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Lebenswichtige Darmkrebsvorsorge

Darmkrebs trifft viele. Früh erkannt, lässt er sich gut behandeln. Doch es fehlt noch an Aufklärung. Auch im Landkreis.

© Olympus Fotoarchiv

Von Manuela Reuß

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Kathrin Kunath* hat Federn gelassen. Das sagt sie selbst. Aber sie lebt. Vor sieben Jahren bekam die Kamenzerin die schockierende Diagnose Darmkrebs. Von einem Tag auf den anderen war ihre Welt aus den Fugen. Es ist bewundernswert, dass die 61-Jährige nie den Mut verlor. Trotz allem, was sie durchmachte. 28 Bestrahlungen, fünf Wochen Chemo, diverse Operationen ließ sie über sich ergehen. Sie war innerlich vergiftet, musste künstlich beatmet werden. Die Ärzte hatten sie zwischenzeitlich schon einmal aufgegeben. Doch sie kämpfte sich zurück ins Leben.

Lothar Bär* schaffte das nicht. Der Bautzener starb. Das war vor elf Jahren, erzählt seine Witwe. Noch heute kann sie es nicht so recht begreifen. Dazu ging alles viel zu schnell. Vier Tage von akuten Schmerzen bis zum plötzlichen Tod nach Darmdurchbruch. „Vorher hatte mein Mann keine Beschwerden. Er war sogar in ständiger ärztlicher Kontrolle.“ Wegen eines früheren Herzinfarktes untersuchten die Ärzte regelmäßig Blutbild und -druck, Herzschlag. Doch Darmkrebs lässt sich durch Blutuntersuchungen nicht erkennen. Nur durch spezielle Früherkennungsmethoden, wie beispielsweise eine Darmspiegelung. Die Söhne hätten ihr bittere Vorwürfe gemacht. „Sie sagten, ihr müsst doch schon eher was gemerkt haben“, erzählt sie. „Doch da war nichts. Ich hab nichts mitbekommen. Er hat weder über Schmerzen geklagt, noch Symptome geschildert.“

Wie macht sich Darmkrebs eigentlich bemerkbar?

Eigentlich lange Zeit gar nicht. „Der bösartige Tumor kommt schleichend und oft völlig unbemerkt. Er warnt seine Opfer leider nicht durch frühe Alarmzeichen und macht sich oft lange gar nicht bemerkbar“, heißt es auf der Homepage der Felix-Burda-Stiftung zu Darmkrebs. Dabei ist gerade Darmkrebs im frühen Stadium gut heilbar. Wenn schließlich Beschwerden auftreten – wie Bauchschmerzen oder sichtbares Blut im Stuhl – ist die Krankheit meist schon sehr weit fortgeschritten. Dann sind die Heilungschancen deutlich schlechter. Deshalb sollte jeder die angebotenen Vorsorgeuntersuchungen konsequent nutzen.

Kann man diese Krankheit verhindern?

Darmkrebs ist der häufigste bösartige Tumor des Magen-Darm-Trakts, bei Frauen und Männern. Jedes Jahr erkranken in Deutschland über 70 000 Menschen. Vorsorgeuntersuchungen schützen aber nicht davor, krank zu werden, so Claudia Szymula, Pressesprecherin der Barmer GEK Sachsen, „Das sind Momentaufnahmen“. Aber sie helfen. Denn bei kaum einem anderen Krebs lässt sich durch Früherkennung so viel erreichen, weiß die Felix-Burda-Stiftung. Bei knapp 30 Prozent aller Darmkrebsfälle liegt eine familiäre Belastung zugrunde. Kathrin Kunaths Mutter beispielsweise bekam mit 73 Jahren die Diagnose. Sie selbst mit 53. Deshalb drängt sie ihre Söhne, sich untersuchen zu lassen. Darüber hinaus kann man mit dem Lebensstil vorbeugen. Zu wenig Bewegung, Übergewicht, zu viel und zu fettes Essen, zu wenig Obst und Gemüse, dazu reichlich Alkohol und Rauchen fördern eine Erkrankung. Experten schätzen, dass sich die Darmkrebsrate halbieren ließe, wenn Menschen gesünder leben würden“, heißt es auf der Homepage darmkrebs.de.

Gibt es Möglichkeiten zur Darmkrebsvorsorge?

Es gibt einige Vorsorgeuntersuchungen, die Ergebnisse sind aber nicht alle gleich sicher. Angefangen von Tast- über Stuhluntersuchungen bis hin zur Darmspiegelung. Seit 2002 raten Krankenkassen in Deutschland Versicherten ab dem 55. Lebensjahr aller zehn Jahre zur Darmspiegelung, um etwaige Polypen vorbeugend entfernen zu können. Eine relativ neue Untersuchung ist der immunologische Stuhlbluttest, der genauere Ergebnisse als die chemischen Okkultbluttests liefert. „Er ist unkompliziert und besonders zuverlässig“, wirbt die Barmer GEK. Als einer der ersten Krankenkassen bietet sie über 50-Jährigen in Bayern jährlich eine kostenlose Untersuchung mit der innovativen Methode. Läuft das Pilotprojekt gut an, wolle die Barmer es bundesweit übernehmen, so Claudia Szymula.

Welche Akzeptanz findet die Vorsorge in der Bevölkerung?

Eine Geringe. „Weniger als die Hälfte der Menschen, die eine Krebsfrüherkennungsuntersuchung in Anspruch nehmen könnten, nutzen diese auch. Dabei sind die Frauen vorbildlicher als Männer“, erklärt Claudia Szymula. Im Landkreis Bautzen ließen sich 11 Prozent der Männer und 46 Prozent der Frauen untersuchen. Hannelore Strobel, Pressesprecherin der AOK Plus Sachsen/Thüringen bestätigt diesen Trend. Trotzdem klären die Kassen über viele Infokanäle, wie Medien, Mitgliederzeitschriften, Newsletter etc. auf. Die Uniklinik Dresden, die AOK PLUS und der Verband niedergelassener Gastroenterologen planen beispielsweise zur Darmkrebsvorsorge für den 25. Februar eine Pressekonferenz in Dresden. „Regelmäßige Aufklärung kann nur funktionieren, wenn viele Partner zusammenarbeiten“, betont Claudia Szymula. Doch dabei machen leider nicht alle mit. Das Gesundheitsamt im Landkreis Bautzen hat sich zwar Gesundheitsaufklärung und –beratung zur Aufgabe gemacht – das steht auf der Homepage. Doch gezieltes Werben für Vorsorge gebe es nicht, so Pressesprecher Gernot Schweitzer. Wenn jemand die Diagnose Krebs bekomme, könne er die Tumorberatung nutzen. Auch das sächsische Gesundheitsministerium bekennt sich im Internet dazu , dass ein Ziel sächsischer Gesundheitspolitik sei, die Eigenverantwortung der Menschen zu stärken, um Krankheiten zu verhindern oder durch Vorsorge frühzeitig zu erkennen.


*Namen von der Redaktion geändert

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