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So protestieren die Gastwirte in Bautzen

Mit einer symbolischen Aktion machten Betreiber von Gaststätten und Hotels am Freitag auf ihre Probleme aufmerksam. Sie haben klare Forderungen.

André Herold, André Domsch, Bodo Siegert und Sandro Reichel (v.l.) gehörten zu den Gastwirten und Hoteliers, die am Freitag mit leeren Stühlen auf dem Bautzener Hauptmarklt auf die schwierige Situation ihrer Branche in der Corona-Krise aufmerksam machten.
André Herold, André Domsch, Bodo Siegert und Sandro Reichel (v.l.) gehörten zu den Gastwirten und Hoteliers, die am Freitag mit leeren Stühlen auf dem Bautzener Hauptmarklt auf die schwierige Situation ihrer Branche in der Corona-Krise aufmerksam machten. © Carmen Schumann

Bautzen. 120 Stühle stellten Gastwirte und Hoteliers am Freitagvormittag auf den Bautzener Hauptmarkt.  André Herold von der Bar Caracas,  André Domsch vom Alten Bierhof, Bodo Siegert vom Mönchshof und Sandro Reichel vom Hotel Best Western Plus deckten zudem noch einen Tisch festlich ein. Doch Platz nehmen konnte darauf niemand. Rund 60 Bautzener Gastronomen beteiligten damit an der bundesweiten Aktion „Leere Stühle“, mit der die Branche auf ihre Probleme in der Corona-Krise aufmerksam macht. 

„Unsere Zeit läuft ab“ heißt es in dem offenen Brief, den Bautzener Gastronomen auf dem Hauptmarkt verteilten und der auch an die Bundesregierung, den Sächsischen Ministerpräsidenten und an den Bautzener Oberbürgermeister gesandt wird. In dem Schreiben stellen die Gastwirte fest: „Wenn keine Gehälter mehr gezahlt werden können, werden Tausende Unternehmer und Arbeitnehmer ihre Existenz verlieren und ihren Unmut öffentlich bekunden.“

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Sandro Reichel freut sich über die Super-Resonanz auf den Aufruf. „Wir wollen unsere sich immer weiter verschärfende Lage in die Öffentlichkeit tragen und Unterstützung einfordern“, sagt er. Die bereits zugesagte Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen in den Gaststätten sowie die Erhöhung des Kurzarbeitergeldes seien ein Schritt in die richtige Richtung. Jedoch fragen er und seine Mitstreiter sich, ob die geplante Einführung dieser Regelung zum 1. Juli auch bedeutet, dass die Restaurants erst zu diesem Zeitpunkt wieder öffnen dürfen.

Gegen Trennscheiben auf den Tischen

„Wir brauchen jetzt schon Unterstützung, denn die Mieten und Nebenkosten laufen ja weiter“, sagt Sandro Reichel. Außerdem müsse dringend nachgebessert werden, was die Unterstützung für Unternehmen mit mehr als zehn Beschäftigten und mehr als einer Million Umsatz betrifft. Die fielen momentan noch durchs Raster.

Bodo Siegert vom Mönchshof bringt einen weiteren Aspekt ins Spiel. Diejenigen, denen ihr Lokal gehört, hätten es einfacher, als diejenigen, die Miete zahlen müssen. Zwar habe ihm die Bautzener Wohnungsbaugesellschaft die Miete gestundet, aber irgendwann müssten die Gelder ja nachgezahlt werden. Außerdem müssten sinnvolle Regeln aufgestellt werden, die eine Aussicht auf vernünftige Umsätze bringen. Vorschläge wie Plexiglassscheiben auf den Tischen hält er für sinnlos.

Was die Bezahlung der Mitarbeiter betrifft, so dürfe nicht vergessen werden, dass diese im Normalfall auch mit Zuschlägen und Trinkgeld rechnen, was jetzt aber wegfalle. Es dürfe nicht geschehen, dass die Angestellten in die Sozialhilfe abrutschten. Außerdem wisse man momentan noch nicht, wie die Gäste sich nach der Krise verhalten werden. Es sei zu befürchten, dass auch nach der Öffnung die Umsätze niedriger sind als zuvor.

Gegen Gebühren für Sonnenschutz

André Domsch vom Alten Bierhof, zu dessen Restaurant eine der schönste Aussichtsterrassen von Bautzen gehört, sagt, dass eine alleinige Öffnung des Biergartens nichts bringen würde. Er wünscht sich von der Stadtverwaltung, dass sie sich mehr für die Belange der Gastronomen interessiert. Der hiesige Gewerbesteuerhebesatz, der einer der höchsten in Deutschland sei, müsse abgesenkt werden. Außerdem wünscht sich Domsch einen Gebührenerlass für Außenaufsteller im öffentlichen Raum.

Frank Haase vom Haseneck pflichtet ihm bei: „Ich frage mich, ob es wirklich sinnvoll ist, Gebühren zu erheben für Sonnenschutz oder für Ausleger, die in den Luftraum hineinragen.“ Der erfahrene Gastronom wünscht sich zudem, dass die Absenkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent nicht auf das Jahr 2020 beschränkt bleibt.

Stefan Mahling betreibt mit dem Dom-Eck ein Hotel Garni. Seine Gäste sind also darauf angewiesen, dass sie in andere Restaurants essen gehen. So lange diese geschlossen bleiben, machten auch Übernachtungen bei ihm keinen Sinn. Der Hotelier befürchtet: „Es wird keine einfachen und schnellen Lösungen geben!“

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