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Warum der Bismarck-Stein nach Hartha kommt

Der ehemalige Reichskanzler hat mit der sächsischen Kleinstadt nichts zu tun. Dennoch steht jetzt hier ein Denkmal.

Von Frank Korn
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Frank Zenker (links im Bild ) hält ein Porträt von Bismarck in seinen Händen. Schon 1901 sollte ein Bismarck-Stein gesetzt werden, doch das dazugehörige Denkmal wurde erst jetzt gesetzt.
Frank Zenker (links im Bild ) hält ein Porträt von Bismarck in seinen Händen. Schon 1901 sollte ein Bismarck-Stein gesetzt werden, doch das dazugehörige Denkmal wurde erst jetzt gesetzt. © Lars Halbauer

Hartha. Besser könnte das Wetter nicht sein für diesen Anlass. An einem der beliebtesten Geh- und Wanderwege in der Harthaer und ihrer Gäste ist ein Denkmal zu Ehren von Otto von Bismarck eingeweiht worden.

Die Einweihung geht auf die Initiative der Interessengemeinschaft (IG) „Wir für ein schönes Hartha“ zurück. „Dabei wurden wir von der Stadt Hartha, dem Bauhof, der Familie Zenker und der Firma Just Naturstein unterstützt“, sagte Silke Weise, Vorsitzende des Heimatvereins, zu dem die IG gehört.

Doch was hat Bismarck mit Hartha zu tun? Frank Zenker, der den Gedenkstein praktisch entdeckt hat, liefert eine Erklärung. „Es soll keine Pilgerstätte sein, sondern es ist zusammengeführt worden, was zusammengehört“, so Zenker. Auf Landkarten und in historischen Schriften werde dieser Platz als Bismarck-Eck oder Bismarck-Stein bezeichnet. Aufgrund der Tatsache, dass dieser Rundwanderweg um Hartha weiter gestaltet werden soll, wurde nun der Gedenkstein gesetzt.

Der Stein besteht aus Lausitzer Granit. Er stand früher in Waldheim und gehörte zum Sockel des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Denkmals. Dieses stand an der Härtel-/Ecke Bahnhofstraße, wurde aber 1943 abgebaut. 1955 wurde der Sockel abgerissen. Die Granitsteine hat ein Bauer namens Richter aus Langenau gesichert. Er hat sie mit seinem Pferdewagen von Waldheim nach Langenau transportiert. „Dort habe ich den Stein vor drei, vier Jahren entdeckt. Der Bauer Richter war mittlerweile umgezogen, doch ich konnte ihn fragen, was es mit dem Stein auf sich hatte“, sagt Zenker.

Bismarck werde durchaus widersprüchlich gesehen. Er sei aber auch der Vater der Sozialgesetzgebung in Deutschland. Bismarck hat 1884 gesagt: „Geben Sie dem Arbeiter das Recht auf Arbeit, solange er gesund ist. Sichern Sie ihm Pflege, wenn er krank ist, und sichern Sie ihm Versorgung, wenn er alt ist.“ Daraufhin seien dann Unfall-, Kranken- und Wohlfahrtsversicherung eingeführt worden.

Mit Hartha selbst habe Bismarck nichts zu tun. „Aber in seiner Zeit als Reichskanzler ist die Wirtschaft stark gewachsen, und das ist auch in Hartha zu spüren gewesen“, so Zenker. Viele Betriebe in Hartha seien in dieser Zeit entstanden.

Frank Zenker würdigte den großen Anteil von Harald Just an der Gestaltung des Denkmals. „Die Aufarbeitung des Steins sowie die Gravur haben etwa vier Tage in Anspruch genommen“, sagte der Geschäftsführer der Firma Just Naturstein. Eine Rechnung stellte er den Heimatfreunden dafür nicht, auch wenn es sich bei der Leistung um eine beträchtliche Summe handelt. 

„Bis auf etwa 100 Euro Materialkosten hatten wir keine Ausgaben“, sagte Silke Weise. Das Fundament sei praktisch schon vorhanden gewesen. „Das war 1901 schon gebaut worden. Schon damals sollte ein Bismarck-Denkmal entstehen, jedoch kam es nicht zur Ausführung“, wusste Georg Richter, der aktiv in der IG „Wir für ein schönes Hartha“ mitarbeitet.

Die IG wurde 2016 ins Leben gerufen. „Sie setzt sich mit sechs bis acht Arbeitseinsätzen pro Jahr in Parkanlagen, an Geh- und Wanderwegen, auf öffentlichen Plätzen und beim Frühjahrsputz für ein attraktives und lebenswertes Hartha ein“, so Silke Weise. Zudem werden jährlich mindestens zwei Wanderungen organisiert, die großen Zuspruch finden.

Update 20. Januar 2020, 18 Uhr:

In einer früheren Version dieses Textes haben wir fälschlicherweise berichtet, dass der Bismarckstein aus Waldheim nach Hartha gekommen ist, und dass es ein Bismarck-Denkmal gegeben hat. Das haben wir korrigiert. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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