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Meißen

Nossen: Wartehäuschen ersetzt Twingo

Ein Twingo als Haltestelle: Weil die Stadt Nossen kein Geld für einen Unterstand hatte, sorgte die Lösung von Anwohnern für Aufsehen. Jetzt gibt es Hilfe aus NRW.

Grund zum Feiern für die Einwohner von Badersen: Statt des Twingos von Nadine Machner (links) steht nun ein Wartehäuschen am Abzweig Badersen/Dobschütz zwischen Perba und Praterschütz in Nossen. Eine Firma hat es gespendet.
Grund zum Feiern für die Einwohner von Badersen: Statt des Twingos von Nadine Machner (links) steht nun ein Wartehäuschen am Abzweig Badersen/Dobschütz zwischen Perba und Praterschütz in Nossen. Eine Firma hat es gespendet. © privat

Nossen. Klein, aber fein – und vor allem Schutz bietend. So kann man die neue Errungenschaft beschreiben. Die Einwohner des Nossener Ortsteils Badersen sind überglücklich. Nach Jahren des Kampfes steht ein neues Wartehäuschen an der Bushaltestelle zwischen Perba und Praterschütz. Am Abzweig Badersen/Dobschütz hat die Firma WSM – Walter Solbach Metallbau aus Nordrhein-Westfalen den Bürgern einen neuen Unterstand gespendet. Darauf aufmerksam wurde sie durch die Reportage eines privaten Fernsehsenders.

Nachdem Nadine Machner und ihr Mann Alexander Karthe mit ihrem Wunsch auf einen Unterstand zum Schutz der Kinder kein Gehör bei der Stadt Nossen fanden, stellten sie in Absprache mit dem Grundstückseigentümer einen Twingo an den Straßenrand – beklebt mit reflektierendem Material. Denn an dieser Kreuzung ist man nicht nur ungeschützt dem Wetter ausgesetzt, vor allem ist es gefährlich für die Kinder, erklärt Nadine Machner.

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Ein Twingo mit dem Nummernschild "Wartezone"

Denn die Haltestelle befindet sich direkt an der Straße, wo die Fahrzeuge mit 100 Kilometer pro Stunde vorbeifahren dürfen. Sie ist der Zubringer zur Autobahn und Bundesstraße. Und im Winter ist es dort stockfinster. „Es gibt keine Straßenbeleuchtung“, erklärt die Initiatorin. 

Deshalb soll ihr Sohn auch eine Warnweste tragen – auch wenn er das nicht gerade cool findet, sagt sie –, damit er in der Dunkelheit gesehen wird. Zudem ist es an dieser Stelle nicht nur ein wenig windig, es pfeift richtig, erklärt sie die Situation vor Ort. „Zum Schutz verstecken sich die Kinder dann manchmal hinter den Bäumen, die dort stehen. Aber dann kann es passieren, dass der Busfahrer sie übersieht und weiterfährt.“

Mit ihrer Aktion, einen Twingo mit dem ungewöhnlichen Nummernschild „Wartezone“ am Straßenrand als Ersatz für ein Haltestellenhäuschen abzustellen, hatten die Einwohner in verschiedenen Medien für große Aufmerksamkeit gesorgt. „Das war aber gar nicht meine Absicht, ich wollte einfach nur etwas zum Schutz der Kinder unternehmen“, sagt Nadine Machner. 

Bis 2015 gab es an dieser Stelle ein Wartehaus, das wegen zu starker Beschädigung abgerissen werden musste. Ersatz wurde nicht geschaffen, da die Haltestelle nur wenige Fahrgäste nutzten. Eine bei der Stadt eingebrachte Petition für einen neuen Unterstand führte nicht zum Erfolg.

Kritik: Es wird zu wenig gegen Landflucht getan

Nadine Machner kritisiert, dass so wenig gegen die Landflucht getan werde. Zwar werde immer davon geredet, die Lommatzscher Pflege attraktiv zu gestalten, aber am Ende passiere nichts. Besonders ärgerlich findet sie, dass die Stadt auf Schreiben gleich gar nicht antwortet – wie eben auch bei ihrem Anliegen mit dem Wartehäuschen.

 Klar nutzen derzeit nur drei Kinder und zwei ältere Damen den Bus an dieser Stelle, aber man müsse auch in die Zukunft schauen, sagt sie. Denn langfristig sei an dieser Haltestelle mit etwa 13 Fahrgästen zu rechnen. Und überhaupt, wenn es um die Sicherheit der Kinder geht, dann sei auch schon eins wichtig, sagt sie.

Der Unterstand mit dem Namen Modell Köln bietet nun den nötigen Schutz. Er bessert damit zugleich die Statistik zur Haltestellenanzahl in der Kommune auf. Die Unabhängige Bürgerliste UBL ist seit Längerem bemüht, die Situation im ländlichen Bereich zu verbessern.

Rico Weser (UBL) spricht dabei von einer desolaten Situation der ÖPNV-Haltestellen, insbesondere für den Schülerverkehr. Inzwischen haben nach Aufforderung der UBL die Stadträte eine Zusammenstellung der Bushaltestellen und vorhandenen Unterstände von der Verwaltung erhalten. Demnach gibt es in der Kommune Nossen 113 Bushaltestellen. 56 davon haben keinen Fahrgastunterstand. 

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Die gelieferten Zahlen stammen dabei aus dem Jahr 2017. Zudem habe die VGM den Haltestellen Prioritäten bezüglich nötiger Unterstände zugeteilt. Diese richten sich allerdings nach der Anzahl der Fahrgäste. Und danach war ein Häuschen am Abzweig Badersen/Dobschütz nicht dringend erforderlich.

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