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Görlitz

Warteliste für Häuslebauer

Mehr Nachfrage als Angebot in Görlitz: Ein neuer Preisspiegel spricht von sechs Prozent Preissteigerung in einem Jahr.

Der Blick von der Landeskrone zeigte es schon vor sieben Jahren: In Biesnitz sind immer mehr Einfamilienhäuser entstanden.
Der Blick von der Landeskrone zeigte es schon vor sieben Jahren: In Biesnitz sind immer mehr Einfamilienhäuser entstanden. © Archivfoto: Nikolai Schmidt

Ein Einfamilienhaus in Görlitz kaufen? Michael Schiemenz vom gleichnamigen Görlitzer Immobilienbüro muss passen: „Ich bin im Moment leer gekauft, habe kein einziges mehr im Angebot“, sagt er. Das, womit er noch dienen kann, sind Baugrundstücke am Auenblick in Ludwigsdorf. Aber auch dort müssen sich Kunden nun beeilen: Zehn von 14 Parzellen sind weg, nur noch vier zu haben – zu einem Preis von 64 Euro je Quadratmeter. Recht günstig, findet Schiemenz: „In Biesnitz reichen die Preise mittlerweile bis 120 Euro je Quadratmeter.“ Und es wird immer mehr.

Letzteres bestätigt auch der aktuelle Preisüberblick „Markt für Wohnimmobilien“, den die Landesbausparkasse (LBS) jetzt veröffentlicht hat. „Im Vergleich zum Vorjahr sind die Preise um sechs Prozent gestiegen“, erklärt LBS-Gebietsleiterin Silvia Pawelczyk, die an der aktuellen Marktstudie mitgewirkt hat. Schiemenz sagt, die Zahl könnte hinkommen – allerdings nicht nur für das Vorjahr, sondern für jedes der vergangenen drei Jahre, sodass sich die Steigerung auf 18 Prozent binnen drei Jahren summieren könnte. „Statistisch kann ich das aber nicht belegen“, sagt Schiemenz. Nach Angaben der LBS schwanken die Preise für Bauland in Görlitz zwischen 50 und 130 Euro pro Quadratmeter – je nach Lage. Die Preise für gebrauchte Eigenheime liegen bei 120.000 bis 300.000 Euro. Hier kommt es neben der Lage auch auf Größe, Alter und Zustand an. Günstiger sind der LBS zufolge gebrauchte Reihenhäuser mit 70.000 bis 180.000 Euro.

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Die LBS ist nicht die Einzige, die sich mit Preisentwicklungen befasst. Der Immobilienverband Deutschland (IVD) bringt jedes Jahr einen Preisspiegel für Sachsen und Sachsen-Anhalt heraus. Für 2018/19 listet er den Kaufpreis eines Einfamilienhauses mit mittlerem Wohnwert mit 190.000 Euro. „Mittlerer Wohnwert“ bedeutet in diesem Fall: Ein Haus mit 125 Quadratmetern Wohnfläche, das in Bausubstanz und Ausstattung einem durchschnittlichen Standard entspricht und sich im allgemeinen Wohngebiet befindet. Auch hier sind die Preise rapide gestiegen: Noch im Jahr 2014 kostete das 125-Quadratmeter-Durchschnittshaus in Görlitz laut IVD gerade mal 120 000 Euro. Das entspricht einer Preissteigerung von mehr als 50 Prozent binnen fünf Jahren. Ganz so drastisch erlebt es Schiemenz nicht: „Aber dass Häuser in den vergangenen fünf Jahren um 20 000 bis 40 000 Euro teurer geworden sind, würde ich schon sagen.“

Einen Preisanstieg bestätigt auch Andrea Vater von Mondry Immobilien. Sie spricht von knapp drei Prozent im Jahr – und das schon seit Jahren. „Aber aufgrund der Kaufkraft hat das auch seine Grenzen“, sagt sie. Wo die Grenzen liegen, hänge von Größe, Lage und Ausstattung ab. Aber 320 000 Euro seien für ein Einfamilienhaus in Görlitz wohl die Obergrenze. Im Gegensatz zu Schiemenz ist sie nicht völlig leer gekauft: „Es kommt immer mal ein Haus auf den Markt.“ Viele davon schaffen es aber gar nicht auf die Internetseite von Mondry Immobilien: „Wir haben Kunden auf der Warteliste, manche seit Jahren.“

© Tabelle: SZ

Der städtische Großvermieter Kommwohnen verkauft keine Einfamilienhäuser, aber ab und an zumindest Bauland. „Da erlebe ich keine großen Preissteigerungen“, sagt Kommwohnen-Chef Arne Myckert. Aktuell hat er zwei Parzellen im Angebot. 965 Quadratmeter an der Johanna-Dreyer-Straße in der Südstadt kosten 75 000 Euro, das entspricht 78 Euro pro Quadratmeter. 816 Quadratmeter an der Johannes-R.-Becher-Straße in Weinhübel liegen nur bei 40 800 Euro, also 50 Euro je Quadratmeter. „Die Nachfrage nach beiden Grundstücken ist bisher nicht riesig“, sagt Myckert. Allerdings könnte es daran liegen, dass die Angebote nur auf der Kommwohnen-Internetseite zu finden sind und nicht auf anderen Portalen. An der Johannes-R.-Becher-Straße will Kommwohnen in den nächsten Jahren sogar sieben Parzellen verkaufen – allerdings nur nacheinander, nicht gleichzeitig. Der Hintergrund: Myckert will sichergehen, dass dort tatsächlich Einfamilienhäuser entstehen und kein großes Mehrfamilienhaus, das mehrere Parzellen einnimmt.

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Doch wenn die Nachfrage so groß und der Preis recht günstig ist, warum hat Schiemenz dann in Ludwigsdorf nach anderthalb Jahren noch immer vier Parzellen frei? „Es ist die Lage“, sagt er. Nicht jeder möchte ländlich leben. Und: In Ludwigsdorf fährt der Bus in die Stadt viel seltener als die Straßenbahn von Biesnitz aus: „Deshalb bezahlen viele Leute lieber mehr Geld, um in Biesnitz zu leben.“

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