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Warten auf die nächste Flut

Bei einer Diskussion um Hochwasser in der Region dreht sich manches im Kreis. Etwa, wenn es um den Pegel geht.

Von Anna Hoben

Landkreis. Nach reichlich einer halben Stunde sagt der Mann von der Landestalsperrenverwaltung einen Satz, der sich festhakt: „Es darf nicht dazu kommen, dass das nächste Hochwasser schneller da ist, als wir mit Diskutieren fertig sind.“ Eckehard Bielitz ist bei der Landesbehörde für das Obere Elbtal zuständig, und das Diskutieren an diesem Abend heißt für ihn vor allen Dingen, dass er sich verteidigen muss.

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„Warten auf die nächste Flut?“, so lautet der Titel der Veranstaltung in der Evangelischen Akademie Meißen, eingeladen hat die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung. Auf dem Podium sitzen der Meißner Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos), Eckehard Bielitz, Matthias Heigl von Meissen Fernsehen und der Kreisbrandmeister Ingo Nestler. Darüber, dass die Menschen im vergangenen Jahr viel besser vorbereitet waren als 2002, sind sich zunächst alle einig. Aber: „An einigen Stellen gab es 2013 noch Konfliktpotenzial“, sagt Raschke auf Nachfrage der Moderatorin Kathleen Nagler. Dass beispielsweise bestimmte Stromanschlüsse verlegt werden müssten und manche Baumaterialien im Risikogebiet besser nicht verwendet würden, sei jetzt auch beim Letzten angekommen.

Die Kritik, dass die Flutmauer zu niedrig gebaut worden sei, kann er indes nicht nachvollziehen. „Eine höhere Mauer ist sicher umsetzbar“, sagt Raschke, „aber wollten wir das, gar nichts mehr von den Elbauen zu sehen?“ Für eine entsprechende Wirkung müsste die Mauer nämlich von Dresden bis Zehren zweieinhalb Meter höher werden. Eckehard Bielitz von der Landestalsperrenverwaltung pflichtet dem Oberbürgermeister bei: „Es ist nicht möglich, an jeder Stelle Hochwasserschutz zu installieren.“ Der Idee, in Meißen die Nassau zu fluten, erteilt er eine Absage. „Erstens müssten die Anwohner weg, und zweitens müsste die Elbe sehr hoch sein, damit überhaupt Wasser in die Nassau läuft.“

Matthias Heigl – er wohnt selbst im Risikogebiet – spricht das Pegel-Problem an. Nach wie vor sei unklar, wie der für Meißen berechnet werden muss. Einfach 50 Zentimeter auf Dresden drauf, sagt Bielitz. Das stimmt aber nicht überall, sagt Raschke. Er habe im Juli dem Ministerium geschrieben, dass er einen Pegel für Meißen wolle. Die Antwort: Nicht nötig, es gebe ja einen für Dresden und Riesa. Daraufhin fragt Bielitz: Was soll der Bürger überhaupt mit den Pegelzahlen anfangen können? So dreht sich die Diskussion im Kreis.

Ein Besucher will wissen, ob es nicht möglich wäre, die Triebisch umzuleiten. „Wo soll sie denn hin?“, fragt Bielitz zurück. Und Raschke fügt hinzu: „Wenn es eine Staumauer gäbe, um die Triebisch zu stauen – erklären Sie mal den Robschützern, warum die dann absaufen.“ Viel wichtiger, damit ein Gewässer Hochwasser abführen kann, so Bielitz, sei eine gute Gewässerunterhaltung. Das werde aber immer schwieriger. Die Elbwiesen, erläutert Raschke, seien etwa fast überall Landschaftsschutzgebiet. „Da darf nur einmal im Jahr gemäht werden.“

Ein Problem ist laut Bielitz auch, dass es in der Bevölkerung immer weniger Akzeptanz für Hochwasserschutz gebe – obwohl die Gefahr jedem klar sein sollte. Immerhin: „Es gibt inzwischen nicht mehr nur Bürgerinitiativen, die Maßnahmen verhindern wollen, sondern auch solche, die für Hochwasserschutz eintreten.“

So wie die Bürgerinitiative (BI) Hochwasser Nünchritz 2013, von der an diesem Abend Vertreter im Publikum sitzen. Sie fordern mehr Taten von der Politik: „Wäre der Wildwuchs entfernt worden, dann wäre Nünchritz nicht übergelaufen“, sagt Reinhard Neumann von der BI. Die Initiative ist selbst aktiv geworden: Bald soll es in Nünchritz eine Freiwillige Wasserwehr geben. Neumann, ein diplomierter Physiker, hat außerdem Berechnungen angestellt. Danach wüchsen die Elbauen durch Mulch um vier Zentimeter pro Jahr. Der Mann von der Talsperrenverwaltung sagt erst einmal nichts. Vielleicht würde er gern entgegnen, was er zuvor schon gesagt hat: „Man sollte nicht erwarten, dass man mit Modellen die Natur eins zu eins abbilden kann.“