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Polizei taucht in der Neiße ab

Eine Großaktion sorgte am Freitag an der Görlitzer Altstadtbrücke für Aufsehen. Ein Tresor wurde gesucht. Das Ergebnis war ernüchternd.

Sollte das Ding so groß sein? Ein Polizeitaucher hält Rücksprache mit seinen Kollegen.
Sollte das Ding so groß sein? Ein Polizeitaucher hält Rücksprache mit seinen Kollegen. © Nikolai Schmidt

Na  also. Zehn Minuten im Neißewasser und dann schon ein Fund: eine leere Schnapsflasche. So wie er sie gefunden hat, so wirft sie der Polizeitaucher auch gleich wieder ins Wasser zurück. Freitagvormittag, die Altstadtbrücke in Görlitz hat eine neue Sehenswürdigkeit: Maskenmann im Wasser.

Hinter dem provisorischen Grenzzaun stehen zwei polnische Soldaten, die Maschinengewehre umgehängt. Gleich daneben plaudern eine ältere Dame auf polnischer Seite und ein Herr auf deutscher durchs Gitter und tauschen Waren aus. Eine Büchse mit Kaffee aus Polen - einmal kurz durchgereicht, der Mann freut sich. Die Soldaten tun so, als ob sie nichts sehen. Ein Schwan am Zgorzelecer Ufer betrachtet die gesamte Szenerie derweil etwas misstrauisch. Offensichtlich brütet die Vogelfrau. Alltag in Corona-Zeiten eben. Aber eigentlich schauen Touristen und Görlitzer auf der Altstadtbrücke gerade gespannt aufs Wasser. 

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Großaufgebot der Polizei

Die Polizei ist mit einem Großaufgebot angereist. Eine Tauchergruppe der sächsischen Landespolizei ist da. Sie gehört zur Bereitschaftspolizei in Leipzig und taucht heute in die  trüben Fluten der Neiße ab.  Der Aufwand ist immens. Neben den Einsatzfahrzeugen ist ein Sanitätsmobil vor Ort und eben jede Menge Schaulustige. Gegen 11 Uhr am Freitag steigt der erste Taucher ins Wasser.  Unter der Altstadtbrücke hindurch paddelt er in Richtung Wehr an der Mühle. Dort hat sich mitten im Fluss ein Baum verfangen.

Unter der Altstadtbrücke tauchten die Polizisten ab.
Unter der Altstadtbrücke tauchten die Polizisten ab. © Nikolai Schmidt

Offensichtlich ist das ein Ziel, das den Tauchern vorgegeben wurde. Gesichert mit einem Seil an einem Schlauchboot, taucht hier der Experte ab. Wieso, weshalb, warum - die Beamten vor Ort geben sich wortkarg. Die Pressestelle der Polizeidirektion Görlitz allerdings ebenso. Das alles sei Teil eines Ermittlungsverfahrens, das von der Staatsanwaltschaft Görlitz geführt werde, so Sprecher Kai Siebenäuger. Es werde nach Beweismitteln gesucht. Die Staatsanwaltschaft Görlitz wiederum hilft auch nicht weiter.  Sprecher Christopher Gerhardi kann zum Anlass und zum Ergebnis des Taucheinsatzes in der Neiße nichts sagen.

Suche nach Tresor aus einem Einbruchsfall

Nach SZ-Informationen geht der Taucheinsatz auf einen Antrag des Polizeireviers Görlitz zurück. Offensichtlich wird von der Kriminalpolizei in einem Fall eines besonders schweren Diebstahls nach einem Einbruch ermittelt. Der liegt allerdings  wohl schon eine Weile zurück. Demnach hatte der Beschuldigte wohl erklärt, dass er die Beweismittel in der Neiße versenkte. Es soll sich um mehrere Gegenstände handeln, unter anderem um einen Tresor, Inhalt unbekannt. Wo und wann der Einbruch genau stattgefunden hat - ebenso unbekannt.

Es ist inzwischen 12 Uhr, der zweite Taucher macht sich startklar. Das Schlauchboot der Polizei holt ihn ab, dann geht es los. Wieder Richtung Wehr, wieder in das trübe Nass. Die beiden polnischen Soldaten haben sich inzwischen zurückgezogen, dafür stehen jetzt mehr polnische Schaulustige auf der Brücke. Immer wieder werden Fotos mit dem Mobiltelefon gemacht. Das polnisch-deutsche "Tauschpaar" hat seine Transaktionen inzwischen beendet und verabschiedet sich. Bis zum nächsten Mal, vielleicht dann ohne Zaun.

Ungewiss, ob es eine Fortsetzung des Einsatzes gibt

Bekannt ist inzwischen: Der Einsatz der Polizeitaucher war seit Längerem geplant. Die Tauchergruppe  der Bereitschaftspolizei geht immer dann ins Wasser, wenn es um die schwierige Polizeiarbeit geht. Die Experten suchen beispielsweise nach vermissten Personen, bergen Güter bei  Unfällen und Katastrophen, helfen auch bei Umweltschutzmaßnahmen. Oder suchen eben einen Tresor in der Neiße zwischen Görlitz und Zgorzelec. 

Gefunden wurde der nicht. Es gab kein Ergebnis, hieß es am Freitagabend aus Görlitzer Polizeikreisen. Ob die Polizeitaucher noch einmal zum Einsatz kommen werden, ist ungewiss. Dazu gab es von der Polizei keine Auskunft.

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