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Leben und Stil

Warum Ehe ohne Ehevertrag leichtsinnig ist

Das Scheidungsrecht basiert auf überholten Lebensmodellen. Eine Anwältin aus Dresden erklärt, wie man sich absichert.

Mein hohes Einkommen und dein Erbe von Tante Frieda – wie regeln wir das, wenn wir uns mal nicht mehr leiden können?
Mein hohes Einkommen und dein Erbe von Tante Frieda – wie regeln wir das, wenn wir uns mal nicht mehr leiden können? © 123rf.com

Ein Ehevertrag gilt vielen als vollkommen unromantisch. Gehen die Partner doch bei seinem Abschluss davon aus, dass ihre Beziehung irgendwann scheitern wird und sie sich davor schützen müssen, vom künftigen Ex über den Tisch gezogen zu werden. Die meisten gehen die Ehe mit dem festen Vertrauen ein, dass die Liebe ewig hält – und eine solche Vorsorge nicht nötig sein wird. Familienanwältin Katrin Niederl findet das ein bisschen blauäugig.

Frau Niederl, wie viele Paare schließen überhaupt einen Ehevertrag ab?

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Das Autohaus Dresden bildet sowohl kaufmännisch als auch handwerklich aus - und kümmert sich im besonderen Maße um seine Schützlinge.

Nach meiner Erfahrung sind es maximal zehn Prozent.

So wenige? Wie erklären Sie sich das?

Zum einen wegen der Romantik, zum anderen, weil sich viele Paare der Verpflichtungen und rechtlichen Konsequenzen nicht im vollem Maße bewusst sind, die aus einer Eheschließung erwachsen. Man sollte sich nicht unbedacht in die Ehe nach den gesetzlichen Regelungen stürzen, sondern darüber nachdenken, ob das, was der Gesetzgeber sich unter einer Ehe vorstellt und wofür er die Konsequenzen geregelt hat, auch auf das eigene Lebensmodell passt.

Was stellt sich der Gesetzgeber denn vor?

Das Bürgerliche Gesetzbuch stammt von 1900. Viele der Regelungen sind auch noch aus dieser Zeit, auch wenn etliche reformiert sind. Aber der Grundgedanke, auf dem auch das heutige Scheidungsfolgenrecht basiert, ist die Alleinverdienerehe. Das bedeutet, dass ein Ehegatte sich um Haushalt und Kinder kümmert und nur der andere die Möglichkeit hat, Einkommen zu erzielen, sich eine Rente zu verdienen und Vermögen anzusammeln. Das trifft heute bei ganz vielen Fällen nicht mehr zu. Deshalb sollte man sich fragen: Wie sieht die Lebensplanung aus? Wollen wir Kinder haben? Wie wollen wir die Aufgaben von Berufstätigkeit und Familienarbeit verteilen? Eigentlich ist es zu spät, zum Anwalt zu gehen, bevor man sich scheiden lässt.

Was ist der Sinn des Ehevertrages?

Pauschal gesagt liegt er darin, die gesetzlichen Regelungen der Scheidungsfolgen zu modifizieren, wenn sie auf das eigene Konzept nicht passen. Sinnvoll ist er bei Paaren, bei denen wenigstens einer schon vor der Ehe bereits Vermögen oder sehr gute Einkünfte hatte. Oder bei denen aus der Familie Vermögen zu erwarten ist, das durch einen Ehevertrag im Scheidungsfall vom Zugriff des anderen geschützt werden soll.

Für wen ist ein Ehevertrag ratsam?

Da sind ganz unterschiedliche Fallgruppen denkbar. Definitiv gehören Personen dazu, die schon bei der Heirat ein Unternehmen haben oder die während der Ehe eine Selbstständigkeit aufnehmen. Auch bei Immobilienvermögen ist es sehr sinnvoll, per Ehevertrag das Vermögen, das nicht gemeinsam erwirtschaftet wird, aus dem Zugewinnausgleich heraus zu nehmen. Der andere Ehegatte trägt ja im Regelfall nichts dazu bei, wenn es zu einer Wertsteigerung kommt. Es besteht sonst immer die Gefahr, dass die Firma oder die Immobilie verkauft werden muss, um den anderen auszahlen zu können. Auch viele Paare, die zum zweiten Mal heiraten und keine Kinder mehr haben möchten, ziehen einen Ehevertrag in Erwägung, vor allem, wenn die erste Ehe in großem Streit ums Geld endete.

Katrin Niederl hat in München Jura studiert. Seit 2002 ist die zweifache Mutter Fachanwältin für Familienrecht in Dresden.
Katrin Niederl hat in München Jura studiert. Seit 2002 ist die zweifache Mutter Fachanwältin für Familienrecht in Dresden. © L. Neumann

Gibt es analog zum Ehevertrag auch Partnerschaftsverträge für Paare, die eheähnlich zusammenleben?

