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Warum die Wärme den Bienen schadet

Ein kalter kurzer Winter wäre perfekt für die Honigsammler. Was passiert, wenn es regelmäßig zu warm ist.

Schon im Januar und Februar flogen die BIenen bei den milden Temperaturen aus.
Schon im Januar und Februar flogen die BIenen bei den milden Temperaturen aus. © dpa-Zentralbild

Kaum ein Tag unter Null Grad, dazu viele mit zweistelligen Temperaturen. Dieser Winter verdient seinen Namen bisher nicht. Für die Honigbienen ist diese Konstellation sogar  gefährlich. 

Denn sie beginnen ab zwölf Grad Celsius Außentemperatur zu fliegen. Das war in Dresden dieses Jahr schon mehrfach im Januar und Februar zu beobachten. "Doch das ist viel zu zeitig", sagt Tino Lorz, der Vorsitzende des Dresdner Imkervereins. Die Winterbienen, die sechs Monate leben, verausgaben sich bei den frühen Flügen und sterben eher. Dazu kommt, dass das Nahrungsangebot noch sehr gering ist. 

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"Das ist aber das geringere Problem, sie haben ja Honig im Stock", sagt Lorz. Doch durch die frühen Flüge sind nach Rückmeldung von vielen Dresdner Imkern bereits rund 30 Prozent der Bienen gestorben. Sie stehen nicht mehr zur Aufzucht der Brut bereit, die Völker werden kleiner. Bis Ende April müssten die Winterbienen eigentlich leben. Doch das schaffen angesichts des vorgegaukelten Frühlings die wenigsten.  

Weniger Bienen, weniger Honig

"Es entwickelt sich ein schlimmer Kreislauf", sagt Lorz. Denn schwächere Völker bringen auch weniger Nachwuchs hervor. Verluste ganzer Völker seien so im nächsten Winter schon vorprogrammiert, schätzt der Imker ein. Dazu kommt, dass weniger Bienen für die Bestäubung von Obstbäumen und -sträuchern zur Verfügung stehen, und natürlich auch weniger Honig produziert wird.   

Die beiden Fotos zeigen den enormen Unterschied zwischen einem gesunden Volk (rechts) und einem geschwächten Volk, das deutlich weniger Bienen hat.  
Die beiden Fotos zeigen den enormen Unterschied zwischen einem gesunden Volk (rechts) und einem geschwächten Volk, das deutlich weniger Bienen hat.   © Tino Lorz/privat

Und die Bienen kämpfen mit einem weiteren Problem. Die Varoa-Milbe lebt an ihnen als Parasit. Sie entwickelt und vermehrt sich in der verdeckelten Brut im Bienenstock. "Natürlich bekämpfen die Imker die Milbe nach der Honigernte mit Medikamenten oder natürlichen Säuren wie Ameisen-, Milch- und Oxalsäure, die im Bienenstock verdampft werden. Aber es überleben immer einige Parasiten, die sich später sprunghaft vermehren", sagt Lorz. Der Milbenbefall schwächt die Bienen auf verschiedene Weise. Die befallene Larve verliert Gewicht, die ausgeschlüpften Bienen sind kleiner als gesunde Tiere und leben kürzer. Außerdem werden durch die Milben Viren wie das Flügel-Deformationsvirus übertragen. Die Bienen kommen dabei mit verkrüppelten Flügeln zur Welt und überleben nicht lange. 

Resistente Völker züchten

Imker Lorz sieht langfristig nur den Weg, gegen diese Milben resistente Völker zu züchten. Denn durch die ständige Behandlung mit den Säuren haben sich die Milben teilweise bereits gut darauf eingestellt. "Wenn wir nur weiterhin mit Medikamenten oder Säuren arbeiten, reagieren die Milben irgendwann nicht mehr darauf." 

Doch die Züchtung resistenter Völker ist zeit- und personalaufwendig. Im vergangenen Jahr haben sich 160 sächsische Imker an einem  Modellprojekt beteiligt. Rund zehn Prozent der Bienenvölker weisen die Resistenz gegen die Varoa-Milbe auf und entfernen die Milben selbst vom Körper. Diese genetische Eigenschaft muss jetzt viel breiter gestreut werden, wozu unter dem Mikroskop künstlich besamt werden muss. "Das ist ein sehr aufwendiges Verfahren, aber die einzige Chance, die Milbe in den Griff zu bekommen", sagt Lorz. Von den Veterinärämtern erhofft er sich, dass diese das Geld, was sie jetzt für Medikamente gegen die Milben einsetzen, lieber in die Züchtung resistenter Völker investieren. Gute Beispiele gebe es bereits aus Luxemburg oder dem schwedischen Gotland.   

Gute Nachrichten gibt es indes zur Amerikanischen Faulbrut. Die Seuche hatte Dutzende  Dresdner Bienenvölker 2017 befallen und sich ausgebreitet. Zwölf Sperrbezirke gab es deshalb zeitweise in der sächsischen Landeshauptstadt. Inzwischen sind sie auf sechs zurückgegangen, wie das Veterinäramt mitteilt. Die Dresdner Imker haben sich zur Bekämpfung der Krankheit extra ein Bienengesundheitsmobil angeschafft. 

Imkern liegt voll im Trend

Die Bienenhaltung steht in Dresden weiterhin ganz hoch im Kurs. Aktuell sind in Dresden insgesamt 656 Standorte mit Bienenhaltungen registriert. Seit 2015 hat sich die Zahl der Imker mehr als verdoppelt, schreibt Stadtsprecherin Anke Hoffmann. Für dieses Jahr sind bereits sämtliche Kurse für Jungimker beim Imkerverein ausgebucht. "Diese Entwicklung ist sehr schön", sagt Tino Lorz. Allerdings betreffe sie ausschließlich  Großstädte. In ländlichen Regionen fehlten nach wie vor Imker. "Vielleicht entschließt sich ja der eine oder andere Dresdner, seine Bienen aufs Land zu bringen. Da wäre vielen geholfen." 

Lorz schränkt aber zugleich ein, dass die Tiere dort vorwiegend Monokulturen vorfinden würden. In der Stadt gebe es stattdessen ein breites Nahrungsangebot für sie.  

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