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Warum die Heide brennen darf

Im Königsbrücker Naturschutzgebiet wurde diese Woche ein Modellversuch gestartet. Das ging nicht ohne Feuerwehr.

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Von Annett Kschieschan

Ein schwarzer Fleck, rechteckig, mehrere Quadratmeter groß – mitten im Naturschutzgebiet „Königsbrücker Heide“. Keine Frage, hier hat es gebrannt. Wer nun etwas voreilig kombiniert, könnte vermuten, der oder die Brandstifter, die kürzlich den Aussichtsturm am Biberpfad abgefackelt hatten (die SZ berichtete), haben wieder zugeschlagen.

Doch es gibt gleich zweifach Entwarnung – von der Königsbrücker Feuerwehr, die selbst mit einigen Kameraden vor Ort war, und von der Verwaltung des Schutzgebietes. Aber wer hat nun gezündelt? Und warum? Die SZ hat nachgefragt.

Was hat sich am Dienstag in der

Königsbrücker Heide abgespielt?

Für Außenstehende klang es nicht zuletzt wegen der Trockenheit der letzten Tage gefährlich: Die Königsbrücker Feuerwehr war am Dienstag ins Naturschutzgebiet gerufen worden – zu einem Heidebrand. Und tatsächlich loderten am späten Vormittag auf einem Areal im Schutzgebiet Flammen. In diesem Fall ging es allerdings nicht darum, das Feuer so schnell wie möglich zu löschen. Die Feuerwehr überwachte lediglich, dass die Flammen nicht über das abgesteckte Gebiet hinaus Schaden anrichteten. Und das aus gutem Grund, wie NSG-Sprecherin Cornelia Schlegel wenig später auf Anfrage bestätigt. Die Sache mit dem Feuer sei so geplant gewesen.

Warum wurde ein kontrolliertes

Feuer entzündet?

Bei dem Brand im Schutzgebiet habe es sich sozusagen um einen Testlauf gehandelt. Die bestehenden hiesigen Heideflächen seien hauptsächlich auf Flächenbrände durch den früheren Panzerbeschuss zurück zu führen. „Deshalb spricht man in Fachkreisen auch von sogenannten Brandheiden“, erläutert Cornelia Schlegel. Und für so eine Brandheide im Kleinformat hat man am Dienstag quasi die Voraussetzungen geschaffen.

Welche Vorteile bieten

die sogenannten Brandheiden?

Auch wenn es für den Laien zunächst seltsam anmutet – Feuer kann die Basis einer üppigen Vegetation sein. „Brandheiden sind wesentlich artenreicher als Heiden, die von Schafherden beweidet werden“, so Cornelia Schlegel. Und weil die Flächen im Naturschutzgebiet in ihrer heutigen Form eben durch Feuer geprägt wurden, könnte das auch für die Pflege eingesetzt werden. Natürlich kontrolliert – so wie am Dienstagvormittag.

Was macht die Aktion in der Königsbrücker Heide kompliziert?

Die militärische Vergangenheit des knapp 70 Quadratmeter großen Naturschutzgebietes im Nordwesten des Landkreises. Jahrzehntelang war die Heide Truppenübungsplatz und Sperrgebiet. Noch immer liegt tonnenweise Munition unter dem Heidegras. Sie wird Stück für Stück geborgen und in der Kampfmittelbeseitigungsanlage in Zeithain fachgerecht entsorgt. Was nicht mehr transportfähig ist, wird vor Ort kontrolliert gesprengt. Feuer und Munition im Boden – das ist gefährlich. Deswegen fand der Test am Dienstag auch unter besonderen Bedingungen statt. Neben der Königsbrücker Feuerwehr waren auch Mitarbeiter der Kampfmittelfirma SKB vor Ort.

Wie lief der Test im Naturschutzgebiet?

Gut. Der Bewuchs auf dem abgesteckten Areal brannte wie geplant nieder. „Das Experiment gelang ohne jeden Zwischenfall“, so Cornelia Schlegel.

Nun wird geprüft, inwieweit Feuer auch künftig zur Pflege der Heidelandschaft eingesetzt werden kann. In jedem Fall gilt: Wenn es in der Heide brennt, muss kein Feuerteufel seine Finger im Spiel haben. Und dann kann es auch mal sein, dass die Feuerwehr nur zur Brandüberwachung ausrücken muss – so wie an diesem Dienstagvormittag.

www.nsg.koenigsbrueckerheide.eu