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Dresden

Warum an der besetzten Villa Bäume fallen mussten

In Strehlen nahmen Aktivisten ein Haus in Beschlag, weil es nicht genutzt wird. Dabei hat der Investor große Pläne.

Am 24. August waren Hausbesetzer in die Villa am Basteiplatz eingedrungen, sie wollten damit gegen steigende Mieten und Leerstand protestieren.
Am 24. August waren Hausbesetzer in die Villa am Basteiplatz eingedrungen, sie wollten damit gegen steigende Mieten und Leerstand protestieren. © xcitepress

Für Schlagzeilen hat die Villa am Basteiplatz 3 schon oft gesorgt. Zuletzt, als sie am 24. August in den Fokus von Hausbesetzern geriet. Diese hatten die Villa für mehrere Stunden eingenommen, um den Besitzer dazu zu bringen, das Haus für „Wohnraum und für gemeinschaftliche Zwecke, wie ein alternatives, soziales und kreatives Zentrum“ zu nutzen. 

Seit Jahren steht die Strehlener Villa leer, im Sommer 2018 wurden im Garten mehrere Bäume gefällt. Illegal, sagt die Stadt und erstattete Strafanzeige gegen den Eigentümer. Das ist Roman Lerch, Vorstand der Castello AG, und seit gut einem Jahr Besitzer der Villa. 1,25 Millionen Euro hat Lerch nach eigenen Angaben für das Gartengrundstück samt Villa bezahlt. Mitgekauft hat er die Pläne, die der Vorbesitzer hatte erarbeiten lassen. Pläne, die vorsehen, dass auf dem Areal eine Seniorenresidenz entsteht.

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So soll der Neubau des Wohnprojekts für Senioren aussehen: Das langgestreckte Gebäude schwingt sich in einem Bogen um die Villa, zum Innenhof hin entsteht eine Art Arkadengang. 
So soll der Neubau des Wohnprojekts für Senioren aussehen: Das langgestreckte Gebäude schwingt sich in einem Bogen um die Villa, zum Innenhof hin entsteht eine Art Arkadengang.  © Visualisierung: Castello AG

An ihm soll es also nicht scheitern, dass bald wieder Menschen in das Haus einziehen, sagt Roman Lerch. Allein an der Umsetzung seiner Baupläne scheiterte das Projekt bislang. Lerch sieht dafür vor allem die Behörden in der Verantwortung. Denn diese sagen, dass der Außenbereich ein Gartendenkmal ist. Auf Nachfrage der SZ bestätigt die Stadt, dass der „Villengarten des Anwesens Basteiplatz 3 in der Denkmalliste des Freistaats Sachsen, Dresden-Stadt verzeichnet ist“. Das sei allerdings noch nicht so gewesen, als er das Grundstück im vergangenen Jahr gekauft hat, sagt Lerch. Vor dem Kauf habe er sich danach erkundigt. Die Angelegenheit ist kompliziert, sein Anwalt Frank Glienicke versucht, den Sachverhalt zu erklären.

Demnach will er ein Verfahren in die Wege leiten, um nachzuweisen, dass der Garten kein Denkmal ist. Das Recht darauf, das prüfen zu lassen, stehe jedem Bürger laut Sächsischem Denkmalschutzgesetz zu, so Glienicke. Wie der Gartenbereich inzwischen auf die Denkmalliste gekommen ist, kann er sich nicht erklären. Er verweist auf Unterlagen, die belegen, dass die Drewag 2016 für Leitungsarbeiten auf dem Areal etliche Bäume hat fällen lassen. Dabei sei ja bereits ein Teil des angeblichen Gartendenkmals zerstört worden. Nun wird es noch komplizierter: Auch Roman Lerch hatte dort im Juli vergangenen Jahres 18 Bäume fällen lassen. Für 14 hätte er eine Genehmigung gebraucht, sagte die Stadt und stellte Strafanzeige. Lerch behauptet indes, dass es vorher einen Vororttermin mit allen zuständigen Ämtern gegeben habe mit der mündlichen Zustimmung, dass die Bäume gefällt werden dürfen. „Es gab viele Zeugen, aber heute erinnert sich niemand mehr daran.“ Das Ermittlungsverfahren gegen Lerch ist mittlerweile eingestellt, Glienicke zeigt ein entsprechendes Schreiben der Staatsanwaltschaft Dresden.

In der Begründung dazu ist zu lesen, dass unklar sei, ob es sich bei dem Grundstück überhaupt um ein Gartendenkmal handelt. Zwar sei die „Villa mit Einfriedung“ in die Denkmalliste aufgenommen worden, „eine weitergehende Charakterisierung des Grundstücks (auch) als Gartendenkmal erfolgte in der Vergangenheit, trotz ausdrücklicher Bewertung unter Denkmalsgeschichtspunkten, nicht.“

Trotzdem fordert die Stadt, dass Lerch den Garten wieder aufforstet. Er will nun aber zunächst klären, ob es wirklich ein Denkmal ist. Lerch fühlt sich durch die Entwicklungen seit letztem Jahr in seinem Projekt gehindert. Er hat bislang aber weder eine Bauvoranfrage noch einen Bauantrag gestellt, was die Stadt ebenfalls bestätigt. „Wir wollen uns erst mit den Ämtern auf eine Lösung verständigen“, so Lerch.

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Die Entwürfe für den Neubau, der auf dem Grundstück hinter der Villa entstehen soll, stammen übrigens von Siegbert Langner von Hatzfeldt, der in Dresden unter anderem die Neugestaltung der Prager Straße geplant hat. Auf dem Villengrundstück nimmt Hatzfeldt die geschwungene Bauform der Palucca-Schule auf, die sich gegenüber befindet. In der rund 300 Quadratmeter großen Villa könnten Wohnungen oder Verwaltungsräume für die Seniorenbetreuung entstehen.

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