Das gibt es, allerdings nicht als konkrete Vertragsform im Gesetz geregelt. Aber ein solcher Vertrag empfiehlt sich auch bei nichtehelichen Lebenspartnerschaften. Zum Beispiel, wenn sie Familien gründen und einer für längere Zeit aus dem Berufsleben ausscheidet. Dann fehlen ihm genau die Ansprüche, die einem verheirateten Elternteil in der gleichen Situation zustehen. Er büßt Rente ein, hat im Zweifel einen beruflichen Nachteil, den er vielleicht nicht wieder aufholen kann und dem ihm der andere nicht ausgleichen muss. Oder für Paare, die Immobilien kaufen. Denn in vielen Fällen ist es so, dass sie hälftiges Miteigentum erwerben, obwohl sie nicht den gleichen Eigenanteil in den Erwerb einbringen. Der eine hat 40.000 Euro angespart, der andere 10.000 Euro. Wenn die Beziehung scheitert, schaut man oft in betroffenen Gesichter, weil der Verkaufspreis halbiert wird und alles, was im Vorfeld investiert wurde, nicht berücksichtigt wird.

Was sollte man im Ehevertrag regeln?

Im Wesentlichen sind das drei Punkte: Güterrecht, Versorgungsausgleich und Ehegattenunterhalt, also, ob nach der Scheidung ein Ehegatte in welcher Höhe und wie lange Unterhalt zahlen soll. Wer im Voraus Regelungen triff, umgeht zeitintensive, nervenaufreibende und kostspielige Gerichtsverfahren.

Muss der Ehevertrag zwangsläufig notariell beglaubigt werden oder reichen Vordrucke aus dem Internet aus?

Für den klassischen Ehevertrag, der Regelungen entweder zum Zugewinn, zum Unterhalt oder zum Versorgungsausgleich enthält, ist zwingend die notarielle Beurkundung notwendig. Das Herunterladen von Formularen kann vorab sinnvoll sein, um eine Gesprächsgrundlage zu haben.

Kann der Ehevertrag auch im Lauf der Ehe geschlossen werden?

Ja, zu jedem Stadium. Man kann die Vereinbarung auch schließen, wenn die Ehe in die Brüche geht und man nur die Abwicklung regeln möchte. Dann heißt der Vertrag Scheidungsfolgenvereinbarung.

Was kostet ein Ehevertrag?

Für die Anwaltskosten gibt es eine gesetzliche Gebührenordnung, die sich nach dem Gegenstandswert richtet. Oder man vereinbart ein Stundenhonorar. Die Erstberatung kostet 226,10 Euro. Auch beim Notar gibt es eine Kostenordnung, die sich nach der Höhe des vorhandenen Vermögens richtet.

Das Gespräch führte Susanne Plecher.


Mein oder Dein?

  • Die Ehe soll beide Partner wirtschaftlich absichern – auch dann noch, wenn sie gescheitert ist. Das BGB sieht dafür mehrere Regeln für einen gewissen finanziellen Ausgleich nach der Scheidung vor, etwa:

  • Der Zugewinnausgleich: Wer ohne Ehevertrag heiratet, lebt automatisch in der Zugewinngemeinschaft. Die Vermögen beider Partner bleiben getrennt, aber es wird davon ausgegangen, dass beide während der Ehe zum Vermögenszuwachs betragen. Nach der Scheidung kann dafür ein Zugewinnausgleich verlangt werden. Dabei wird das in der Ehe gewachsene gemeinsame Vermögen hälftig geteilt.

  • Die Gütertrennung: Dabei bleibt jeder Partner Eigentümer seines Vermögens, das er vor und während der Ehe erworben hat. Nach dem Scheitern der Ehe gibt es keinen Zugewinnausgleich. Hausrat, die Nutzung der gemeinsamen Wohnung und des gemeinsamen Autos sowie die ehelichen Ersparnisse auf gemeinsamen Konten werden dennoch aufgeteilt.

  • Der Versorgungsausgleich: Damit werden die Rentenansprüche, Anwartschaften und Aussichten auf eine Altersversorgung ausgeglichen, die während der Ehe erworben wurden. Sie werden grundsätzlich halbiert. Quelle: dpa/rnw

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Ihre Fragen zum Thema Ehevertrag beantworten am Mittwoch, den 26. Februar, zwischen 14 und 16 Uhr in unserem Telefonforum folgende Juristen:

  • Katrin Niederl (Familienanwältin): Tel. 0351 48642805

  • Andreas Suchy: (Familienanwalt): Tel. 0351 48642806

  • Dr. Joachim Püls (Notar): Tel. 0351 48642807

Bis Mittwoch, 13 Uhr, können Sie Fragen per Mail an telefo[email protected] schicken.