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Wieso die Saison für die Monarchs jetzt doch ausfällt

Deutschlands Football-Klubs einigen sich, auf die Meisterschaft zu verzichten. In Dresden bleibt ein Finanzloch.

Die Dresden Monarchs verzichten auf die Saison 2020.
Die Dresden Monarchs verzichten auf die Saison 2020. © Ronald Bonß

Dresden. Es gibt 2020 keinen Deutschen Meister im American Football. Die Vertreter der German Football League (GFL) und die wenigen Klubs, die bereit waren zu spielen, legten fest, die Saison abzusagen. Bis zum Stichtag 24. Juli meldeten nur sechs von 16 Vereinen für eine mögliche Spielzeit von September bis November unter Corona-Auflagen. Auch die Dresden Monarchs zählten zu den Befürwortern. Sie machten sich sogar große Hoffnungen auf den Titel – bis nun doch alles anders kam.

Die sechs Klubs, neben Dresden noch Schwäbisch Hall, München, Marburg, Potsdam und Berlin, stimmten bei dem Treffen in Frankfurt am Main am Ende so gut wie einstimmig gegen die Durchführung einer verkürzten Saison. Fünf Vereine waren dagegen. Ein Klub enthielt sich.

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Als Grund für die Absage führen sie beispielsweise an, dass die Verordnungen der Bundesländer derzeit ein deutschlandweites Training mit voller Mannschaftsstärke und Spiele mit ausreichender Zuschauerzahl absehbar nicht ermöglichen würden. In Dresden können die Monarchs bereits seit sechs Wochen beinahe ohne Einschränkungen trainieren. Mindestens vier Wochen vor dem möglichen Ligastart sollten alle Teams zumindest die gleichen Rahmenbedingungen haben, was bei den regional sehr unterschiedlichen Corona-Bedingungen nicht zu machen ist.

Außerdem argumentiert die GFL, dass die wieder steigenden Infektionszahlen kaum Hoffnungen auf weitere Lockerungen zulassen. „Geisterspiele gibt es in der GFL nicht“, betonte Monarchs-Präsident Sören Glöckner bereits vor zwei Monaten. Dadurch, so die GFL, ist es nicht möglich, die notwendigen Zuschauereinnahmen zu erzielen, um den Spielbetrieb kostendeckend durchzuführen.

Die Dresdner führen das Mini-Gerüst von zuletzt sechs spielbereiten Teams, das jetzt doch zusammenstürzte, auf die unterschiedlichen Herangehensweisen bei der Zusammenstellung des Kaders zurück. „Dass solche Teams wie Braunschweig, Frankfurt am Main oder Hildesheim nicht meldeten, kann eigentlich nur daran liegen, dass sie keine Mannschaft zusammenbekommen haben“, vermutet Assistenztrainer Thomas Stantke. Das genannte Trio ist finanziell jeweils besser aufgestellt als die Monarchs und setzt vorrangig auf ausländische Spieler. „Wie schwer das derzeit ist, sie nach Deutschland zu holen, kann sich jeder vorstellen“, sagt Stantke.

In Dresden trainiert der deutsche Kader nun weiter. Die zwölf bis 14 geplanten Importspieler aus Europa und den USA waren noch nicht an der Elbe, mit Ausnahme des amerikanischen Abwehrspielers Adrian Joseph Wentland, der privat und jetzt auch beruflich in Dresden eine Heimat hat. „Wenngleich wir natürlich gern gespielt hätten, wir wollten unserem Sport ein Jahr Leerlauf gern ersparen. Doch auch unter dem Aspekt der eingesparten Personalkosten ist diese Variante für uns vielleicht sogar die günstigste“, meint Glöckner. Die Verträge mit den Importspielern hätten erst gegriffen, wenn sie in Dresden mit einem professionellen Training beginnen.

Vielleicht gibt es einen Ausweg

Allerdings müssen die Monarchs auch einige laufenden Kosten weiter bedienen, etwa für festangestellte Trainer oder den Geschäftsführer. Für sie beantragen die Dresdner nun wohl wieder Kurzarbeit.

„Wir beenden die Saison mit einem Minus. Das beste und schlechteste Szenario haben wir durchgespielt und durchgerechnet. Im schlechtesten Fall hätten wir mit 250.000 Euro Verlust rechnen müssen“, erklärt Glöckner, betont aber, dass der Verein darauf vorbereitet gewesen sei und das Risiko eingegangen wäre. „Das Worst-Case-Szenario kann nicht mehr eintreten. Wenn wir Glück haben, bleiben wir jetzt auf einer Summe sitzen, die nicht sechsstellig ist“, sagt der Vereinschef.

Das hängt nun auch davon ab, ob und in welcher Form Sponsoren und sonstige Partner ihr Geld zurückverlangen. Schließlich können die Monarchs ihren Unterstützern zumindest 2020 keine Werbeplattform bieten. Zudem gibt es Anhänger, die bereits Saisontickets erworben hatten. „Das entscheidet sich alles in den nächsten Wochen“, sagt Glöckner. Möglicherweise gibt es doch noch einen kleinen Ausweg.

Die sechs an sich spielbereiten GFL-Vereine prüfen derzeit ein Konzept für einen Pokalwettbewerb, der dann im Herbst ausgespielt werden soll. „Wir könnten uns gut vorstellen, eine Art Miniturnier oder mindestens ein Freundschaftsspiel zu veranstalten“, sagt Co-Trainer Stantke. Die Monarchs haben sich zudem für eine Art Mini-Ausgabe der GFL ausgesprochen – allein schon, um Erfahrungen mit den derzeitigen Bestimmungen zu sammeln und sich dadurch besser auf das nächste Jahr vorbereiten zu können. „Sehr wahrscheinlich“, prophezeit Glöckner, „wird es da nicht viel leichter werden.“

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