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Warum das Unkraut immer gewinnt

Straßenränder, Schulmauern – überall wächst Grünes, das an diesen Stellen unerwünscht ist. Doch welche Wege gehen die Kommunen bei der Beseitigung?

An dieser Laterne am Markt in Hartha haben sich Löwenzahn und Co breitgemacht. Auch im Schnittgerinne wächst das Unkraut.
An dieser Laterne am Markt in Hartha haben sich Löwenzahn und Co breitgemacht. Auch im Schnittgerinne wächst das Unkraut. © Dietmar Thomas

Döbeln. Disteln, Klatschmohn, Löwenzahn oder gar das Orientalische Zackenschötchen, eine Pflanze die dem Raps ähnlich sieht, es gibt viele Arten von sogenanntem Unkraut. Meist wächst es an Stellen, wo es gut sichtbar und deshalb für viele auch störend ist.
Für die Kommunen ist es nicht immer einfach, des Unkrauts Herr zu werden. Oft hat es den Anschein, dass die Bauhofmitarbeiter gar nicht hinterherkommen, die öffentlichen Flächen vom Unkraut freizuhalten. Die Städte und Gemeinden in der Region setzen bei de Unkrautbeseitigung auf unterschiedliche Methoden.

Döbeln kontrolliert regelmäßig

Döbeln kontrolliert regelmäßigDöbeln kontrolliert regelmäßig​Auf den Flächen, für die die Stadt Döbeln zuständig ist, wird Unkraut mechanisch beseitigt. Entweder per Hand oder per Kehrmaschine mit speziellem Kehrteller, je nach den Örtlichkeiten. Die Kontrollen erfolgen in regelmäßigen Abständen durch die Mitarbeiter des Baubetriebsamtes und den Streifendienst des Ordnungsamtes. „Unkrautmittel werden, wenn überhaupt, dann nur punktuell eingesetzt“, sagt Thomas Mettcher, Pressesprecher der Stadt Döbeln. Beispielsweise auf gärtnerischen und forstwirtschaftlichen Flächen, wie Baumscheiben und Rabatten. Aber dies nur in Einzelfällen. Verwendet wird im entsprechenden Fall das ökologische Spritzmittel Finalsan Unkrautfrei Plus. Nicht eingesetzt werden die Unkrautmittel an Straßenrändern oder im Schnittgerinne.

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Waldheim verwendet Herbizide

​Je nach Erfordernis werden etwa zweimal im Jahr Pflanzenschutzmittel (Herbizide) zur Bekämpfung von unerwünschtem Pflanzenwuchs auf ausgewiesenen Flächen eingesetzt. Der Einsatz ist ausschließlich auf nicht bewirtschaftete Flächen beschränkt (öffentliche Straßen, Wege und Plätze). 

Bei diesen Verkehrsflächen handelt es sich im Wesentlichen um die mit Natursteinpflaster befestigten Schnittgerinne, seitlich angeordnete Parkbuchten oder Verkehrsinseln an Einmündungen. „Der Herbizid-Einsatz erfolgt manuell und hauptsächlich mit handelsüblichen Drucksprühgeräten“, so Toralf Pönisch vom Bauamt der Stadt. Die betroffenen Stellen werden je nach Erfordernis nur punktuell und nicht großflächig bearbeitet. 

Der Einsatz wurde Ende 2018 ordnungsgemäß beim Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) beantragt. Ein entsprechender Bescheid mit Befristung bis Ende 2021 liegt vor und beinhaltet die Genehmigung für den beantragten Herbizid-Einsatz der Marken Finalsan, Vorox und Roundup. Zwei Angestellte des städtischen Bauhofs verfügen über die zur Anwendung und Ausführung notwendige Qualifikation.

Der angestrebte Zweck sei vordringlich und mit zumutbarem Aufwand auf andere Art nicht erzielbar. Sowohl zur Wahrung der Verkehrs- und Betriebssicherheit als auch zur Erhaltung der Bausubstanz und nicht zuletzt aus optischen Gründen ist Pflanzenbefall beziehungsweise Wildwuchs auf vorgenannten Verkehrsflächen unerwünscht. „Alternative Verfahren – mechanisch, hydraulisch, thermisch – sind aus Gründen der Verhältnismäßigkeit und Wirtschaftlichkeit nicht vertretbar“, so Toralf Pönisch.

Hartha setzt Unkrautbiene ein

​Die Stadt Hartha setzt derzeit auf eine mechanische Bekämpfung des Unkrauts. Dabei wird eine sogenannte Unkrautbiene eingesetzt. „Des Weiteren wird Unkraut auf unbefestigten Flächen mithilfe von Spritzmitteln vernichtet“, so Bauamtsleiter Ronald Fischer. Für den Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln liegt die Genehmigung des Landratsamtes vor. Kontrolliert werde regelmäßig bei der Säuberung des Stadtgebietes und der Ortsteile.

