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Warten auf Polizei-Erfolge

Einbrüche und Diebstähle ärgern Nieskyer Unternehmer. Ist die Polizei mit der Aufklärung überfordert?

© dpa

Von Alexander Kempf

Nachdem der Einbruch in die Physiotherapie von Claudia Taubert in Niesky bemerkt wird, ist die Polizei kurz vor Weihnachten schnell vor Ort. Sogar einen Verdächtigen hätten sie schon im Auge, erfährt die Unternehmerin von den Beamten. Doch der Fährtenhund, wird Claudia Taubert gesagt, könne just an diesem Tag leider nicht eingesetzt werden. Das wurmt die junge Frau. Wieso muss der Hund passen? „Hatte er etwa Burnout?“, fragt sie im Rückblick. So nett die Beamten sind, bestätigt sich für die Unternehmerin doch ein Verdacht. „Es wissen alle, dass die Polizei zu wenig Personal hat“, sagt Claudia Taubert. Tatsächlich steht sie mit dieser Meinung nicht alleine da. Oft geben Geschädigte zu Protokoll, dass sie wenig Hoffnung haben, dass das an ihnen verübte Verbrechen aufgeklärt wird.

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Polizeisprecher Thomas Knaup von der Polizeidirektion Görlitz dürfte das nicht gerne hören. Er bemüht sich, die Arbeit der Beamten in der Region transparenter zu machen. „Die Polizeidirektion Görlitz verfügt über ausreichend Diensthunde, die als Schutz- und Spürhunde ausgebildet sind. Ebenso kann die Landespolizei auch die Diensthunde der Bundespolizei, des Zolls und anderer Direktionen anfordern, wenn dies erforderlich ist“, kommentiert er den Fall von Claudia Taubert. Die Vermutung, in der Direktion gibt es zu wenig Fährtenhunde, weist er zurück. Als Sprecher verfügt Thomas Knaup über eine Reihe von Statistiken. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass er sie immer mit der Öffentlichkeit teilt. „Bitte sehen Sie es mir nach, dass die Polizei grundsätzlich keine detaillierten Angaben über die genaue Anzahl der Führungs- und Einsatzmittel sowie zur Personalstärke einzelner Organisationsbereiche machen wird“, teilt er mit.

Das leuchtet zunächst ein. Die Beamten wollen sich nicht in die Karten schauen lassen, um die eigene Arbeit zu behindern. Zugleich bleibt so aber ein Misstrauen vieler, ob die Polizei ausreichend ausgestattet ist. Auch der Nieskyer Autohändler Sylvio Arndt betrachtet die Arbeit der Beamten durchaus kritisch. „Den Umgang der Personen und deren Einsatz würde ich sehr gut bewerten, weil ich gemerkt habe, dass den Personen mit denen ich zu tun hatte meine Probleme wichtig sind und sie diese im Rahmen ihrer Möglichkeiten lösen wollen“, erklärt er. Doch zweifelt er an, dass die Beamten dafür gut genug ausgestattet sind. Im April 2014 nimmt die Polizei Felgen des Unternehmers mit, nachdem Unbekannte zuvor versucht haben, diese zu stehlen. Die Beamten wollen Spuren sichern. Mehrere Wochen hört Sylvio Arndt anschließend nichts mehr von der Polizei. Also fragt er dort nach. Bis heute kann er nicht verstehen, warum sich die Ermittlungen so in die Länge gezogen haben.

„In diesem Fall ist die Kritik des Unternehmers berechtigt“, räumt Polizeisprecher Thomas Knaup auf Nachfrage ein. Die Felgen seien zur kriminaltechnischen Untersuchung an das Landeskriminalamt Sachsen geschickt und von dort erst nach mehreren Wochen zum Unternehmer zurückgekommen. „Dabei ist natürlich zu berücksichtigen, dass im Kriminaltechnischen Institut im LKA Sachsen die eingeschickten Felgen nicht die einzigen Spurenträger waren, die zur Begutachtung anstanden“, relativiert der Polizeisprecher. Görlitz habe zwar auch eigene Möglichkeiten, Spuren zu sichern, doch nicht in dem Umfang wie die Kollegen in Dresden. „In jedem Fall wäre eine schnellere Bearbeitung und damit verbunden auch eine zeitnahe Rückgabe der Felgen an den Eigentümer wünschenswert gewesen“, sagt Thomas Knaup. Die Polizei bemühe sich stets, die Unannehmlichkeiten für die Geschädigten so gering wie möglich zu halten. Leider habe das in diesem Fall nicht so funktioniert, wie sich die Polizei das vorstelle.

Dabei kann Sylvio Arndt auch Positives berichten. Die Täter, die seine Felgen stehlen wollten, sind dabei gestört worden. Vermutlich durch eine Polizeistreife. Nur gibt es davon seiner Meinung nach zu wenige. Dafür will er aber nicht die Polizei selbst verantwortlich machen. „Die Aufgabe einzuschätzen, wie viel Personal und Technik in unserer Region benötigt wird und dafür zu sorgen, dass die Mittel zur Verfügung gestellt werden, liegt bei den Führungskräften, die unsere Städte und Kreise leiten“, sagt er. Die sollten sich die Frage stellen, ob sie mit der Ausstattung der Polizei in der Oberlausitz zufrieden sind.

Zumindest statistisch scheint sich aber keine Verschlechterung abzuzeichnen. Die Zahl der Eigentumsdelikte habe sich in Niesky im Vergleich zum Vorjahr nicht verschlechtert, so Polizeisprecher Thomas Knaup. Es sind demnach aber auch nicht weniger Fälle geworden.