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Warten auf den Wein

Das Weingut Schloss Proschwitz hat ein schweres Jahr hinter sich. Viel bringt der Jahrgang 2013 nicht – aber gut soll er sein.

Von Christoph Scharf

Prüfend nimmt Jacques du Preez eine Rebe nach der anderen in die Hand. Was wird der kommende Jahrgang bringen? Das weiß jetzt im Frühling noch nicht mal der Kellermeister auf Schloss Proschwitz. Dafür hat der Südafrikaner schon die ersten Weine des Jahrgangs 2013 probiert – und ist voller Optimismus.

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Der Wein: So wird der Jahrgang 2013 von Schloss Proschwitz

„Ein einfaches Jahr war es nicht“, sagt Jacques du Preez. „Aber aus solchen Jahrgängen entstehen manchmal sehr komplexe und interessante Weine.“ Der 2013er verspricht, sehr fruchtig zu werden, mit einer schönen Säure und Mineralität. „Das werden richtig ehrliche Weine.“ So lobt auch das Fachmagazin Vinum den 2013er Elbling für sein „animierendes Bouquet“ und vergibt 16 von 20 Punkten für ein „leichtes Trinkvergnügen“.

Auf die Qualität lässt auch Eigentümer Georg Prinz zur Lippe nichts kommen. Anders sieht es bei der Quantität aus. „Wir waren entsetzt, als es 2013 einfach nicht grün werden wollte. Da war schnell klar, dass es nur eine kleine Ernte wird.“ Zumal auf den späten Start ein mieser Sommer folgte: Im Juni schädigte tagelanger Regen die Weinberge. Und im September setzte dann schon wieder sehr früh der Frost ein. „Es waren außergewöhnliche Klippen, die wir 2013 umschiffen mussten“, sagt Weinbauchef Walter Beck. Aber Kummer sind die Proschwitzer mittlerweile gewohnt: Die vergangenen fünf Jahre waren immer wieder von Frost oder Hagel gekennzeichnet.

Die Ableger: Weimar bringt ein dickes Plus, bleibt aber eine Herausforderung

Je weniger die Weinberge im Elbtal trugen, umso mehr lieferte das Tochter-Weingut in Thüringen: 200 000 Kilogramm Trauben wurden nach Meißen geschafft, um im drei Millionen Euro teuren neuen Keller in Ockrilla verarbeitet zu werden. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Ertrag“, sagt Björn Probst, Betriebsleiter in Weimar. Ob Grauburgunder, Müller-Thurgau oder Sauvignon Blanc: Alles wurde mit der Hand gelesen und palettenweise transportiert. Auch was die Qualität angeht, ist Probst zuversichtlich. „Für den 2012er-Jahrgang haben wir jedenfalls kürzlich sehr gute Prämierungen bekommen.“

Ein Problem allerdings bleibt: Durch den anhaltenden Rechtsstreit um die Ordensburg Liebstedt ist noch immer völlig unklar, wann dort eine eigene Kellerei eingerichtet werden kann. Transport und Verarbeitung in Meißen verlangen aber von der Mannschaft des Unternehmens alles ab. Dennoch hält Prinz zur Lippe am Doppelstandort fest. „Mit Meißen und Weimar wollen wir immer stärker das Gesicht des Ostens beim Weinanbau sein!“

Der Absatz: Export nach Asien soll für stabilen Verkauf sorgen

Am Sonntag lud das Weingut Schloss Proschwitz zum ersten Mal zur Weinmesse für Privatkunden ein – mit beeindruckender Resonanz. Mehr als 300 Besucher kamen. Besonders erfreulich: Es waren auch mehrere Chinesen aus Tsingtao darunter. „Die kannten unseren Wein und wollten sich anschauen, wo der herkommt.“ Solche Kontakte wünscht sich der Prinz noch häufiger. Denn er arbeitet daran, den Exportanteil des Proschwitzer Weins zu steigern. Aktuell gehen fünf Prozent ins Ausland. „Wir haben nun eine Mitarbeiterin, die sich schwerpunktmäßig um das Thema kümmert.“ Denn spätestens bei der Flut 2013 war zu bemerken, dass die starke regionale Verankerung auch ihre Kehrseite hat: Durch das Hochwasser fielen auf einen Schlag 438 Gastronomiebetriebe als Kunden aus – und damit mehr als eine halbe Million Euro Umsatz. Manch Restaurant in der Sächsischen Schweiz geht erst jetzt – zehn Monate später – an den Start.

Als wichtigster Exportmarkt für Schloss Proschwitz gilt Asien. Auch die Belieferung von Kreuzfahrtschiffen spielt eine Rolle – laut Prinz zu Lippe ein wichtiges Aushängeschild für die Region.

Die Marke: Proschwitz schützt sich gegen Kopie aus Italien

Was gut ist, wird kopiert. So betrachtet ist es ein Lob, dass sich das Weingut Schloss Proschwitz jetzt juristisch mit dem Unternehmen Segafredo auseinandersetzen musste. Der Branchenriese hatte in Italien einen Pinot grigio auf den Markt gebracht, der mit seinem Logo aus roter Krone und roter Rose dem Proschwitzer ziemlich ähnlich sah. Von einem freundlichen Schreiben ließen sich die Italiener nicht beeindrucken, erst mussten Anwälte tätig werden. „Zum Glück hatten wir unser Markenzeichen europaweit schützen lassen“, sagt Prinz zur Lippe. In Meißen hat man bei dem Thema ja bereits Erfahrung.

Die Pläne: Brigadehäuschen wird zur Straußenwirtschaft

Weinliebhaber aus der Region werden sich auf eine andere Neuerung freuen: Am 1. Mai will Schloss Proschwitz einen alten Plan verwirklichen und mit einem Rosé-Fest eine eigene Besenwirtschaft eröffnen. Das frühere Brigadehäuschen hoch über dem Elbtal bietet einen traumhaften Blick und soll anschließend stets Freitag, Sonnabend und Sonntag ab 11 Uhr geöffnet sein. Im Angebot: Flammkuchen, Käse, Oliven, Kaffee – und natürlich ganz viel Wein.