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Warum die Gelben Säcke knapp werden

Der Müllsack wird im Internet zum Geschäft. Die Alternative kommt nicht vor 2021 und hat auch Tücken.

Von Heike Sabel
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So sehen am Gelben-Sack-Tag die Fußwege aus.
So sehen am Gelben-Sack-Tag die Fußwege aus. © Daniel Schäfer

Es gibt sie nur noch streng rationiert: die Gelben Säcke. Zwei Rollen darf man für den Eigenbedarf auf einmal mitnehmen, heißt es zum Beispiel im Heidenauer Rathaus – wenn denn überhaupt welche vorrätig sind. Denn die Säcke sind gefragt, und das offenbar nicht nur bei Leuten, die ihren Verpackungsmüll darin entsorgen.

Jeder Bundesbürger – vom Baby bis zum Senior – verursacht jährlich im Durchschnitt rund 35 Kilogramm bzw. 900 Liter Verpackungsmüll. Das entspricht etwa 13 Gelben Säcken pro Person und Jahr – also etwa einem Sack pro Monat. Ein Vier-Personen-Haushalt im Landkreis müsste somit rein rechnerisch bei jeder 14-tägigen Abholung zwei Säcke vor die Tür stellen. Schaut man sich die Straßen am Gelben-Sack-Tag an, zweifelt man angesichts der Säcke-Flut an dieser Statistik.

Und tatsächlich, die Sachsen verursachen überdurchschnittlich viel Müll, nämlich 41 Kilo Verpackungsreste im Jahr, haben die Statistiker errechnet. Das dies tatsächlich stimmt, bestätigt Sylvia Bauknecht, Geschäftsführerin des Entsorgungs-Unternehmens Kühl, das in der Sächsischen Schweiz fürs Abholen der Gelben Säcke zuständig ist. „Die Sächsische Schweiz liegt tatsächlich über dem durchschnittlichen Verbrauch“, sagt sie. Die Kühl-Chefin kennt einige Gründe, warum die uns statistisch zustehende Menge an Gelben Säcken nicht reicht. Das sind zum einen nachvollziehbare Gründe wie zu viele leere Hunde- und Katzenfutterdosen oder auch das Sack-in-Sack-Prinzip, weil die gelben Folienbeutel dünn sind und schnell reißen. Es gibt aber auch Leute, die horten die Säcke. Warum, das weiß Sylvia Bauknecht auch nicht. Dafür weiß sie, wo die Säcke dann wieder auftauchen: bei Ebay.

Man staunt, wie viele Verkäufer Gelbe Säcke anbieten und in welchen Mengen. Der „ig_as_shop“ zum Beispiel teilt auf Nachfrage mit, derzeit fünf Paletten auf Lager zu haben. Die habe der Verkäufer selbst gekauft. Auch wenn man mehr brauche, kein Problem, man könne nachbestellen und als Kunde unbegrenzte Mengen erwerben. Zehn Rollen gibt es für zehn Euro plus Versand zum Sofortkauf. Bei einem anderen Verkäufer liegen 20 Rollen aktuell bei 3,50 Euro. Insgesamt 227 Gelbe-Säcke-Angebote wurden dieser Tage aufgelistet. Das Geschäft scheint zu brummen. Über 3 000-mal hat der „ig_as_shop“ laut den Angaben auf der Website schon Gelbe Säcke verkauft. Und das, obwohl man sie eigentlich kostenfrei bei den Kommunen abholen könnte.

Die zur gefragten Mangelware gewordenen Säcke sind Teil eines komplizierten Systems. Für die Entsorgung der Verpackungsabfälle und die damit verbundene Verteilung der Gelben Säcke ist die Privatwirtschaft zuständig. Das regelt das Verpackungsgesetz. Es gibt verschiedene Betreiber in Deutschland, federführend ist das Duale System Deutschland (DSD), besser bekannt als „Der grüne Punkt“. DSD beauftragt die Entsorgungsunternehmen in Abstimmung mit den regionalen Abfallzweckverbänden.

Eine konkrete Regel, wie viele Sack-Rollen von den Kommunen an die Haushalte ausgegeben werden, gibt es laut dem hiesigen Zweckverband Abfallwirtschaft Oberes Elbtal (ZAOE) nicht. Praktisch sieht es so aus: Die Ausgabestellen sind angehalten, möglichst immer nur einer Person eine Rolle zu geben. Also ist man in Heidenau mit den zwei Rollen schon recht großzügig.

Die Alternative zum Gelben Sack ist die Gelbe Tonne. Bisher gibt es sie nur in großen Wohngebieten in Pirna und Heidenau sowie in Pirnas Innenstadt. Ginge es nach dem Abfallzweckverband, stünden die Tonnen schon überall. Der Aufwand mit ihnen sei schlichtweg geringer. Abgesehen davon minimieren sie das Risiko, dass der Müll bei Sturm durch alle Straßen geweht wird. Die bisherigen Verträge mit den Entsorgern laufen laut Zweckverband aber noch bis Ende 2020. Kreisweit gibt es Gelbe Tonnen damit frühestens ab 1. Januar 2021. 

Hitliste der nicht ganz ernst gemeinten Alternativ-Nutzungen

Regencape: Oben ein Loch für den Kopf, rechts und links für die Arme, fertig ist der Regenschutz. Wenn man zu lange im Sack-Poncho steckt, ist man trotzdem nass, nämlich von innen. Doch gegen einen Schauer hilft es. Aber wer hat schon immer einen Gelben Sack dabei? Dann wohl schon eher einen Regenschirm.

Rutschunterlage: Als die Gelben Säcke noch dicker waren, waren sie eine perfekte Schlittenalternative. Man musste zwar selbst etwas gut gepolstert sein, weil man sonst jede kleine Unebenheit spürte, aber der Spaß war es wert.

Müllbeutel: Geiz ist geil lässt grüßen. Wer den Kauf der Beutel für seinen Mülleimer sparen will, nutzt die Gelben Säcke.

Transport: Wenn nicht zu schwer ist, was man transportieren will, taugt so ein Gelber Sack zum Transportieren. Im Notfall hilft die Variante Sack in Sack.

Geschenk: Originelle Verpackungen sind immer gefragt. Wer Fantasie und Geschick hat, bastelt auch aus einem Gelben Sack eine individuelle Hülle für ein Geschenk, das hoffentlich nicht für den Gelben Sack ist. (SZ/sab)

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