merken
PLUS Dresden

Warum der Dresdner Riesling Sonnenbrand hat

Er wartet auf Regen, aber fürchtet ihn auch. Doch eigentlich ist es ein gutes Jahr für den Wein von Winzer Lutz Müller.

Zu viel Sonne und zu hohe Temperaturen: Manche Rieslingtrauben haben Sonnenbrand bekommen, zeigt Lutz Müller.
Zu viel Sonne und zu hohe Temperaturen: Manche Rieslingtrauben haben Sonnenbrand bekommen, zeigt Lutz Müller. © René Meinig

Die nächsten drei, vier Wochen werden spannend. Eigentlich benötigen Lutz Müllers Reben unterhalb der Elbschlösser dringend Regen. Aber keine leichten Schauer, sondern anhaltenden Niederschlag mit anschließendem Sonnenschein, um schnell abzutrocknen, sagt der Winzer. Kommen nur kurze Schauer, ist der Pilzbefall garantiert. Und das wäre fatal. „Aber ich bin ein positiver Mensch. Das Wetter wird schon mitspielen“, sagt er.

Tatsächlich hat der Deutsche Wetterdienst gute Nachrichten. Am Dienstag soll es ab Mittag anhaltend bis in die Nacht zum Mittwoch regnen, während am Mittwoch und Donnerstag durch ein Zwischenhoch die Sonne scheint, sagt Meteorologe Sebastian Balders. Er schränkt aber gleich ein, dass das Erzgebirge den Regen womöglich doch von Dresden fernhalten könnte.

Anzeige
Ist Ihr Auto fit für den Urlaub?
Ist Ihr Auto fit für den Urlaub?

Kostenlos gibt es aktuell bei pitstop einen Sommer-Check für Ihr Auto. Ein solcher Check ist unbedingt empfehlenswert vor Antritt der Fahrt in den Urlaub.

Trifft die Regenprognose zu, wäre das nach Müllers Geschmack. Denn der zweite trockene Sommer in Folge führt in seinen Lagen am Elbhang dazu, dass die Trauben kleiner sind als im Durchschnitt. Auch das habe nicht nur Nachteile, denn sie seien deshalb aromatischer. Außerdem werden sie mindestens eine Woche eher reif als normal. Aber der Ertrag ist nicht so hoch wie erwünscht. Wieder ausgleichen könnten das indes Müllers Rebstöcke in Pillnitz, die im Bereich von Schneiders Delle wachsen. Dort ist der Grundwasserstand höher, weil genügend Wasser aus dem Hochland kommt. „Außerdem hat es in Pillnitz immer stärker geregnet als an den Elbschlössern. Beim Gewitter in der Nacht zum Montag sind dort zehn Liter runtergekommen, während es in der Stadt nur vier waren“, sagt Lutz Müller, der Regenmesser installiert hat. Klar, dass die Pillnitzer Trauben größer sind.

Ein Problem hat der Riesling, Müllers Hauptweinsorte, aber an beiden Lagen. Viele Trauben, die an der Sonne zugewandten Seite wachsen, haben Sonnenbrand. Zumindest bezeichnen die Winzer das so, wenn sich die Trauben braun verfärben und komplett eintrocknen wie Rosinen. Till Neumeister, Weinbauleiter beim Staatsweingut Schloss Wackerbarth, erklärt, wie er entsteht. „Durch starke Sonneneinstrahlung oder starke Hitze mit Temperaturen von über 35 Grad kocht das Traubengewebe regelrecht auf“, sagt er. Dies komme vor allem in terrassierten Weinbergen vor, wo die Sandsteinmauern zusätzlich Wärme abstrahlen und es so leicht noch einmal zehn Grad wärmer sein kann als ringsum. „Außerdem ist es rebsortenabhängig und der Riesling eine besonders empfindliche Sorte“, sagt der Weinbauleiter. Lutz Müller fügt hinzu, dass der Riesling auch als Letzter reif wird und seine Trauben derzeit die kleinsten sind. Möglicherweise hat auch das einen Einfluss. „Auf jeden Fall haben wir dieses Jahr deutlich mehr Probleme mit dem Sonnenbrand als 2018. “ Für ihn erstaunlich, denn auch damals schien die Sonne sehr stark, und die Temperaturen waren hoch.

Sie haben auch dazu geführt, dass 1 500 neu gepflanzte Reben in Pillnitz eingegangen sind. Während sich die jungen Pflanzen, die vor drei Jahren in den Boden kamen, perfekt entwickeln, machten die der letzten beiden Jahre schlapp. „Ich habe dort auch keine Bewässerungsmöglichkeit, so sind Arbeit und Geld futsch“, sagt Müller. Weil es im Osten Deutschlands keine Rebschule mehr gebe, bezieht er seine Jungpflanzen von der Firma Antes aus dem hessischen Heppenheim. Neben Riesling, der ein Viertel seines Bestandes ausmacht, wachsen in Müllers Weinbergen die Sorten Weiß- und Grauburgunder, Müller-Thurgau, Scheurebe und Traminer. Außerdem die beiden Roten Domina und Spätburgunder. Aus der Erstgenannten keltert Müller Roséwein. Außerdem hat der Elbhangwinzer noch wenige Reben Sauvignon Blanc im Bestand, die aber maximal 500 Liter Wein ergeben.

Auch von ihm können Gäste beim Tag des offenen Weingutes am Wochenende kosten. Geöffnet ist bei Lutz Müller jeweils von 11 bis 19 Uhr. Wie bei jedem teilnehmenden Weingut kostet eine Dreier-Weinprobe sieben Euro. Geplant sind auch Weinberg- und Kellerführungen. Das genaue Programm ist jedoch bei allen Winzern unterschiedlich.

Tag des offenen Weinguts am 24. und 25. August

Winzerhof Sauer, Leonardo-da-Vinci-Straße 1c

Rogges Ausschank, Wünschendorfer Straße 6a

Winzer Ballin, Martin, Pech & Müller, Bergweg 3

Winzer Winn, viereckiges Wächterhaus am Leitenweg

Weingut Götze, rundes Wächterhaus am Leitenweg

Weinbau Donath, Bergweg 7a

Weingut Zimmerling, Bergweg 27

Weingut „Unter dem Weinmond“, Graupaer Straße 45

Weinbau Fehrmann, Talstraße 62

Mehr zum Thema Dresden