An der Leipziger Straße in Döbeln wächst das Unkraut.
An der Leipziger Straße in Döbeln wächst das Unkraut. © Frank Korn

Leisnig appelliert an Hausbesitzer

In Leisnig und den Ortsteilen wird das Unkraut so oft wie möglich manuell beseitigt. In speziellen Bereichen wird aber auch mit Unkrautvernichter gearbeitet. „Dabei werden Glyfos Supreme und Roundup Power Flex auf ausgewiesenen Flächen mit Genehmigung des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie eingesetzt“, sagt Bauhofleiter Ralf Herrmann. Zudem werden Haus- und Grundstücksbesitzer zur Einhaltung der Ortspolizeisatzung aufgefordert, in der die Anliegerpflicht zur Sauberhaltung des Schnittgerinnes und Beseitigung von Unkraut verankert ist.

Roßwein verzichtet auf Vernichter

​Nach Auskunft von Bauamtsleiter Dirk Mehler verzichtet die Stadt Roßwein auf den Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln. Das Problem wird durch mechanische Bearbeitung gelöst. Die Mitarbeiter des Bauhofes kontrollieren regelmäßig beziehungsweise in Verbindung mit anderen Arbeiten, ob Unkraut nachgewachsen ist.

Ostrau legt feste Termine fest

​Die Gemeinde Ostrau setzt auf eine Grünpflege in regelmäßigen Abständen. „Bei 25 Ortsteilen und 53 Quadratkilometer Fläche ist das eine Herausforderung“, sagt Bürgermeister Dirk Schilling (CDU). Es gibt feste Termine für die Pflege nach Plan, ansonsten nach Bedarf. Spielplätze werden beispielsweise 14-täglich gepflegt, Rad- und Gehwege ebenfalls in kürzeren Abständen.

Das Gemeindegebiet liegt zum Großteil in der Trinkwasserschutzzone, daher wird auf chemische Unkrautbekämpfung verzichtet. Die Beseitigung mit Motorsense und die Beräumung nimmt sehr viel Arbeitszeit in Anspruch. In diesem Jahr hat die Gemeinde zusätzlich ein Gerät angeschafft, mit dem das Unkraut mittels rotierender Bürsten aus dem Schnittgerinne und aus dem Betonpflaster der Wege entfernt werden kann. „Wir nehmen unsere Verantwortung für die Umwelt sehr ernst. Man muss aber auch deutlich machen, dass der Aufwand für die mechanische Beseitigung erheblich höher ist als die Anwendung der chemischen Keule“, so Schilling.

Großweitzschen setzt auf Technik

​In der Gemeinde Großweitzschen erfolgt die Unkrautbekämpfung mit einer Unkraut- beziehungsweise Wurzelbürste, die an den Unimog angebaut werden kann. „Unkrautvernichtungsmittel werden nicht eingesetzt“, sagt Bürgermeister Jörg Burkert (parteilos). Die Mitarbeiter des Bauhofes entfernen das Unkraut auch manuell oder mit einem Rasentrimmer. Dies erfolgt im Zuge der Grasmahd.

Zschaitz-Ottewig arbeitet per Hand

​Auch in der Gemeinde Zschaitz-Ottewig ist die Unkrautbeseitigung und deren Kontrolle Sache der Bauhofmitarbeiter. Die Beseitigung erfolgt mechanisch oder per Hand. „Chemische Mittel kommen seit 2019 nur im absoluten Ausnahmefall zum Einsatz“, erklärt Bürgermeister Immo Barkawitz (parteilos).

Kriebstein hat keine Straßensatzung

​Aus Sicht der Kriebsteiner Bürgermeisterin Maria Euchler (Freie Wähler) ist das Unkrautproblem nicht vollumfänglich zu lösen. „Wir geben unser bestes, im Rahmen der Grasmahd auch das Unkraut beispielsweise an den Straßenrändern mit zu entfernen“, so Euchler. In der Gemeinde Kriebstein gibt es keine Straßenreinigungssatzung oder Ähnliches, worin Bürger an derartigen Dingen beteiligt werden können. 

Die Mitarbeiter des Bauhofes erledigen die Unkrautbeseitigung während der üblichen Arbeiten mit. Die Gemeinde hat für wenige Standorte die Erlaubnis, ein Unkrautgift in einer bestimmten Menge spritzen zu dürfen. „Unseres Erachtens hat sich das Unkraut aber schon daran gewöhnt, teilweise bedingt es eher den Wuchs, als das es das Unkraut vernichtet. Wir spritzen daher gar nicht mehr mit Gift“, so Maria Euchler.

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