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Warum die Landeskrone Sorgen macht

Der Görlitzer Hausberg ist als Ausflugsziel beliebt. Obwohl die Fahrstraße neu asphaltiert ist, kann nicht jeder den Gipfel erreichen.

Bergwirtin Rosita Vogt auf dem Aussichtsturm auf der Landeskrone.
Bergwirtin Rosita Vogt auf dem Aussichtsturm auf der Landeskrone. © André Schulze

Schon von Weitem grüßt die Landeskrone. Der Berg ist eine Landmarke. Fast jeder kennt ihn, manche besingen ihn sogar. Die Landeskrone ist der Hausberg von Görlitz. Viele Görlitzer und Gäste mögen den Berg und die Gaststätte als Ausflugsziel. Eine Hotelübernachtung auf der Landeskrone ist noch immer etwas Besonderes. Ganze Schulklassengenerationen aus der Oberlausitz erklommen den Berg wenigstens einmal während ihrer Schulzeit beim Wandertag. Aber der Berg ist fast nur zu Fuß zugänglich. Autos dürfen nur mit Genehmigung der Naturschutzbehörde die Fahrstraße nutzen. Der früher so eindrucksvolle Rundumblick ins Land ist kaum noch möglich. Das und mehr ärgert viele Besucher und auch die Bergwirtin Rosita Vogt. Warum und was die Verantwortlichen dazu sagen, hat die SZ zusammengetragen.

Aussicht: Die Landeskrone wächst zu, Bäume versperren den Blick ins Land

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Mit einem Rundumblick von der Landeskrone aus ins Land kann die Bergwirtin Rosita Vogt nicht mehr werben. Der Blick vom Aussichtsturm nach Süden zum Berzdorfer See wird durch Bäume versperrt. Vom Restaurant aus können Gäste nur noch einen Blick auf die Stadt werfen. Die Bäume auf der Landeskrone dürfen aber nicht zurückgeschnitten werden. Das gibt der Naturschutz vor. „Niemand will auf der Landeskrone Bäume fällen, aber ein vernünftiger Schnitt für bessere Sicht schadet dem Klima nicht und war früher ohne Probleme möglich“, sagt Christian Daume. Er ist der Erbbaupächter von Hotel und Gaststätte auf dem Berg. 

Das Landratsamt dazu: „Der Erbbaupachtvertrag wurde 1994 in Kenntnis der naturschutzrechtlichen Einschränkungen zur Betreibung der Anlagen als Hotel und Ausflugsgaststätte geschlossen.“ 2011 wurde die Landeskrone durch den Freistaat Sachsen zum „Gebiet von gemeinschaftlicher Bedeutung (FFH-Gebiet)“ bestimmt. Sie ist Teilfläche des FFH-Gebietes „Basalt- und Phonolithkuppen der östlichen Oberlausitz“ und wichtig für den Schutz von Wäldern und Fledermäusen, erklärt Kreissprecherin Franziska Glaubitz. Der Wald auf dem Berg soll sich ohne menschliche Eingriffe entwickeln. Zwar sieht das Görlitzer Rathaus die Landeskrone als denkmalgeschützte Grünanlage an, kann aber durch naturschutzrechtliche Einschränkungen wenig tun, sagt Stadtsprecherin Sylvia Otto.

Zugang: Der Gipfel des Berges ist nicht für Jedermann erreichbar

Die Fahrstraße hätte aus Verkehrssicherheitsgründen gesperrt werden müssen, wenn sie im Vorjahr keine neue Asphaltdecke erhalten hätte. Die teilweise defekte Straßenbeleuchtung wurde erneuert. Damit haben sich die Verhältnisse für die wenigen, die die Fahrstraße nutzen dürfen, erheblich verbessert. Vorausgegangen waren laut Rathaus jahrelange Gespräche mit der Naturschutzbehörde. Damit sei die Grundlage zur Erschließung des Burghotels überhaupt gesichert, sagt die Stadt. Ein Befahren für jedermann war seit 1992 nicht möglich, daran habe sich nichts geändert. „Die Organisation der Erreichbarkeit des Burghotels liegt im Ermessen des Betreibers in Abstimmung mit der Naturschutzbehörde“, heißt es aus dem Rathaus. Die Wanderwege sind für alle nutzbar, wobei der Wanderer seine Möglichkeiten einschätzen müsse. 

Bis Ende März 2023 gibt es eine Genehmigung für Taxi-Menzel, der mit einem kleinen Bus auf den Berg fahren darf und mit ihm maximal 23 Personen befördern kann. Auch einen Kleinbus stellt der Taxi-Betrieb zur Verfügung. Seit Juni 2015 erfolgen die Fahrten auf den Berg als Anruf-Bus. Mindestens eine Stunde vorher sollte man das Taxi bestellen, bei größeren Gruppen mindestens einen Tag vorher. Weitere Taxi-Unternehmen besitzen eine Ausnahmegenehmigung der Naturschutzbehörde, um bewegungseingeschränkte Personen auf die Landeskrone zu bringen. Das Landratsamt sieht hier ausreichend Möglichkeiten für Gehbehinderte, die Gaststätte zu besuchen.

  Die Bäume auf dem Hausberg werden immer höher. Vom Aussichtsturm aus ist das Südufer des Berzdorfer Sees kaum noch zu
sehen.
  Die Bäume auf dem Hausberg werden immer höher. Vom Aussichtsturm aus ist das Südufer des Berzdorfer Sees kaum noch zu sehen. © André Schulze

Parkplatz: Noch immer fehlen am Fuße der Landeskrone Abstellflächen

Bestandteil des Erbbaupachtvertrages war, dass die Stadt Görlitz am Fuße des Berges einen Parkplatz baut. Den gibt es bislang nicht. Nach Aussage von Christian Daume habe die Stadt das dafür ursprünglich vorgesehene Grundstück verkauft. Für die Stadt habe die Innenstadt Priorität, was den ruhenden Verkehr betrifft. Parkplatzstandorte an der Landeskrone seien bislang aus diesem Grund nicht geprüft worden. Die Parkplatzsituation sei auskömmlich. Zwar bestehe kein expliziter Parkplatz für Besucher der Landeskrone, doch lassen sich nahe Stellflächen finden, sagt die Stadt, beispielsweise entlang der Promenadenstraße. Der Wanderparkplatz an der Straße zwischen Kunnerwitz und Biesnitz wird von Besuchern der Landeskrone gern genutzt, so die Sprecherin.

Wertigkeit: Die Landeskrone ist wichtig für Görlitz und den Landkreis

Die Landeskrone als weithin sichtbare Landmarke hat vor allem Bedeutung als Naherholungsziel für naturliebende und wanderfreudige Menschen. Der Naturschutz gebietet jedoch Einschränkungen, heißt es aus dem Rathaus. „Trotzdem sehen wir die Landeskrone als einen besonderen Ort an, den man als Görlitz-Tourist durchaus besuchen sollte“, so die Stadtsprecherin. Für den Landkreis hat das Naturschutzgebiet Landeskrone hohen naturschutzfachlichen Stellenwert. Hier gibt es eine artenreiche Flora und Fauna, bedingt durch das Basalt-Gestein im Untergrund. Basaltkegel auf einem Granitsockel, wie die Landeskrone, stellen eine geologische Besonderheit dar, sagt die Kreissprecherin.

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