merken
PLUS

Großenhain

Warum am Fuchsbau nichts passiert

Laut Interneteintrag sind alle acht geplanten Wohnungen in der Villa an der Radeburger Straße verkauft. Doch ein Baubeginn steht noch nicht fest.

Die Villa am Fuchsbau in Großenhain soll saniert werden. Entstehen sollten acht moderne Wohnungen. Doch noch ist das Vorhaben nicht genehmigt.
Die Villa am Fuchsbau in Großenhain soll saniert werden. Entstehen sollten acht moderne Wohnungen. Doch noch ist das Vorhaben nicht genehmigt. © Anne Hübschmann

Großenhain. Neun Eigenheime soll die "Wohnoase an der Röder" einmal umfassen. Seit Sommer 2019 wird die Straße für das künftige Wohngebiet gebaut. Bei einem Bauherrentag im August wurde der Standort vorgestellt. Interesse seitens potenzieller Bauherren scheint vorhanden.

Zumindest nach außen hin ins Stocken geraten scheint dagegen die Sanierung der benachbarten "Villa Fuchsbau" zu sein. Hier planen Eigentümer Carsten Meißner und Investor Ronny Kettner von der K&S Immobiliengruppe Dresden acht Eigentumswohnungen. "Es sind bereits alle Wohnungen verkauft",  heißt es dazu auf der Homepage von K&S. Und weiter: "Der Beginn des Bauvorhabens ist für 2020 geplant."

Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

Angesichts des baulich unveränderten Zustandes der Villa verwundert die Information. Denn nach wie vor ist das Haus in einem erbärmlichen Zustand. Aus Sicht des Großenhainer Rathauses sprechen noch ungeklärte Fragen zum Wegerecht und zum Wasserrecht gegen einen zeitnahen Baubeginn. Generell aber sei das Verfahren Sache des Landratsamtes Meißen. 

Helena Musall, stellvertretende Pressesprecherin der Behörde, bestätigt, dass es eine Genehmigung für den Umbau der Villa Fuchsbau gebe, die bereits im November 2017 erteilt wurde. "Aktuell plant der Investor aber Maßnahmen, die seinerzeit nicht Bestandteil des Genehmigungsverfahrens waren, und hat daher im November 2019 einen erneuten Antrag gestellt", so Helena Musall. 

Dieser befinde sich derzeit in Bearbeitung. Da es sich um ein denkmalgeschütztes Gebäude handele, "müssen unter anderem  auch Aspekte des Denkmalschutzes beachtet und abgewogen werden", so Musall. Der Antragsteller musste daher noch weitere Unterlagen beibringen, "die uns erst seit Kurzem vollständig vorliegen. Jetzt kann die Prüfung des Antrages erfolgen", fügt die Sprecherin hinzu. 

Beim Bauherrentag 2018 gewährte Investor Ronny Kettner einen Blick in die Villa. Trotz des ruinösen Zustandes sieht er nach wie vor Potenzial für modernes Wohnen im altehrwürdigen Gemäuer.
Beim Bauherrentag 2018 gewährte Investor Ronny Kettner einen Blick in die Villa. Trotz des ruinösen Zustandes sieht er nach wie vor Potenzial für modernes Wohnen im altehrwürdigen Gemäuer. © Kristin Richter

Investor Ronny Kettner bestätigt den Arbeitsstand weitgehend. Mit den Denkmalschutzbehörden sei inzwischen alles soweit geklärt. Die beschriebenen Änderungen beziehen sich laut Kettner auf die geplanten Balkone sowie den Aufzug. Auch die Frage des erwähnten Wegerechts sei geklärt. Problem: Um die nötigen Unterschriften auf den Vertrag zu bringen, müssten alle Beteiligten an einen Tisch. 

Das sei, so Kettner, aber aus unterschiedlichen Gründen zurzeit nur schwer zu bewerkstelligen. Insofern liege der Zeitpunkt des Baubeginns "ab einem gewissen Punkt nicht mehr in unserer Hand. Doch Ronny Kettner ist optimistisch, "zeitnah 2020" anfangen zu können. Helena Musall vom Landratsamt bestätigt: "Grundsätzlich kann der Bau erst beginnen, wenn die hierfür erforderliche Genehmigung erteilt wurde."

Das ehemalige Villengebäude an der Radeburger Straße steht als "stattlicher vorgründerzeitlicher Bau in dörflichem Kontext" von 1880 unter Denkmalschutz. Im wahren Leben machte es von sich Reden, als die erste Etage teilweise einbrach und kurz darauf unter großer Anteilnahme der Großenhain von der Feuerwehr eine Katze gerettet wurde. Bis 1945 waren hier Schreibkräfte und Funkerinnen vom Flugplatz zu Hause.

Zurzeit des Stalinkultes machte der Fuchsbau wieder von sich Reden: Statt der Hirsche am altehrwürdigen Diana-Brunnen lagen zwei riesige Betonkugeln zu Füßen eines leuchtenden roten Sterns und dem Bildnis des großen Führers Josef Stalin. Die beiden Steinkugeln kamen später klammheimlich, als man Väterchen wieder loswerden wollte, vor den Anbau des Fuchsbaus, als hätten sie dort seit eh und je gelegen - und verschwanden Jahre darauf ebenso unerklärlich in Privatgärten. Seine Blütezeit hatte der Fuchsbau jedoch in frühen DDR-Zeiten. Über einhundert Leute wohnten einmal hier, darunter viele Kinder. Es entwickelte sich ein Hausgemeinschaftsleben, wie es es heute kaum noch gibt.

Vielleicht kommt ja ein Hauch davon zurück, wenn das Ensemble der "Wohnoase an der Röder" sowie "Villa Fuchsbau" dereinst in voller Blüte entstanden sind.

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain und Umgebung lesen Sie hier.