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Warum die Wende jetzt eine spektakuläre Ausstellung in Liegau möglich macht

Noch vor 25 Jahren undenkbar: Die Künstler Dieter Beirich und Peter Graf in einer Schau. Galerist Klinger macht es möglich.

Von Jens Fritzsche

Noch vor 25 Jahren wäre diese Ausstellung wohl undenkbar gewesen. Doch die politische Wende im Herbst 1989 machte vieles möglich, auch diese Geschichte, die nun sozusagen ihren Abschluss in der Galerie Klinger in Liegau-Augustusbad findet. Denn hier sind seit einigen Wochen Werke der beiden Radebeuler Künstler Dieter Beirich und Peter Graf vereint. „Dass die Werke nun so nebeneinander hängen, ist eine dieser wunderbaren Entwicklungen“, findet Galerist Eberhard Klinger. „Denn Dieter Beirich war glühender, überzeugter Kommunist und Peter Graf war das, was in der DDR subversiv genannt wurde – nie hätte es eine gemeinsame Ausstellung gegeben“, beschreibt der Galerist. Und ist begeistert, dass es ihm nun gelungen ist, die beiden Künstler in einer Schau zu vereinen. „Wobei sich beide als Künstler stets geschätzt haben – und längst auch Freunde geworden sind“, weiß Eberhard Klinger. Und doch gab es bisher noch nie eine gemeinsame Schau der beiden.

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Und Begeisterung darüber ist auch beim Publikum spürbar. „Es ist eine meiner bisher erfolgreichsten Ausstellungen“, freut sich der Liegauer Galerist. Die Besucher strömen reichlich, „und auch, was die Verkäufe von Bildern angeht, ist es eine erfolgreiche Schau“, resümiert Klinger. Und hat sich deshalb entschlossen, die Ausstellung nicht wie geplant Ende Juni abzuhängen, sondern die Schau wird verlängert. Bis zum 20. Juli haben Kunstfans nun noch die Möglichkeit, die spannende Ausstellung an der Schönborner Straße in Liegau zu sehen.

Spannend ist dabei das Herangehen der beiden Künstler. Beirich experimentiert nicht nur mit Farben, sondern auch mit Bitumen. „Er übermalt Schicht um Schicht, bis das für ihn perfekte Ergebnis zustande gekommen ist – das heißt, hier handelt es sich auch vom Gewicht her um schwere Kunst“, sagt Galerist Klinger schmunzelnd. Beirich ist in der Schau mit Landschaften präsent –  vorrangig aus den Alpen. Peter Graf zeigt hingegen viele Menschenbilder. Und hat nichts von seiner Unabhängigkeit eingebüßt. „Mainstream war nie und ist nach wie vor nicht sein Ding“, freut sich Eberhard Klinger. Peter Graf – 1937 in Crimmitschau geboren – kam 1952 mit seiner Familie nach Dresden. Hier lernte er Künstler wie Ralf Winker, alias A.R. Penck, kennen. Sie faszinierten ihn, wie ihn Kunst überhaupt faszinierte. Und so ging Peter Graf nach Berlin – nahm an der Kunsthochschule in Weißensee ein Studium auf. Das allerdings wurde schon ein Jahr später beendet. Aus politischen Gründen wurde er exmatrikuliert. Übrigens gemeinsam mit seinem Studienfreund Georg Kern – der setzte sich daraufhin in den Westen ab und wurde als Georg Baselitz zur Legende. Doch Peter Graf blieb. Er kehrte zurück nach Dresden, jobbte hier als Lagerarbeiter, fuhr Lkw oder Gabelstapler. „Und genau das hat ihn unangreifbarer gemacht, er musste mit seiner Kunst kein Geld verdienen – also war er viel freier“, findet Klinger. Eine künstlerische Freiheit, die sich nach der Wende auch Dieter Beirich nimmt. „Und der richtig tolle Bilder schafft, sehenswerte Kunst!“, schwärmt der Liegauer Galerist.

Eine sehenswerte Ausstellung!

Galerie Klinger in Liegau, Schönborner Straße 12, Öffnungszeiten Mi.-Fr. 14-18 Uhr, Sa. 10-14 Uhr.

www.galerieklinger.de