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Riesa

Warum der Acker blüht

Viele Menschen freuen sich über bunte Felder in Sachsen. Manche davon sind gewollt – andere wiederum nicht.

Auf einem Feld zwischen den Riesaer Ortsteilen Poppitz und Mergendorf blühen Mohn und Kornblumen. Schön anzusehen – doch Landwirte verweisen auf eine Kehrseite.
Auf einem Feld zwischen den Riesaer Ortsteilen Poppitz und Mergendorf blühen Mohn und Kornblumen. Schön anzusehen – doch Landwirte verweisen auf eine Kehrseite. ©  Sebastian Schultz

Region Riesa. Wer aus dem Riesaer Ortsteil Poppitz Richtung Heyda fährt, hat es diese Woche eigentlich nicht übersehen können: das Feld mit dem roten Klatschmohn und blauen Kornblumen in Richtung Mergendorf. Auch etliche Fotografen hat das Farbenspiel auf dem Acker angezogen. Und das Feld bei Poppitz ist längst nicht die einzige landwirtschaftliche Fläche, auf der es momentan so bunt zugeht.

Um regelrechte Blühflächen muss es sich dabei aber nicht in jedem Fall handeln, wird im Gespräch mit dem Vorsitzenden des Regionalbauernverbands Elbe/Röder deutlich. „Man hat das jetzt verstärkt an verschiedenen Stellen. Das wirkt optisch gut, aber das ist natürlich nicht beabsichtigt“, sagt Verbandsvorstand Gerhard Förster, der auch Chef der Kreinitzer Agrargenossenschaft ist. So schön der Mohn oder die Kornblumen aussähen: Teilweise handle es sich um Unkraut.

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„Hintergrund ist, dass der Landwirtschaft immer weniger Pflanzenschutzmittel zur Verfügung stehen und damit die Wirkstoffe, die das Unkraut bekämpfen“, so Gerhard Förster. Für die Mittel gebe es darüber hinaus noch Einsatzbeschränkungen. „Das hat zur Folge, dass Unkräuter in den landwirtschaftlichen Kulturen nicht bekämpft werden können.“ 

Hinzu komme die Trockenheit: „In Jahren, in denen es trocken ist, wirken Pflanzenschutzmittel weniger, als wenn es eine entsprechende Bodenfeuchtigkeit gibt“, so Gerhard Förster.

Mit dem Herbizid Glyphosat, das seit vielen Jahren in aller Munde ist, habe das Ganze aber nichts zu tun. „Glyphosat ist ein Totalherbizid, das eine brach liegende Fläche ‚sauber macht‘, damit dann wieder landwirtschaftliche Kulturen angebaut werden können. In diesem Fall geht es um Bodenherbizide, die in landwirtschaftlichen Kulturen die Unkräuter beseitigen sollen“, so Gerhard Förster. Unkräuter seien in diesem Fall zum Beispiel Melde, Distel oder eben auch Mohn und Kornblume.

Doch was heißt es für die Erträge der Kulturpflanzen, wenn diese „Unkräuter“ stärker aufgehen? Laut dem Landwirt kann es im Extremfall, „wenn man starken Unkrautbesatz hat“, zu Ertragseinbußen von bis zu 80 Prozent kommen. Besonders gefährdet seien Kulturpflanzen, die „vom Wuchs her nicht so in die Höhe gehen“. 

Zum Beispiel Getreide oder junger Mais. Sonnenblumen kämen hingegen vergleichsweise gut mit den konkurrierenden Pflanzen zurecht, weil sie relativ schnell in die Höhe sprießen. – Neben manch ungewollt blühenden Äckern gibt es aber auch die bewusst angelegten Blühflächen. „Das ist von der EU gewollt.“ 

Blühflächen wiederum sind ein möglicher Weg, um das von der EU geforderte Greening – die Bereitstellung von mindestens fünf Prozent der Ackerflächen des Betriebs als Öko-Flächen – zu erfüllen. Neben dem Anlegen von Blühflächen könne der Anforderung auch mittels Brachen oder über den Anbau von Zwischenfrüchten Genüge getan werden, so Gerhard Förster. „In der Regel kombinieren die Betriebe das, um auf die geforderten fünf Prozent Greening-Maßnahmen zu kommen.“ 

Neben diesen Pflichtmaßnahmen gibt es dem Landwirt zufolge dann noch weitergehende Maßnahmen. Auch Försters Betrieb, die Agrargenossenschaft Kreinitz, mache dabei mit. – Was die eher ungewollten Blühflächen anbetrifft, geht Gerhard Förster davon aus, dass die in nächster Zeit zunehmen werden, vor allem, wenn es bei der restriktiven Vorgaben für die Pflanzenschutzmittel bleibe.