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Warum die Lessingschule in Pirna teurer wurde

Ein Prüfbericht stellte ernste Mängel in der städtischen Bauverwaltung fest. Das Rathaus hat Konsequenzen gezogen.

Von Christian Eissner

Wenn aus 2,9 Millionen plötzlich über 3,6 Millionen Euro Kosten werden, die Bauzeit sich viel länger hinzieht als geplant und der Auftraggeber sich mit dem Planungsbüro in den Haaren liegt, dann ist offensichtlich etwas faul mit der Baustelle. Über Bau-Ärger hört man häufig bei Vorhaben der öffentlichen Hand, Pirnas Stadtrat wurde es an einer Stelle aber doch zu bunt. Er forderte Aufklärung.

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Ende 2011 beschloss der Rat, die Sanierung von Pirnas Lessing-Grundschule unter die Lupe zu nehmen, bei der genau die oben genannten Probleme auftraten. Die Stadträte forderten von der Verwaltung, nicht nur die Kostensteigerungen zu erklären, sondern auch organisatorische Probleme aufzuarbeiten und Verbesserungsvorschläge für künftige Baustellen zu machen.

Die Auswertung des Prüfberichts zur Schulsanierung liegt jetzt vor. Sie zeigt in erstaunlicher Offenheit, in welche Schwierigkeiten sich die Bauverwaltung des Rathauses selbst gebracht hat – weil Personal fehlte, weil man zu viele Baustellen auf einmal begann, weil die Mitarbeiter für ihre Aufgaben nicht ausreichend qualifiziert waren. Eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Baubürgermeister Christian Flörke hat den Bau-Ärger aufgearbeitet und legt dem Rat nun eine Liste mit Konsequenzen vor.

Rückblick: Im Mai 2009 beschloss der Stadtrat die Sanierung der Lessing-Grundschule an der Königsteiner Straße für geschätzte 1,8 Millionen Euro, im November desselben Jahres stand fest, dass sich die Kosten auf rund 2,9 Millionen Euro erhöhen würden, Ende 2011 standen schließlich über 3,6 Millionen Euro zu Buche. Neben unvermutet großen Bauschäden, die die Kosten trieben, ließ die Stadt während der Bauphase einen Fahrstuhl projektieren und änderte mehrfach die Planungen. Auch nach Fertigstellung der Schule gab es Ärger. Weil man an ungedämmten Außenwänden Einbauschränke installierte, bildete sich Schimmel, der beseitigt werden musste. Wieder entstanden Kosten.

Die Probleme, die die Prüfgruppe bei der städtischen Bauverwaltung erkannte, sind gravierend. So heißt es in der Auswertung des Prüfberichts unter anderem, dass der Umfang der Arbeiten zu Baubeginn gar nicht klar war. Zudem waren Verträge unzureichend gestaltet, Zuständigkeiten wurden nicht eingehalten, Abrechnungen der Baufirmen sowie die Bauabnahmen wurden im Bauamt nur unvollständig dokumentiert. Auch die Gründe dafür wurden untersucht. Vor allem zwei Dinge kristallisierten sich heraus. Zum einen waren die Projektleiter seitens der Stadt schlicht überlastet. So war die Lessingschule kurzfristig in ein anderes Förderprogramm geschoben worden. Fristen liefen ab, weil zeitgleich andere Schulsanierungen in der Stadt liefen. So blieb sie Stückwerk. Zum anderen waren die zuständigen Mitarbeiter im Bauamt in Sachen Vergabeordnung und Kommunalrecht nicht so fit, wie sie hätten sein müssen. Die Baustelle kostete letztlich mehr Zeit und mehr Geld.