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Warum der Glyphosat-Ausstieg länger dauert

Die Stadt Görlitz hat den Verbrauch deutlich verringert. Doch noch ist sie nicht am Ziel.

Die umweltfreundlichere Alternative zu Glyphosat: Torsten Preis vom Städtischen Betriebshof reinigt einen Gehweg an der Stadthalle mit einer neu angeschafften Kleinkehrmaschine.
Die umweltfreundlichere Alternative zu Glyphosat: Torsten Preis vom Städtischen Betriebshof reinigt einen Gehweg an der Stadthalle mit einer neu angeschafften Kleinkehrmaschine. © Nikolai Schmidt

Der Wortlaut war so gut gemeint wie unkonkret. „Die Stadt Görlitz verzichtet zum frühestmöglichen Zeitpunkt bei allen Flächen unter ihrer Bewirtschaftung auf den Einsatz von Herbiziden mit dem Wirkstoff Glyphosat“, heißt es in dem Stadtratsbeschluss vom April 2018.

Seither sind zwei Jahre und vier Monate vergangen. Ist der „frühestmögliche Zeitpunkt“ mittlerweile erreicht? „Noch nicht ganz“, sagt Peter Schäfer, der Leiter des Städtischen Betriebshofes, im Gespräch mit der SZ. Doch der Glyphosat-Einsatz gehe zurück. Nutzte die Stadt im Jahr 2017 noch 46 Liter, waren es 2019 nur knapp zwölf Liter, dieses Jahr sind es bisher reichlich neun Liter. „Da könnte aber noch ein bisschen was dazukommen, sodass es am Ende von 2019 zu 2020 vielleicht keinen weiteren Rückgang gibt“, sagt Schäfer.

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Görlitz liegt im Bundestrend

Insgesamt liegt Görlitz im Bundestrend. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) jetzt berichtete, sank die verkaufte Menge an Pflanzenschutzmitteln voriges Jahr gegenüber 2018 um 6,7 Prozent – und damit auf das niedrigste Niveau seit 20 Jahren. Für das besonders umstrittene Glyphosat verzeichnet das Ministerium sogar einen Rückgang um 11,3 Prozent. Damit setze sich der Abwärtstrend seit 2012 fort.

Die Stadt Görlitz nutzt aber noch ein weiteres Herbizid: Finalsan. Voriges Jahr waren es 20 Liter, dieses Jahr bisher elf Liter. Finalsan enthält kein Glyphosat, erklärt Schäfer. Stattdessen wird es auf der Basis von Pelargonsäure hergestellt. Zulassungspflichtig ist es auch, denn es handelt sich um Chemie, nicht um ein Bio-Produkt.

Stadt braucht mehr Personal

Doch warum dauert der Glyphosat-Ausstieg so lange? Da verweist Schäfer auf zwei Gründe. Ohne Glyphosat muss die Stadt mehr Personal einsetzen, um das gleiche Ergebnis zu erzielen. Und sie braucht zusätzliche Technik. Die muss nicht nur gekauft werden, sondern vor allem braucht es eine gewisse Zeit, bis klar ist, welche Art der Unkrautbekämpfung auf welchem Untergrund am wenigsten Schaden anrichtet, erläutert Schäfer. Die Untergründe sind vielfältig – von Kleinpflaster bis zu sandgeschlämmten Schotterdecken wie auf den Wegen im Stadtpark und anderen Parks.

Aber bei beiden Punkten geht es nun voran. Drei zusätzliche Stellen waren geplant und zugesagt. Die Erste davon wurde jetzt freigegeben, sie ist seit fünf Wochen mit einem neuen Mitarbeiter besetzt, Torsten Preis. Die anderen zwei Stellen sind noch nicht freigegeben, Schäfer hofft auf nächstes Jahr: „Aber das ist abhängig vom Haushaltsbeschluss.“ Warum es schon jetzt so lange dauert? „Erst gab es Verzögerungen bei den Haushaltsbeschlüssen, dann mussten Löcher bei der Feuerwehr gestopft werden“, sagt Schäfer. Da das Geld ja irgendwo hergenommen werden musste, hatte das Folgen für den Betriebshof.

Neue Technik ist jetzt da

Neue Technik wurde Anfang des Jahres angeschafft: Zwei Kleinkehrmaschinen und ein handgeführtes Infrarotgerät. Damit können Pflanzen bestrahlt werden. Durch die Wärmestrahlung gehen sie kaputt. „Die Ausschreibung für die Kehrmaschinen hat fast ein dreiviertel Jahr gedauert“, sagt Schäfer. Jetzt läuft der Test sämtlicher Verfahren. Neben den Genannten kommen auch Motorsense, Handbrenner sowie manuelle Beseitigung wie Unkraut rupfen und Kehren per Hand zum Einsatz – je nach Untergrund. Die Kehrmaschinen sollen zur „Verringerung des Bio-Eintrages“ dienen, wie es Schäfer formuliert. Anders gesagt: Samen sollen nicht in Fugen und Ritzen gelangen, sodass dort auch keine neuen Pflanzen wachsen können.

Wie lange die Testphase dauern wird, sei schwer zu sagen. Jedes Jahr sei anders, vor allem das Wetter. Folglich wächst mal mehr, mal weniger Unkraut. Fakt aber ist: Die Stadt hat über 300 Objekte und Anlagen, bei denen sie für die Anliegerpflichten zuständig ist. Mit Herbiziden musste das Unkraut drei- bis viermal im Jahr beseitigt werden, jetzt ist der Betriebshof quasi permanent im Einsatz. Schäfer will das aber keineswegs negativ werten: „Ich bin optimistisch, dass wir ein gutes Erscheinungsbild halten können.“ Vielleicht werde es sogar ordentlicher aussehen als bisher, weil die Pflege jetzt permanent läuft. Er kennt jedenfalls keine Stelle, wo die Stadt aktuell mit der Reinigung nicht mehr hinterherkomme und wo es Beschwerden von Bürgern gebe. Lob auf der anderen Seite häufe sich aber auch nicht: „Außer für die bepflanzten Schmuckplätze: Die werden sehr positiv wahrgenommen.“

Zulassung bis 30. Juni 2021

Und der endgültige Glyphosat-Ausstieg in Görlitz? Bis 30. Juni 2021 darf es noch in Deutschland verkauft, anschließend noch ein Jahr lang verbraucht werden. Die Stadt Görlitz habe aktuell eine Zulassung vom Landesamt, die ebenfalls auf den 30. Juni 2021 befristet ist. Nach jetzigem Stand geht Schäfer davon aus, dass er keine Verlängerung mehr beantragen wird: „Vielleicht schaffen wir es sogar, im Jahr 2021 überhaupt kein Glyphosat mehr anzuwenden.“

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