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Warum die Großenhainer Hanfproduktion in Schwierigkeiten steckt 

Der Cannabis-Konzern Wayland ringt in Sachsen mit Problemen. Sie sind typisch deutsch.

Prokurist Josef Späth (li. ) und Wayland-Geschäftsführer Morten Brandt zeigen die frische Ernte vom Industriehanf, der in Naunhof zerkleinert und getrocknet wird. Als Ölextrakt landet dieser Hanf in Shampoos oder Vitaminkapseln.
Prokurist Josef Späth (li. ) und Wayland-Geschäftsführer Morten Brandt zeigen die frische Ernte vom Industriehanf, der in Naunhof zerkleinert und getrocknet wird. Als Ölextrakt landet dieser Hanf in Shampoos oder Vitaminkapseln. © Kristin Richter

Naunhof. Morten Brandt reibt die Blüten etwas zwischen den Fingern. Die kleben nun etwas, wie er selbst zugibt. „Jetzt bloß nicht Hände waschen“, witzelt er. Denn die Blüte, die der Wayland-Geschäftsführer in den Händen hatte, ist nichts anderes als Hanf. Industriehanf allerdings, der bedenkenlos draußen auf den Feldern wachsen kann, weil er nicht high macht. 

Auf gut 180 Hektar rund um Döbeln bauen Vertragsbauern die begehrte Pflanze inzwischen an, aus denen Öle für Nahrungsergänzungsmittel und Kosmetika extrahiert werden. Zum Unverständnis des kanadischen Cannabis-Konzerns wird das Öl nicht in Naunhof gepresst, wo derzeit die Europa-Zentrale des Cannabisanbaus und -handels aufgebaut wird. Keine Genehmigung. Morten Brandt schüttelt den Kopf. Also geht der ganze getrocknete Hanf zu einem Brauer nach Bayern. Der hat den Job für Wayland übernommen.

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Gern hätten die Kanadier gleich richtig im großen Stil losgelegt, wie Morten Brandt erklärt. Doch nicht nur die Anlage zum Extrahieren der Öle steht aus. Gern hätte Morten Brandt den Industriehanf auch hinter Glas, im verschlossenen alten Schlachthof angebaut, wie den rauschhaltigen Hanf. Für den Anbau des rauschhaltigen Medizinalhanfs hat der Konzern Ende Mai eine Lizenz erhalten.

Wie im Hochsicherheitstrakt

Aus Sicht der Kanadier zwar in einer Kleinstmenge, aber immerhin. Hier, in einigen der über 70 umfunktionierten ehemaligen Kühlzellen des Schlachthofs, wäre auch der Industriehanf sauberer zu züchten, ohne Einflüsse von Autoabgasen und Wetterkapriolen. Aber auch dafür gab es vorerst keine Genehmigung. Für die Kanadier nur schwer zu verstehen, wächst doch bei ihnen selbst der Rauschhanf in gewöhnlichen Gewächshäusern auf Zehntausenden Quadratmetern heran. Und da darf simpler Industriehanf nicht im Hochsicherheitstrakt wachsen?

Im Wayland-Muttersitz in Langton (Toronto) dürfte man nicht nur darüber den Kopf schütteln. Apropos Hochsicherheitstrakt. Fort Knox steht jetzt in Naunhof. Der Medizinalhanf wird tief in den Kellern des riesigen Betonbunkers wachsen. Wohltemperiert natürlich, unter optimalem Licht. „Was man sich nur vorstellen kann, ist hier installiert“, erklärt Morten Brandt: Bodensensoren, damit sich niemand durchgräbt. Bewegungsmelder, Temperatursensoren, Videoüberwachung.

Lüftungslöcher wurden auf maximal fünf Zentimeter verengt und verlaufen auch nicht 90 Grad durch die dicken Wände, sonst könnte ja jemand mit einer Angel kommen. Abflüsse sind versiegelt. „Verrückt“, lacht Morten Brandt, „wenn die Ware hier raus ist, geht sie in einen Sprinter und steht vor irgendeiner Apotheke in der Fußgängerzone.“ Aber so ist es nun mal.

Ein ehrgeiziges Ziel

Genauso wie Funklöcher. Die sind auch da. Was die Kanadier dazu sagen? „Das ist so in Deutschland.“ Immerhin ist jetzt die Aufschaltung zur Polizei über zwei Leitungen gelungen. Zwei Funkmasten, zwei Anbieter und das in Naunhof. Solche Probleme kennt man in Kanada nicht.

Der Weltkonzern ist auch mit einem weiteren Thema auf höchst irdischem Boden angekommen, statt im Höhenrausch: Handwerker finden. Geschäftsführer Morten Brandt hat „höchsten Respekt“ vor der Aufgabe, den Schlachthof nächstes Jahr komplett nach den Wünschen der Cannanisanbauer fertig umzubauen. So gesehen, scheint das jetzt ausgereichte Ziel, Ende 2020 das erste Medizinal-Cannabis in Naunhof zu ernten, wahrhaft ehrgeizig.

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