzlich wieder steigende Schülerzahlen, spätestens ab 2007/2008. Und dennoch machen sich die Pädagogen, etwa an der Mittelschule Kötzschenbroda, Sorgen, weil hier mangels Anmeldungen fünfte und siebente Klassen dieses Jahr nicht gebildet werden dürfen. „Was wir hier aufgebaut haben, geht mit den beabsichtigten Kürzungen wieder den Bach runter. Eine Verkürzung der Arbeitszeit auf 80 Prozent, damit sind wir noch einverstanden, mehr aber nicht“, sagen ein Lehrer und eine Lehrerin von der Kötzschenbrodaer Mittelschule, die zwar aufgebracht sind, aber nicht genannt sein wollen.

„Die Wut ist sehr groß“

„Die Wut ist sehr groß, wenn Lehrer ohne Aufforderung von uns protestieren und Schüler, statt auszuschlafen, frühmorgens mit Plakaten mit beim Warnstreik sind“, sagt Uschi Kruse, Vizevorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Sachsen. Von den Rathaustreppen herab schlägt sie vor, im Kultusministerium eine zeitlang die verantwortlichen Mitarbeiter in der Arbeitszeit um 40 Prozent zu reduzieren und ihnen in dieser Zeit Nachhilfeunterricht zur Bildungssituation in Sachsen zu geben. Dafür erntet die energische Frau Beifall, auch von Uwe Schwark. Der Schüler von der Mittelschule Oberlößnitz befürchtet, dass die Bildung insgesamt leidet. Und wer wolle denn dann noch Lehrer werden, wenn das nur ein Teilzeitjob mit geringer Bezahlung ist.

Eigentlich sollte die Aktion auf dem Hof vom Pestalozzischulhaus stattfinden, welches zum Lößnitzgymnasium gehört. Doch der gegenüberliegende Rathausvorplatz ist nicht nur prominenter sondern liegt morgens 7 Uhr auch in der Sonne. Kultur- und Schulamtsleiter Dieter Schubert, der sich die Aktion mit etwas Abstand betrachtet, sieht in dem Ort Radebeuler Rathaus jedoch nicht den richtigen: „Wir sind die falsche Adresse, um zu protestieren. Wir haben mit den Lehrern eine gemeinsame Position. Gute Bildung hat in Radebeul Vorrang.“

Während die Aktion in der Kleinstadt am Rande Dresdens läuft, zeigt sich Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) hart und droht mit Entlassungen, falls nicht auf die Forderungen auf Teilzeitarbeit eingegangen werde. Darauf wolle man mit dem Aufruf zu einem landesweiten Warnstreik antworten, kündigt Uschi Kruse, die Gewerkschafterin an.