merken
PLUS Bautzen

Seine Mission: Seltene Sprachen retten

Was einen Nürnberger nach Bautzen verschlägt, was ihn an dieser Stadt begeistert - und an der sorbischen Sprache.

Norbert Eckstein aus dem Raum Nürnberg vor dem Haus der Sorben in Bautzen. Von der Stadt und ihren Einwohnern schwärmt er in den höchsten Tönen und will unbedingt wiederkommen.
Norbert Eckstein aus dem Raum Nürnberg vor dem Haus der Sorben in Bautzen. Von der Stadt und ihren Einwohnern schwärmt er in den höchsten Tönen und will unbedingt wiederkommen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Wenn jemand ein ganzes Buch mit der Hand abschreibt, ist das Wort Begeisterung wohl  weit untertrieben. Aber wie ist es dann zu benennen, wenn es sich bei diesem Buch um die sorbische Grammatik handelt? Da gibt es nur eine Antwort: Norbert Eckstein.

"Beim Abschreiben habe ich die Grammatik am besten lernen können", sagt der großgewachsene Vierzigjährige. Er sitzt in einem Bautzener Cafe und trinkt ein großes Glas Wasser. Immer wieder schaut er nach draußen, und immer wieder sagt er: "So eine tolle Stadt. Ich komme unbedingt wieder." Aber zunächst fährt er mit dem Wohnmobil erstmal wieder nach Hause. Das liegt in der Nähe von Nürnberg, wo Norbert Eckstein arbeitet. Beim Oberlandesgericht Nürnberg ist er verantwortlich, wenn Computerprobleme auftreten.

Klinik Bavaria Kreischa
PERSPEKTIVEN SCHAFFEN – TEAMGEIST (ER-)LEBEN
PERSPEKTIVEN SCHAFFEN – TEAMGEIST (ER-)LEBEN

Wir sind die KLINIK BAVARIA Kreischa - eine der führenden medizinischen Rehabilitationseinrichtungen in Ostdeutschland.

Lehrer weckte Interesse an den Sorben

Für das Sorbische und die Menschen, die es sprechen, interessierte er sich schon als Schüler in Regensburg, wo er aufgewachsen ist. Im Geschichtsunterricht ging es um slawische Völker. Eines dieser Völker, erzählte der Lehrer, lebt auch im Osten von Deutschland. Es sind die Sorben, und sie pflegen weiterhin ihre eigene Sprache.

Ein slawisches Volk in Deutschland mit einer eigenen Sprache? Hochinteressant! Darüber wollte Norbert Eckstein mehr wissen. "Ich bin dann zur Bibliothek gegangen und hab alles mitgenommen, was ich über die Sorben kriegen konnte. Das war ein ganzer Stapel." Im noch jungen Internet wollte er mehr erfahren. Es dauerte damals Stunden, bis sich auf dem Bildschirm Fotos mit den farbenfrohen sorbischen Trachten geladen hatten.

Sprachtalent aus Regensburg

Schnell stand für ihn fest: Die Sorben und den Landstrich, in dem sie leben, wollte er unbedingt kennenlernen. Und er wollte ihre Sprache sprechen. Beim Domowina-Verlag in Bautzen bestellte sich der Bayer einen Sprachkurs. Und um die Grammatik zu verstehen, schrieb er dieses Buch eben ab.

Sprachen fielen ihm immer leichter als etwa Mathematik. Folgerichtig lernte er auch einen Beruf mit Sprachen, wurde Fremdsprachenkorrespondent für Englisch und Französisch. Einige Jahre arbeitete er in seiner Heimatstadt Regensburg bei einem Unternehmen für Im- und Export. Dann wollte er etwas Neues probieren und bewarb sich bei der bayerischen Justiz. Ein paar Wochen nach dem Eignungstest kam ein Anruf vom Oberlandesgericht in Nürnberg. Und so wurde aus dem Fremdsprachenkorrespondenten ein IT-Experte für Bayerns Gerichte.

Erste Lausitz-Reise nach Cottbus

Das liegt jetzt fast 15 Jahre zurück. In dieser Zeit lernte das Sprachtalent auch noch Schwedisch von zu Hause aus. Polnisch konnte er schon. "Ich will die kleineren Sprachen lernen, nicht noch eine weitere Weltsprache. Die überleben alle auch so." Seine Sprachkenntnisse erprobt er immer auch auf Reisen in die Länder. Als eines der nächsten Ziele steht Israel auf der Liste, aber bis dahin will der Bayer noch besser Hebräisch können. 

Immer wieder beschäftigte er sich in all den Jahren auch mit der sorbischen Sprache. Aber in die Heimat der Sorben hatte er es noch nicht geschafft. Das änderte sich vor fünf Jahren. Da fühlt sich Norbert Christoph Eckstein, wie er vollständig heißt, reif für ein Sorbisch-Zertifikat. Er fuhr nach Cottbus ins Witaj-Sprachzentrum, um eigentlich die niedrigste Sprachkundigenstufe zu erwerben. Nein, hieß es dort, Sie können schon die nächste Stufe in Angriff nehmen. Die bestand er mit dem Prädikat "sehr gut", wenngleich auch mit einem kleinen Fehler. "Über den habe ich mich mächtig geärgert, wie konnte das nur passieren", sinniert er noch fünf Jahre später.

Viele kennen die Oberlausitz nicht

Inzwischen wurde er vom Witaj-Sprachzentrum wieder nach Cottbus eingeladen und nahm die nächsthöhere Hürde, wieder mit "sehr gut".  Aber das war alles in Niedersorbisch. Der Fast-Nürnberger wollte aber auch noch Obersorbisch lernen und vernetzte sich dazu auf Facebook mit Sorben aus dem Raum Bautzen. Vergangene Woche setzte sich Norbert Eckstein dann mit seinem Partner und ihrem Hund, einem unternehmungslustigen Labrador, ins Wohnmobil Richtung Oberlausitz.

"Machen wir uns nichts vor", sagt der Mann mit dem kräftigen R im Dialekt, "diesen wunderbaren Landstrich hier kennen viele von uns noch nicht. Dabei sind es nur drei Stunden auf der Autobahn."

Nur freundliche Menschen in Bautzen

Während sich sein Partner besonders für die Talsperre interessierte, setzte sich der sportliche Bayer aufs Fahrrad und erkundete Bautzen. "Die Architektur, die kleinen Gassen in der Altstadt - das hat etwas von Italien, das ist wie in der Toskana", schwärmt er. Und erst die Menschen hier: "Ich habe nur freundliche Leute getroffen. Wenn ich nach dem Weg gefragt habe, wurde mir sofort weitergeholfen." An seinem "Grüß Gott" hätten alle auch gleich erkannt, woher er kommt.

Dass er wiederkommt, steht für ihn schon fest. Denn fünf Tage genügten nicht, um alles von Bautzen zu sehen. Beim nächsten Mal, das ist schon klar, möchte er auch in den Dom. Und bis dahin sein Sorbisch weiter verfeinern.

Mit dem kostenlosen Newsletter „Bautzen kompakt“ starten Sie immer gut informiert in den Tag. Hier können Sie sich anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Bautzen