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Warum die AfD jetzt an Reichweite verliert

Die sozialen Medien sind das wichtigste Kommunikationsmittel der AfD. Doch mit Corona-Themen kann sie hier schlecht punkten.

In der Coronakrise kommt die gut geölte Social-Media-Maschine der AfD offenbar ins Stottern.
In der Coronakrise kommt die gut geölte Social-Media-Maschine der AfD offenbar ins Stottern. © dpa

Lange galten sie als eine Art Allzweckwaffe der AfD: die sozialen Medien. Auf Facebook, Twitter und Co. schafften sich die Rechten eine Parallelöffentlichkeit. Sie machten gegen die Regierung und etablierte Medien Stimmung – und konnten gleichzeitig unwidersprochen ihre Botschaften verbreiten. Von den Reichweiten, die die AfD im Netz erzielte, konnten andere Parteien nur träumen.

Doch in der Coronakrise kommt die gut geölte Social-Media-Maschine der AfD offenbar ins Stottern. Das zeigen Zahlen des Politik- und Kommunikationsberaters Johannes Hillje, der die Reichweite der AfD auf Facebook und Twitter während der Coronakrise mit der Zeit davor verglichen hat. „Das stärkste Kommunikationsmittel der AfD verliert an Durchschlagskraft“, sagt er. Hillje muss es wissen: Er hat ein Buch über die Kommunikationsstrategie der AfD geschrieben.

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Um zu verstehen, in welche Schwierigkeiten die AfD geraten ist, muss man die Funktionsweise der sozialen Medien kennen. Ausschlaggebend dafür, wie viel Reichweite ein Beitrag erzielen kann, ist die Menge an Interaktionen: also wie viele Menschen einen Beitrag kommentiert, geteilt oder mit „Gefällt mir“ markiert haben. „Anhand der Menge der Interaktionen stuft der Algorithmus einen Beitrag als mehr oder weniger relevant ein und zeigt ihn entsprechend mehr oder weniger Nutzern in der Folge an“, erklärt Hillje.

Krisenzeiten sind Regierungszeiten

Sein Ergebnis: Im Zeitraum zwischen Mitte März und Anfang April hat sich diese Interaktionsrate mit Beiträgen der AfD fast halbiert im Vergleich zu zwei zufällig ausgewählten Zeiträumen in diesem und dem vergangenen Jahr. Von den schwächsten fünf Facebook-Posts der letzten drei Wochen handeln vier von Corona. Dazu zählt etwa ein Beitrag, in dem die AfD Tipps gibt, wie man bei den in der Coronakrise überlasteten Arbeitsämtern Anträge online stellen kann. Mit Corona-Themen kann die AfD offenbar nur schwer punkten. Unter den fünf erfolgreichsten Facebook-Posts der letzten drei Wochen handelte dann auch nur ein Beitrag von Corona: „Ausgangsperre auch für Flüchtlinge!“ Hillje sagt, die AfD erziele nur dann gewohnte Reichweiten, wenn sie es schaffe, Corona mit ihren Kernthemen zu verbinden.

In der Coronakrise hat die AfD einerseits das gleiche Problem wie alle anderen Oppositionsparteien: Krisenzeiten sind Regierungszeiten. Aus Sicht von Hillje erschweren verschiedene Faktoren die Kommunikation für die AfD zusätzlich: Sie habe keine einheitliche Linie zu Corona. Selbst die eigenen Wähler sähen in der AfD eher einen Problembenenner als einen Problemlöser. Und: „Die Menschen informieren sich in der Krise verstärkt bei etablierten Medien, Forschungsinstituten und Gesundheitsbehörden“, sagt er.

Die Hinwendung zu etablierten Medien zeigt sich nicht nur in den überdurchschnittlichen Einschaltquoten von Tagesschau und Co., sondern auch in einer Umfrage im Auftrag der Unis Mainz und Düsseldorf. Diese ergibt, dass die Angebote des öffentlich-rechtlichen Rundfunks derzeit von zwei Drittel der Deutschen täglich und von einem Viertel sogar mehrfach täglich genutzt werden. „Gerade bei Gesundheitsthemen sehen wir den Bedarf nach seriöser, wissenschaftlicher Einordnung“, sagt Hillje. Und renommierte Wissenschaftler kämen in den etablierten Medien derzeit häufig vor.

Wenn Wut der Akzeptanz weicht

Die AfD habe sich hingegen in den sozialen Medien ein alternatives Massenmedium aufgebaut, sagt Hillje. „Der Mechanismus dahinter: Unabhängige Medien werden als unwahrhaftig diffamiert, um die eigenen Informationen als wahrhaftig darzustellen.“ Wenn die Partei nun mit ihren eigenen Kanälen nicht mehr durchdringe und gleichzeitig die etablierten Medien an Reichweite gewönnen, falle diese Strategie in sich zusammen.

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Hier kommen wieder die Mechanismen der sozialen Medien ins Spiel: Um Reichweite zu erzielen, muss man Reaktionen bei seinem Publikum hervorrufen. Das sei im Fall der AfD in der Vergangenheit häufig Wut gewesen, sagt Hillje. Wut etwa auf die Regierung. „In einer gesellschaftlichen Stimmung, in der es hohe Akzeptanz der Regierungspolitik gibt und einen Bedarf nach Informationen der etablierten Medien, funktioniert diese Wutmaschine der AfD nicht mehr.“ Mit jedem unterdurchschnittlich laufenden Beitrag verschlechtere sich nun der Wert der AfD-Facebook-Seite insgesamt nach den Bewertungsmaßstäben des Algorithmus. Das alles sei sehr problematisch für die AfD, sagt Hillje. Er räumt aber ein: Das könne sich bei anderer Themenlage auch schnell wieder ändern. 

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