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Warten auf die Trendwende

Berlin. Die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer sehen trotz eines überraschend hohen Auftragseingangs im vergangenen Monat weiterhin keine Zeichen für eine Trendwende. Der Branchenverband VDMA senkte seine Produktionsprognose für das laufende Jahr gestern in Berlin auf minus zwei Prozent.

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Berlin. Die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer sehen trotz eines überraschend hohen Auftragseingangs im vergangenen Monat weiterhin keine Zeichen für eine Trendwende. Der Branchenverband VDMA senkte seine Produktionsprognose für das laufende Jahr gestern in Berlin auf minus zwei Prozent. Bislang war der Verband davon ausgegangen, das Ergebnis des Vorjahres in etwa halten zu können. Zugleich fürchtet die Branche, dass in den nächsten Monaten nochmals 10 000 Stellen verloren gehen. Bislang fielen in der Schlüsselindustrie in diesem Jahr bereits 20 000 Arbeitsplätze weg.

Zur Überraschung der Branche gingen im Juli rund zehn Prozent mehr Bestellungen ein als ein Jahr zuvor. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) begründete dies allerdings mit einer Reihe von Sonderfaktoren wie den unterschiedlich liegenden Sommerferien sowie einigen Großaufträgen. Im weniger schwankungsanfälligen Drei-Monats-Vergleich ergab sich weiterhin ein Minus von einem Prozent. Der Umsatz blieb in der ersten Jahreshälfte mit 62,1 Milliarden Euro um zwei Prozent hinter den Vorjahreszahlen zurück.

Trotz der positiven Entwicklung im Juli könne von einem Aufschwung weiterhin keine Rede sein, sagte Diether Klingelnberg. „Wenn der Aufschwung kommt, dann kommt er frühestens nächstes Jahr. Und wenn er kommt, wird er schwach.“ Deshalb werde sich in der Investitionsgüterindustrie ein weiterer Stellenabbau nicht vermeiden lassen. Zum Jahresende werde es in der Branche vermutlich nur noch etwa 875 000 Arbeitsplätze geben – fast 30 000 weniger als zu Beginn des Jahres. Auch die Zahl der Firmenpleiten werde nochmals ansteigen.

Im vergangenen Jahr hatten die Maschinen- und Anlagenbauer trotz Konjunkturflaute vor allem von Auftragseingängen aus dem Ausland profitiert. Befürchtet wird nun, dass der höhere Dollar-Kurs das Exportgeschäft erschwert. Der VDMA-Präsident verwies jedoch darauf, dass das grundlegende Problem bereits seit Beginn der 90er Jahre die mangelnde Investitionsbereitschaft im Inland sei. Jedes zweite Unternehmen plane, mehr im Ausland zu produzieren. Dies sei Symptom dafür, wie sehr der Industriestandort Deutschland an seiner Reformunfähigkeit leide. (dpa)